Katrin Kunert zog nach drei Legislaturperioden als Linken-Abgeordnete im Bundestag eine Bilanz ihrer Arbeit

„Dürfen uns nicht selbst im Weg stehen“

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Die scheidende Bundestagsabgeordnete der Linken, Katrin Kunert (am Pult), zog eine Bilanz ihrer zwölfjährigen Arbeit im Parlament. 

Kalbe. Irgendwann wurde es ihr zu bunt. Von „großen Fußstapfen“, in die ihr möglicher Nachfolger Matthias Höhn, der am Sonnabend in Kalbe gewählte Direktkandidat der Linkspartei für den altmärkischen Wahlkreis, treten werde, war im Eiscafé Piccolo immer wieder die Rede.

„Dem widerspreche ich“, erklärte Katrin Kunert. „Ich habe lediglich Schuhgröße 37“. Es gebe bei ihr also keine allzu großen Fußstapfen.

Die Suche nach einem Nachfolger war nötig geworden, weil die 52-jährige Stendalerin nach drei Legislaturperioden in Berlin nicht mehr antritt. „Ich habe immer gesagt“, erklärte sie, „dass ich nicht bis zur Rente im Bundestag sitzen werde.“ Genau dieses Versprechen setze sie nun um.

Momentan seien „die Leute unglaublich unzufrieden mit der Politik, sie lassen Dampf ab“, stellte Katrin Kunert bei ihrer Rede zu Beginn der Versammlung beider altmärkischer Linken-Kreisverbände fest. Die Folge seien Siege für Populisten wie den neuen US-Präsidenten Donald Trump, den die Linken-Politikerin als „durchgeknallt und sehr gefährlich“ bezeichnete. Die Linkspartei habe dann eine Zukunft, wenn sie „eine Adresse für Unzufriedene und Protestierende“ sei, „aber nicht nur.“

Katrin Kunert selbst listete auf, wie oft sie im Bundestag eine Rede gehalten habe – zehn Mal – und wie viele Anfragen sie gestellt habe. „Das schärfste Recht einer Oppositionspolitikerin“, bilanzierte sie nach zwölf Jahren im Bundestag, sei „das Fragerecht. Und davon habe ich rege Gebrauch gemacht.“

Klar positioniert sie sich auch zur A 14 durch die Altmark. Und kritisierte zugleich die Linken-Landtagsfraktion in Magdeburg, die weniger auf neue Straßen, sondern vor allem auf den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs in Sachsen-Anhalt setze. Kunert spitz, angesichts des vormittäglichen Beginns der Sitzung bei winterlichen Witterungsverhältnissen: „Nur mit öffentlichem Nahverkehr – wären wir dann heute alle pünktlich hier angekommen?“ Ihre Mahnung an die Partei, nicht nur in diesem Punkt: „Wir dürfen uns nicht selbst im Weg stehen.“

Dass Matthias Höhn als ihr möglicher Nachfolger von den Parteimitgliedern in Kalbe gewählt wurde, begrüßte Katrin Kunert ausdrücklich.

Von Stefan Schmidt

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