Gleise werden abgebaut / Radweg soll entstehen

Kalbe: Die letzte Teilstrecke der Altmärkischen Kleinbahn AG verschwindet

Mittels eines Baggers mit Zweiwegetechnik werden die Gleise der Bahnstrecke zwischen Hohenwulsch und Kalbe entnommen und später wiederverwertet.
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Mittels eines Baggers mit Zweiwegetechnik werden die Gleise der Bahnstrecke zwischen Hohenwulsch und Kalbe entnommen und später wiederverwertet.

Die Bahnstrecke Hohenwulsch / Kalbe ist in Kürze nur noch ein Teil altmärkischer Geschichte, denn aktuell wird auch in der Einheitsgemeinde Kalbe der Rückbau des Gleiskörpers vorangetrieben. Dort soll stattdessen ein Radweg entstehen.

Kalbe – 2019 begann der Rückbau am ehemaligen Bahnübergang Hohenwulsch in Richtung Kalbe, die Gleise wurden wiederverwertet.

Auf dem Abschnitt wurde bereits mithilfe von Fördermitteln ein Radweg gebaut. Vor wenigen Tagen ist der Rückbau bis an den ehemaligen Bahnhaltepunkt Karritz/Neuendorf am Damm herangerückt und in Kürze wird dann wohl der Bahnübergang an der Alten Bahnhofstraße in der Mildestadt erreicht sein.

So positiv die Aussicht auf einen Radweg ist: Mit dem letzten Stück Kleinbahnstrecke geht ein Stück regionaler Geschichte, das dann nur noch in Büchern, Erinnerungen oder Ausstellungen wie der im Burg- und Heimatmuseum „Altes Wachhaus“ zu finden sein wird.

Der einstige Name „Altmärkische Kleinbahn“ suggerierte dem Reisenden eine kleine Bahnstrecke in der Altmark. Doch umfasste das Gesamtstreckennetz der Altmärkischen-Eisenbahn AG tatsächlich über 127 Kilometer, Normalspur 1435 Millimeter in der größten Ausdehnung. Nach und nach verschwanden Streckenabschnitte von der Landkarte der Deutschen Reichsbahn. Zum Beispiel 1943 ein Teilstück zwischen Hanum und Zasenbeck – ein Anschluss an die „Ohretalbahn“. Sie wurde mit der Schaffung der Zonengrenze am 1. Juli 1945 stillgelegt. Die nächsten Betriebseinstellungen im Personenverkehr folgten etwa 1961 zwischen Rohrberg und Hanum, 1967 zwischen Gardelegen und Wernstedt, 1970 zwischen Kalbe und Klötze und der Streckenverlauf nach Beetzendorf wurde 1993 eingestellt. Dagegen blieb der erste Bauabschnitt aus dem Jahr 1899 von Hohenwulsch nach Kalbe noch länger in Betrieb – bis 2001.

Reaktivierungspläne durch Vereine und Organisationen sind in der Nachwendezeit auf mehreren politischen Ebenen gescheitert, wie zuletzt die Güterbedienung für Kies und Sand im Streckenabschnitt Kalbe. Es gibt Altmärker, die den Rückbau der letzten Trasse ohne eine erneute Prüfung einer Wiederaufnahme des Personenverkehrs nach wie vor bedauern. Allerdings: Wenn die Kleinbahnstrecke als letzte ihrer Art verschwunden ist, gibt der neue Radweg zwischen den Einheitsgemeinden Kalbe und Bismark auch neue Anreize für den Tourismus im Herzen der Altmark. Und: Der Strecke Hohenwulsch nach Kalbe wurde durch die beiden Humoristen Herricht & Preil mit der Sketch „Die Reisebekanntschaft“ für immer ein Denkmal gesetzt.

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