„Deutsch ist nicht Schokolade“

Familie Sahak lebt seit ihrer Flucht 15 Monate in Kalbe

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Ajmal Sahak und seine Frau Shakila lernen täglich fleißig Deutsch und ihre Bemühungen scheinen zu fruchten. Beide sprechen schon nach 15 Aufenthaltsmonaten sehr gut Deutsch und haben schon viele Kontakte geknüpft.

Kalbe. Mittlerweile sind 15 Monate vergangen seit Mohamad Ajmal Sahak mit seiner Frau Shakila und ihren beiden kleinen Söhnen, Mohammad Tanwir und Maazullah, aus Afghanistan geflohen sind und jetzt in Kalbe leben (wir berichteten).

Anfangs sei es für die Flüchtlingsfamilie sehr schwer gewesen: ein neues Land, ein neue Umgebung, ein neues System und vor allem eine neue Sprache. „Meine Frau und ich sind zunächst in eine tiefe Depression gefallen“, erklärt der 29--jährige Bauingenieur. Ein ganz großes Problem war für die beiden die sprachliche Barriere. Die studierte Englischlehrerin und ihr Mann, so berichtet sie, sind beide der englischen Sprache mächtig. Ihnen wurde schon während ihrer Schul- und Studienzeit in Afghanistan eingetrichtert, wie wichtig die englische Sprache sei, um sich auf der Welt verständigen zu können. In Deutschland angekommen, versuchten sie sich auf Englisch zu verständigen und merkten sehr bald, dass nicht jeder dem Englischen mächtig ist. „Wenn wir auf Ämter gingen oder andere Arbeiten erledigten mussten, sprachen wir die Leute auf Englisch an und jedes Mal bekamen wir zu hören, dass sie nicht so gut Englisch sprechen“, berichtet Shakila Sahak, die neben Englisch noch sechs weitere Sprachen spricht. Auch ihr Mann Ajmal spricht sechs Sprachen. Und es ist kaum zu fassen, wie gut er in den 15 Monaten Deutsch gelernt hat.

Das habe er seiner Nachbarin zu verdanken, die dem Ehepaar nicht nur beim Deutschlernen geholfen hat, sondern auch sonst helfend zu Seite steht, wie zum Beispiel bei der Mülltrennung. Das für die junge Familie etwas ganz Neues ist. Aber nicht nur die Nachbarin half beim Deutschlernen, auch Bibliotheksleiterin Heidrun Kühnel. Die Leiterin bestellte nach Anfrage von Ajmal Sahak Sprachbücher um Deutsch zu lernen. „Es ist mein Hobby geworden Deutsch zu lernen. Mit Hilfe der Bücher aus der Bibliothek und einem Softwareprogramm übe ich jeden Tag“. Das Wichtigste, so sagt er, sei es, sich mit den Menschen unterhalten zu können um Kontakte zu knüpfen. Und dann sagt er lachend: „Deutsch ist nicht Schokolade“ und meint damit, dass es kein Zuckerschlecken ist.

Auch Shakila spricht mittlerweile gut Deutsch, auch wenn sie gerne auf Englisch zurückgreift. Bei ihrem dreimonatigen Aufenthalt im Krankenhaus haben ihr die Menschen beim Deutschlernen sehr geholfen. „Ich konnte mit der Sprache nichts anfangen. Sie ging einfach nicht in meinen Kopf. Erst nach dieser Zeit habe ich Zugang zu ihr gefunden“.

Die Familie hat sich gut in Kalbe eingelebt. Zu ihrer Nachbarschaft haben sie einen guten Kontakt und auch ihre Kinder fühlen sich in ihrer neuen Umgebung wohl. „Im Kindergarten, in der Schule und auch im Hort wird unseren Söhnen viel Aufmerksamkeit geschenkt“, erzählt der junge Bauingenieur dankbar. Und auch wenn er hier noch nicht arbeiten darf, hat er doch alle Hände voll zu tun. Sieben neue Flüchtlingsfamilien sind in die Nachbarschaft gezogen, die alle Hilfe benötigen. Ajmal Sahak versucht bei fast allen Arztterminen und Amtsgängen dabei zu sein und als Dolmetscher zu vermitteln. Die liebste Arbeit für ihn sei aber, seine Kinder zur Schule und in den Kindergarten zu bringen. Denn wenn die Kinder zur Schule gehen, dann wisse er, dass seine Kleinen eine Zukunft haben.

Kerstin Stirnat unterstützt die Flüchtlingsfamilien in Kalbe und gibt ihnen, als pensionierte Deutschlehrerin, Deutschunterricht. Aktuell kämpft sie darum, die Familie Sahak in einem Integrationskurs unterzubringen. Und obwohl sich die jungen Akademiker gut intergriert haben und auch schon gut Deutsch sprechen, scheint dies kein leichter Schritt zu sein. „Um in den Integrationskurs zu kommen, brauchen sie eine Aufenthaltsgenehmigung. Ohne die Genehmigung kostet der Kurs 600 Euro. Geld das sie nicht haben“, erklärt Kerstin Stirnat. Und sucht derweil nach einer Möglichkeit, um dem Paar trotzdem zu helfen. Damit sie mit ihren Qualifikationen endlich beruflich Fuß fassen können.

Von Marilena Berlan

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