Frau sein „ist keine Ausrede“

Constanze Oertel aus Packebusch ist Atemschutzgeräteträgerin

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Constanze Oertel hat erst 2014 mit der Feuerwehrarbeit in Packebusch begonnen. Inzwischen ist sie Atemschutzgeräteträgerin.

Packebusch – Atemschutzgeräteträger. Auf Versammlungen von Feuerwehren wird immer wieder betont, dass man mehr Einsatzkräfte braucht, die die entsprechende Ausbildung absolvieren. Meist sind es Männer, die als Atemschutzgeräteträger im Einsatz sind.

Es gibt aber auch Atemschutzgeräteträgerinnen. Eine von aktuell dreien mit entsprechender Ausbildung in der Einheitsgemeinde Kalbe ist Constanze Oertel aus Packebusch.

Bevor die 31-Jährige nach Packebusch zog, hatte sie „gar nichts mit Feuerwehr am Hut“, erzählt sie. Das änderte sich jedoch durch ihren Freund, den sie während ihres Landwirtschafts-Studiums in Bernburg kennenlernte. Konrad Schulz ist seit seiner Kindheit Mitglied der Packebuscher Brandschützer. Die Ortsfeuerwehr hat ein erfolgreiches Frauen-Wettkampfteam, „damit hat alles angefangen“, so Constanze Oertel.

Sie entschloss sich dazu, bei den Wettkämpferinnen mitzumachen. „Das macht großen Spaß und ich habe mich gleich gut aufgenommen gefühlt.“ Dadurch stand dann auch zur Debatte, „ob ich im aktiven Dienst mitmachen will“. Nur grobe Vorstellungen der aktiven Feuerwehrarbeit hatte sie, aber „zu 100 Prozent weiß man ja ohnehin nie, was einen erwartet, wenn die Sirene geht“, so Constanze Oertel. „Aber die Gemeinschaft in Packebusch ist super, da hat man keine Zweifel, dass man das nicht hinkriegen kann.“ Also sagte sie zu.

Im Mai 2014 machte sie den Grundlehrgang. Ihr erster Einsatz war ein Lagerhallenbrand in Brunau, erinnert sie sich, von Packebusch aus habe man schon den Qualm gesehen. Sie fühlte sich gut aufgehoben, legte erst Schlauchleitungen und zum Ende der Löscharbeiten „durfte ich auch ans Strahlrohr, es war ja mein erster Einsatz“. Schon im September 2014 folgte die nächste Ausbildung – zur Sprechfunkerin. Diese ist auch Voraussetzung für den Atemschutzgeräteträger-Lehrgang.

Constanze Oertel überlegte: „Wenn ich schon bei Einsätzen dabei bin, dann möchte ich auch alles können, was möglich ist“. Dass die Ausbildung für sie als Frau zu hart sei, „möchte ich als Ausrede nicht gelten lassen“, sagt sie. Aus den Reihen der Feuerwehr gab es durchweg Unterstützung, nur einer hielt sich bedauerlicherweise mit Schwache-Frau-Klischees auf: Ihr Arzt.

Denn vor der Ausbildung muss eine Tauglichkeits-Untersuchung gemacht werden. Dazu gehören ein Belastungs-EKG, Seh-, Blut- und Urintest, die Lunge wird geröntgt und ein Lungenvolumentest gemacht. Alle Werte waren gut bei Constanze Oertel. Sie hätte eigentlich direkt für drei Jahre tauglich geschrieben werden können, allerdings begrenzte der Arzt die Bescheinigung auf ein Jahr, „weil er der Meinung war, Frauen müssten das nicht machen“, so Constanze Oertel, die daraufhin den Arzt wechselte.

Als eine von zwei Frauen machte sie die Ausbildung. Neben einem Theorie-Teil ist die praktische Ausbildung eine echte Herausforderung. Dazu gehören das Besteigen einer Endlos-Leiter, Fahrradfahren, Laufband und das Ziehen eines Gewichts auf eine entsprechende Höhe. Dazu geht es durch „den Käfig“, erzählt die Feuerwehrfrau.

Im Käfig müssen Hindernisse überwunden werden, laufend und kriechend. Während der Belastungstests hat man die Ausrüstung an, die mit etwa 25 Kilo zu Buche schlägt. „Ganz schön anstrengend“ war der praktische Teil. Aber bei den Übungsdurchläufen vor der eigentlichen Prüfung merkte sie: „Ich schaffe das.“ Und der Gedanke aufzugeben kam ihr nie.

Constanze Oertel bestand alle Tests. Jährlich werden die Belastungseinheiten wiederholt – erst zwei Geräte, dann Käfig, danach wieder zwei andere Geräte und wieder in den Käfig. Das ist notwendig, weil sich die Fitness schnell ändern kann. Oder es kann sein, dass „man mit der Enge nicht zurechtkommt oder Panik bekommt, dass einem die Luft nicht reicht, man die Maske abreißt, was der Super-GAU wäre. Deshalb wird alles regelmäßig trainiert“, so die Feuerwehrfrau, die 2018 auch noch die Ausbildung zur Gruppenführerin machte.

Ihr erster Einsatz als Atemschutzgeräteträgerin war ein Scheunen- und Wohnhausbrand in Packebusch. „Da sind wir zweimal mit Flaschen rein“, erinnert sie sich. „Man darf sich das aber nicht vorstellen wie bei Chicago Fire im Fernsehen“, betont sie. Erst beurteilt die Einsatzleitung, ob es sicher ist, unter Atemschutz zum Beispiel ein Gebäude zu betreten. „Ihrem Urteil vertraue ich.“

Eine Herausforderung sei es trotzdem – das Adrenalin „bewahrt einen aber vor dem Zerdenken“. Man gehe nicht allein in den Einsatz, sondern mit Partnern, denen man vertraue, was zusätzlich Sicherheit gebe. Selbstsicher müsse man aber auch sein, „man fühlt Respekt, aber keine Angst. Wenn ich Angst hätte, würde ich es nicht machen“, so Constanze Oertel. Letztlich sei man, auch dank der vorherigen Lehrgänge und Einsatzübungen, „der Überzeugung, dass man am Ende ein Haus oder Menschen geschützt hat. Und das ist ein befriedigendes Gefühl“.

VON HANNA KOERDT

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