Anzahl der Bohrschlammgrubensysteme in Sachsen-Anhalt noch immer unbekannt

"Silbersee" bei Brüchau: Offene Fragen bleiben

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Andreas Höppner (l.) bei einer Demo der Bürgerinitiative „Saubere Umwelt und Energie Altmark“ vor dem Landtag.

Magdeburg / Brüchau. Wie gefährlich ist der „Silbersee“? Ist die Bohrschlammgrube Brüchau ein Einzelfall? So lässt sich die Kleine Anfrage von Andreas Höppner (Linke) an die Landesregierung zur Umweltbelastung bei der Erdöl- / Erdgas-Gewinnung im Land zusammenfassen.

„Es gibt Befürchtungen, dass eine bisher nicht erfasste gesundheitliche Belastung aus dem Ernährungskreislauf beim Genuss von Feldfrüchten, die auf ehemaligen giftbelasteten Schlammgruben gewachsen sind, besteht. Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass die giftigen Schlämme auch das Grundwasser belasten“, begründete der Landtagabgeordnete der Linken sein Interesse. Es gebe auch Hinweise darauf, dass ehemalige giftbelastete Schlammgruben nicht ordnungsgemäß entsorgt, sondern mittels Planierraupen zugeschoben worden seien.

In Sachsen-Anhalt seien rund 800 Tiefbohrungen zur Erkundung und Gewinnung von Kohlenwasserstoffen niedergebracht worden, teilt das Umweltministerium dazu mit. Da nicht neben jeder Bohrung ein Bohrschlammgrubensystem angelegt wurde oder der Schlamm entsorgt worden ist, sei die genaue Anzahl solcher Bohrschlammgrubensysteme im Land nicht bekannt, heißt es in der Antwort.

Hinweise aus der Bevölkerung über mögliche Altlasten würden durch die Ordnungsbehörden geprüft, die über notwendige Maßnahmen entscheiden. Für die Untersuchung und Sanierung der verifizierten Altstandorte sei Engie E&P Deutschland bzw. Neptune in Anspruch genommen worden. Die Untersuchung von Feldfrüchten auf Auffälligkeiten erfolge einzelfallbezogen durch die Bodenschutzbehörden. Liegen Anhaltspunkte vor, werde über Gefahrenabwehrmaßnahmen entschieden. Aktuell stünden noch 20 Bohrschlammgrubensysteme unter Bergaufsicht, so das Ministerium. Im Rahmen des Rückbaus seien in der Altmark von 1994 bis 2017 insgesamt 215 Bohrungen verfüllt sowie 250 Sondenplätze und 226 Bohrschlammgruben zurückgebaut worden – für Kosten von 237 Millionen Euro.

Von Christian Wohlt

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