Kalbes Brandschützer kritisieren Stadtrat und Verwaltung: „Wir fühlen uns im Stich gelassen“

„Es brennt in unserer Feuerwehr“

Zugführer Stefan Schwarzer beklagte sich in Namen der Kalbenser Feuerwehr während der Stadtratssitzung über das seiner Meinung nach mangelnde Verständnis von Verwaltung und Stadtrat.

Kalbe. „Die Arbeit wächst uns über den Kopf. “ Stefan Schwarzer, Zugführer bei der Feuerwehr in Kalbe, startete während der Stadtratssitzung am Donnerstagabend einen Hilferuf. Und nicht nur er.

Mehrere Mitglieder der Kalbenser Ortswehr waren ins Rathaus gekommen, um ihren Unmut kundzutun.

Äußerer Anlass ist der Rücktritt des Kalbenser Ortswehrleiters Jörg Kämpfer, der während der am gestrigen Abend stattgefundenen Jahreshauptversammlung sein Amt zur Verfügung stellte. Aus beruflichen Gründen, wie er sagt. Aber es ging im Rathaus um viel mehr.

Nämlich darum, „dass uns klare Signale“ fehlen, wie es Kinderwehrleiter Ramón Rulff ausdrückte. Es gebe zu wenig Unterstützung für die Kalbenser Feuerwehr. „Wir fühlen uns im Stich gelassen“, so Ramón Rulff. Die Arbeitsbelastung für die Verantwortlichen in der Wehr sei zu hoch, es gebe „hochgradigen Bürokratiekram“, den man nicht mal eben nach Feierabend erledigen könne.

Gerätewart Michael Nikolaus blies ins selbe Horn. „Wir stehen mehr denn je vor großen, großen Problemen.“ Der Rücktritt Jörg Kämpfers („Er musste ein Zeichen setzen“) sei eine „Explosion“, man habe viele Sachen „schon vor Jahren angesprochen“, es habe sich aber nichts getan. So gebe es zwar eine zentrale Bekleidungs- und Ausrüstungskammer in Kalbe. Aber „jede Feuerwehr bestellt selber“, kritisierte Stefan Schwarzer.

Offenbar spricht man auch zu wenig miteinander. Ramón Rulff bemängelte, dass für die Kalbenser Kinderfeuerwehr kein Geld von der Kommune bereitgestellt werde. Was Ordnungsamtsleiterin Renate Ahlfeld energisch zurückwies. Sie habe vom Wehrleiter keine Anträge erhalten: „Der Bedarf war nie angemeldet.“ Dies wiederum rief Sigrun Kämpfer, Sozialausschuss-Vorsitzende und Ehefrau des Wehrleiters Jörg Kämpfer, auf den Plan. Sehr wohl habe es Anträge gegeben, erklärte sie. Vorschlag des Stadtratsvorsitzenden Gerhard Gansewig: Man solle sich doch mal in aller Ruhe zusammensetzen. Denn „die Probleme sind offenbar gravierend.“

Das Hauptproblem bliebe aber trotzdem bestehen: Die Kalbenser Feuerwehr hat, neben der mangelhaften technischen Ausstattung mit einem veralteten Gerätehaus und einem beinahe museumsreifen Fuhrpark, Nachwuchssorgen. „Es kommt zu wenig nach“, so der stellvertretende Wehrleiter Ralf Blumreiter. Vorschlag der Brandschützer: Bei kommunalen Neueinstellungen sollte man verstärkt darauf achten, ob sich auch Feuerwehrleute unter den Bewerbern befinden. Dann könne man gewisse Aufgabe koppeln. Denn die meisten Verantwortungsträger in der Kalbenser Feuerwehr haben – zum Glück – einen Arbeitsplatz, aber oft außerhalb. Sind eben deshalb auch nicht ständig belastbar. Man sei zwar „Feuerwehrmann mit Leib und Seele“, wie Stefan Schwarzer am Donnerstagabend erklärte. Aber man werde weder den eigenen Beruf noch die eigene Familie für die Feuerwehrtätigkeit aufgeben. Es gehe den Feuerwehrleuten, so Stefan Schwarzer mit Blick zu Verwaltung und Stadtrat, „darum, dass sich im Kopf etwas ändert.“

„Es brennt in unserer Feuerwehr“, betonte Ralf Blumreiter zum Abschluss mit Nachdruck.

Von Stefan Schmidt

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