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Keine geeigneten Deponien für den Giftmüll?

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Von: Hanna Koerdt

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Ein Warnschild an der Bohrschlammgrube Brüchau
Für die Auskofferung der Bohrschlammgrube Brüchau könnte es keine für den Giftmüll geeigneten Deponien geben. Kommt doch nur eine Abdeckung der Grube? © Stefan Schmidt

Gibt es keine geeigneten Deponien für den Giftmüll aus der Bohrschlammgrube Brüchau? Dass der Betreiber des sogenannten Silbersees dies als Grund für eine Abdeckung der Grube nimmt, befürchtet die Bügerinitiative „Saubere Umwelt und Energie Altmark“.

Brüchau – Seit Juli liegt der Entwurf des Abschlussbetriebsplans für die Bohrschlammgrube Brüchau, den der Betreiber Neptune Energy auf Anordnung des Senats des Oberverwaltungsgerichts Magdeburg erstellen musste, dem Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) vor. Nach der laut Umweltinformationsgesetz maximal zulässigen Frist von zwei Monaten zwischen Antragstellung und Zugänglichmachung der Unterlagen haben Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) „Saubere Umwelt und Energie Altmark“ den Plan vom LAGB erhalten, informiert BI-Sprecher Christfried Lenz.

Die BI bemängelt nach erster Sichtung, dass der für die Grube rechtlich unzutreffende Begriff „Deponie“ durchgängig im Plan und den Anlagen verwendet „und dadurch die Geschichte der Brüchauer Giftgrube schöngefärbt und aufgewertet“ wird. Das Unternehmen kündige laut BI an, „bei entsprechendem Ausgang eines noch nicht abgeschlossenen Gerichtsverfahrens den jetzigen Abschlussbetriebsplan komplett zurückzuziehen und die Abdeckvariante zu realisieren“, erklärt Lenz in einer Pressemitteilung. Dieses Vorhaben werde dadurch zu untermauern versucht, dass Neptune Energy anzweifele, „dass es überhaupt Deponien geben wird, die das in der Brüchauer Grube befindliche Material zur Entsorgung annehmen“, so Lenz. Der Abschlussbetriebsplan enthalte derzeit nur Entsorgungsoptionen, ohne dass diese validiert seien. Sollte sich herausstellen, dass die Auskofferung zu teuer ist oder „eine Entsorgung des Deponats faktisch unmöglich ist, behält sich Neptune vor, (...) alternativ zur Vollauskofferung den Standort vor Ort zu sichern“, heiße es laut BI im Abschlussbetriebsplan.

Die BI befürchtet, dass die Verhandlungen mit potenziellen Entsorgern auf eine Weise geführt werden, „dass Absagen herauskommen“. Dabei sei „absurd“, dass „Stoffe, die für die sichersten Deponien unter Tage und in Salzformationen zu gefährlich sind“, in der Brüchauer Grube sicher sein sollen.

Die BI kritisiert weiter, dass wichtige fachliche Informationen durch Schwärzung von Teilen des Betriebsplanes „verheimlicht werden. So etwa Angaben zu den Materialien, die zur Konditionierung des Giftschlamms eingesetzt werden sollen, bestimmten Techniken und den Firmen, die sie anbieten, wichtigen Kontakten, die bei der Abfassung des Betriebsplanes herangezogen wurden.“

Fragen werfe außerdem eine Anlage auf. Sie enthalte ein Luftbild vom sogenannten Silbersee, der seinen Namen einst wegen des austretenden Quecksilbers erhielt. Das Bild zeige, „dass trotz Wasserzufluss der Untergrund stellenweise trocken gefallen ist, sodass die Schutzfunktion des Überstandswassers gegen Ausgasung gefährlicher Stoffe, insbesondere Quecksilber-Dämpfe, entfällt“, beurteilt die BI die Aufnahme.

„Unstimmig- und Fragwürdigkeiten des Betriebsplanes dürften damit kaum erschöpfend aufgeführt sein“, heißt es seitens der BI. An den Landtag und die Landesregierung richte sich nun die Frage, ob sie den Entwurf des Abschlussbetriebsplans so hinnehmen oder „auf der Umsetzung des Beschlusses des Landes einstimmig gefasst haben, bestehen?“

Auf AZ-Anfrage teilt Neptune Energy mit, dass das Unternehmen auf die Entscheidung des LAGB warte. „Daher bitten wir um Verständnis, dass wir uns zu einem laufenden Genehmigungsverfahren nicht äußern können“, sort eine Sprecherin.

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