Beliebte und unerwünschte Vögel

Mehr als Probesitzen war am Dienstag noch nicht drin. Einen Burgstorch aber hätten die Kalbenser gern wieder.

Kalbe - Von Gesine Biermann. „Wat den een sin Uhl, is den annern sin Nachtigall“, sagt der Altmärker. In Kalbe trifft das derzeit zwar nicht auf Eulen und Nachtigallen zu, dafür aber auf zwei andere Vogelarten. Eine von ihnen wäre in der Mildestadt sehr willkommen. Die andere hingegen möchten viele vertreiben. Die Vögel selbst scheren sich jedoch nicht um die Wünsche der Menschen.

Der Tourismusverein Kalbe macht mobil. Unterschriften sollen gesammelt und „geeignete Mittel gefunden“ werden.

Der „Feind“ sitzt hoch und trocken in den Bäumen des Stadt- und Kurparkes. Wie schon häufiger sind die Saatkrähen, die Kalbe seit Jahren als einen ihrer Lieblingswohnsitze ansehen, der Grund für den Ärger. Ein so „unschöner Teil der Natur“ könne nach Ansicht des Vereines weder Einwohnern noch Touristen und Patienten der Median-Klinik zugemutet werden.

Ob die schwarzen Rabenvögel nun schön sind oder nicht, ist Ansichtssache. Fakt ist: Die Saatkrähen haben eine starke Lobby. Denn die Vögel gelten als bedrohte Art, sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt und dürfen nicht vertrieben werden.

Im vergangenen Jahr war dies in Kalbe – außerhalb der Brutzeit – mittels Ausnahmegenehmigung dennoch möglich. Teile der Kolonien nahe einer Kindereinrichtung und der Reha-Klinik durften entfernt werden.

Und eine solche möchte der Verein nun mithilfe einer Unterschriftenliste wieder bei der zuständigen Landesbehörde erreichen. „Wenn wir die ...Vögel im Stadtgebiet immer wieder stören dürfen...“ würden diese vielleicht „in die Feldgehölze der Umgebung ausweichen“, heißt es im Aufruf.

Doch in diesem Jahr, so viel ist sicher, ist dieser Zug abgefahren. Schon seit März brüten die Vögel. Ein Herunterspritzen der Nester ist nicht mehr möglich. Die vielen ungeliebten „Schwarzen“ werden also bleiben.

Das Nest eines anderen Vogels würden die Kalbenser indes gern wieder besetzt sehen. Seit der „Spanier“ tot ist, vermissen viele nämlich ihren Burgstorch. Und tatsächlich, am Dienstag schaute dort einer vorbei, wie selbst Bürgermeister Karsten Ruth beobachtete.

Ob der „Weiße“ bleibt, steht allerdings noch nicht fest.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare