Mehriner Bürger stellen sich gegen weitere Fällungen von Linden im Ort / Ortsbürgermeister: „Persönlicher Angriff“

Mehriner Bürger gegen weitere Fällungen von Linden: Baum fällen aus niederen Beweggründen?

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„Hände weg von der Mehriner Lindenallee“: Eine Petition der Bürger erreichte vor kurzem per Post die Ortsräte.

Mehrin. Er mache jetzt nur noch Dienst nach Vorschrift, sagt Vienaus Ortsbürgermeister Fritz Borchmann. Er ärgert sich über eine Unterschriftenliste von einigen Mehriner Bürgern, die vor kurzem in seinem Briefkasten lag.

Darauf steht: „Hände weg von der Mehriner Lindenallee!“.

Vor Kurzem wurde im Vienauer Ortsteil Mehrin eine Linde gefällt. Der Grund: Bei einem Sturm war dem Ortsbürgermeister aufgefallen, dass diese stark geschwankt hatte. „Wenn es um Gefahrenabwehr geht, bin ich verpflichtet zu handeln“, so Borchmann. Das Erdreich um die Linde hatte sich beim genaueren Blick schon etwa zehn Zentimeter angehoben. Borchmann informierte die Baumschutzbeauftragte der Stadt Kalbe, Anette Zenker, von der Linde. Diese wurde dann von einer beauftragten Firma stückweise heruntergenommen.

Das veranlasste einige Bürger dazu, eine Petition zu schreiben. In dieser heißt es unter anderem: „Die Mehriner Dorfgemeinschaft musste mit Bedauern feststellen, dass bereits zwei gesunde Linden aus der Allee gefällt wurden. Wir, die Unterzeichner dieser Eingabe, fordern mit Nachdruck eine sofortige Nachpflanzung der gefällten Linden und den sofortigen Stopp eines weiteren Vergreifens an dieser traditionellen 150-jährigen Lindenallee, die zum typischen Dorfbild unseres Heimatortes dazugehört. Es kann auf keinen Fall hingenommen werden, dass einigen Bürgern die Tradition und die Ansichten des Dorfes überhaupt nicht interessieren und demzufolge aus niederen Beweggründen es zu solchen Schandtaten kommt.“

Als „persönlichen Angriff“ empfindet Fritz Borchmann die Petition: „Es geht hier um eine Bloßstellung meiner Person.“ Er empfinde es als Frechheit, wenn von „niederen Beweggründen“ gesprochen werde: „Ich sah mich gezwungen zu handeln“, so Borchmann. Schließlich hätte ein umgestürzter Baum einen großen Sach- oder, im schlimmsten Fall, Personenschaden verursachen können. Bei der zweiten Linde, von der in der Petition die Rede ist, war vor längerer Zeit bei Baumschnittarbeiten ein großer Ast von der Krone gestürzt und hatte den Stamm der Linde kaputtgemacht, so dass auch hier eine Gefahr bestand.

Auch Anette Zenker versteht den Ärger der Bürger nicht: „So schnell nehmen wir Bäume nicht weg, nur wenn die Gefahr akut ist.“ Es gehe nicht um die Abholzung der Allee und sie könne sich auch nicht vorstellen, dass dies im Interesse des Ortsbürgermeisters sei, so Zenker gegenüber der AZ.

„Der Charakter der Allee soll erhalten bleiben“, sagt Fritz Borchmann. Trotzdem müsse man prüfen, ob die Bäume in ihrer Standfestigkeit in Ordnung seien. So gebe es auch zwei Linden am Ortseingang in Dolchau, die Probleme machen: „Eine beschädigt das Mauerwerk und bei der anderen ist das Wurzelwerk problematisch.“ Der Ortschaftsrat, der sich in der vergangenen Woche getroffen hat, hat einstimmig festgelegt, dass die Baumschutzbeauftragten sowie die Untere Naturschutzbehörde informiert werden sollen.

Von Hanna Koerdt

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