Brandkrustenpilz wird vermutet

Bäume kippen einfach um: Kalbenser Kurpark ist teilweise gesperrt

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Kalbe – „Betreten verboten! Lebensgefahr! Standsicherheit der Bäume nicht mehr gegeben. “ Sieben solcher Schilder stehen seit Dienstagnachmittag an mehreren Eingängen und Kreuzungen des Kalbenser Kurparks.

Im hinteren Teil des Kurparks ist das Betreten ab sofort verboten. Denn dort kippen Bäume bei normaler Witterung um.

Und zwar so lange, „bis wir die genaue Ursache kennen und eine Lösung gefunden haben“, sagt Ordnungsamtsmitarbeiter Jörg Kraberg. Die Maßnahme wurde jetzt nötig, weil im hinteren Parkbereich zwei Bäume einfach – das Wetter war nicht stürmisch – umgekippt sind (wir berichteten), ein dritter steht schon schräg. Nicht der komplette Park ist gesperrt: Man darf den Hauptweg bis zur Hälfte nutzen, dann nach rechts oder links einen Rundweg zurück nehmen, der Teufelsweg ist betretbar, zur Wassertretstelle kann man auch.

Die Wurzeln weggefault und grauschwarze Stellen: Das sind die typischen Kennzeichen des Brandkrustenpilzes.

Zunächst wurde vermutet, dass sich durch die Dürre des vergangenen Jahres Wurzeln zurückgebildet hatten. Nun, nach der Besichtigung der umgestürzten Eschen, könnte der Grund aber ein ganz anderer sein: der Brandkrustenpilz. Er scheint aktuell verstärkt in Deutschland aufzutreten. Recherchiert man im Internet, finden sich zahlreiche Medienberichte über Fällungen jahrhundertealter Naturdenkmäler und Kahlschläge wegen des Pilzes in verschiedensten Regionen. Im Februar wurde auch in Kalbes Nachbargemeinde Gardelegen der Weteritzer Park gesperrt. Und er ist es noch, die Stadt hat Fällungen beantragt, darunter auch für die denkmal- und Landschaftsgeschützte 200 Jahre alte Buche. Im Altmarkkreis Salzwedel gab es, so erklärt Pressesprecherin Birgit Eurich auf Nachfrage der AZ, „schon einige Fälle. In solchen Situationen muss der befallene Baum umgehend entfernt werden, da sich dieser Pilz im Verhältnis zu anderen Pilzarten in rasender Schnelle am befallenen Baum ausbreitet und es daher in kürzester Zeit zu Umbrüchen und damit erheblichen Gefahren für den Straßenverkehr kommen kann.“

Der Befall durch den Pilz ist tückisch, denn er ist von außen so gut wie nicht zu sehen. Als Jörg Kraberg mit Fachleuten vor wenigen Monaten eine Baumbegehung im Kurpark machte, sahen die nun umgestürzten Bäume völlig gesund aus. Der Pilz zersetzt von innen die Zellen des Baumes und verursacht Moderfäule an den Wurzeln und im unteren Stammbereich. Die Fruchtkörper sind krustenförmig, grau und schwarz – sie sehen verkohlt aus. Meist werden sie erst nach dem Bruch der Bäume sichtbar. Und diese Merkmale haben sich nun bei den betroffenen Bäumen im Kurpark gezeigt – „Ich denke, dass er es ist“, so Kraberg. Trotzdem wolle man ganz sicher sein, „es gibt Millionen Arten von Pilzen“. Kraberg steht bereits in Kontakt mit der Unteren Naturschutzbehörde. Die unterschiedlichen Tests für die Bäume sind alle recht aufwendig und teuer. Es müssten Holzproben genommen und zur Untersuchung geschickt werden. Fachleute gibt es allerdings nicht allzu viele. Es gibt auch die Möglichkeit einer Schalltomografie, bei der der Pilz im Inneren ersichtlich wird. Und um die Standfestigkeit eines Baumes festzustellen, kann ein Zugtest gemacht werden. Dabei wird ein Baum kontrolliert unter Spannung gesetzt, um die Windbelastung des Baumes zu prüfen. Nicht alle Tests sind an allen Bäumen leistbar, weder personell noch finanziell, doch Stichproben müssten gemacht werden, so Kraberg. Bis dahin müsse der Kurpark teils gesperrt bleiben, „es liegt im eigenen Interesse, den Bereich nicht zu betreten“, so Kraberg. Passiert etwas, besteht kein Versicherungsschutz und Eltern haften für ihre Kinder.

Die Sperrung und offensive Beschilderung scheint nicht allen Bürgern zu gefallen. So hätten ihn gestern bereits Kalbenser angesprochen, wie Kalbes Ortsbürgermeister Heiko Gabriel gestern der AZ erklärte. „Es geht darum, dass es maßvoll sein sollte“, so Gabriel, der das Thema vorab gerne im Ortschaftsrat oder bei einer Begehung diskutiert hätte.

VON HANNA KOERDT

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