Kleinbahn-Strecke wird in einem PC-Spiel simuliert

Ferkeltaxe hält wieder am Bahnhof Kalbe

Simulierter Zug hält am Bahnhof in Kalbe
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Die Ferkeltaxe hält wieder am Bahnhof in Kalbe. Und zwar als Simulation der Kleinbahnstrecke zwischen Hohenwulsch und Beetzendorf in einem sogenannten Add-on, einem Zusatz, für das Computerspiel „Train Simulator“. Für die Gestaltung benötigt das Team noch Fotos vom Betonwerk in Kalbe.
  • Hanna Koerdt
    VonHanna Koerdt
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Als Passagier oder auch Lokführer kann man bald wieder eine Strecke der Altmärkischen Kleinbahn befahren und am Kalbenser Bahnhof Halt machen - und zwar in einem Spiel auf dem PC.

Kalbe/Altmark – Die Zeiten, in denen die Ferkeltaxe am Kalbenser Bahnhof hielt, sind schon lange vergangen. Die Gleise wurden im vergangenen Jahr zurückgebaut, auf der ehemaligen Strecke entsteht ein Radweg. Die Altmärkische Kleinbahn AG gehört zur regionalen Geschichte. Und doch lebt sie fort, auf Fotos und in Erinnerungen der Mitarbeiter und Fahrgäste. Demnächst halten die Waggons sogar wieder am Kalbenser Bahnhof: Als Simulation in einem Spiel auf dem Computer.

Kleinbahn-Strecke als Zusatz im „Train-Simulator“

„Train Simulator 2021“ heißt das Spiel von Dovetail Games, einem Entwickler und Herausgeber von Simulationsvideospielen, das es beispielsweise bei „Steam“, einer Internetplattform als Download, gibt. Den Train-Simulator spielen Benjamin Klauke und seine Mitstreiter des „RLB-Teams“ schon seit vielen Jahren gerne. Und nicht nur das: Die Eisenbahn-Fans programmieren und kreieren für das Spiel sogar eigene Add-ons. Das sind zusätzliche Programme zu einem Hauptprogramm. In diesem Fall zusätzliche Strecken zu denen, die es bereits im Spiel gibt. Gefunden haben sich die fünf Spieler Benjamin Klauke, Maik Keilholz, Jakob Skov, Frank und Moritz, die aus ganz unterschiedlichen Städten, einer sogar aus Dänemark kommen, in einem Internet-Forum zum Spiel. „Zwei von uns sind sogar Eisenbahner“, erzählt Benjamin Klauke im Gespräch mit der AZ. Da sie über gute Eisenbahn- und Computer-Kenntnisse verfügen, kamen sie auf die Idee, für das Spiel zusätzliche Strecken zu programmieren. Ihre erste war die Strecke der Rübelandbahn durch den Harz, die vor wenigen Tagen erstmals online erschien, berichtet Benjamin Klauke, der selbst aus Blankenburg im Harz kommt.

Unterwegs zwischen Hohenwulsch und Beetzendorf

Das Team überlegte, dass es gerne eine weitere kleine Strecke bauen wollte, die möglichst interessant für die Spieler wäre. Als Idee kam die Kleinbahn-Strecke zwischen Hohenwulsch und Beetzendorf auf. „Wir kannten sie von Bildern und von Youtube“, erklärt Benjamin Klauke. Die Altmark, findet der 32-Jährige, sei sehr gut geeignet für die Simulation, da die Landschaft, die im Spiel die „Epoche vier“, das sind die Jahre zwischen 1970 bis 1990, darstellt, sowohl ländlich als auch industriell geprägt ist, viele kleine Bahnhöfe existieren, die Bahn durch Dörfer und Natur fährt und sogar die Gleisbetten unterschiedlich sind, zum Beispiel aus Sand oder Kies bestehen. „Das bringt im Spiel viele unterschiedliche Möglichkeiten mit sich“, sagt Benjamin Klauke.

Entwickler-Team braucht Fotos vom Betonwerk in Kalbe

Eine Ferkeltaxe und eine V10-Diesellok hatte das Team bereits schon vorher einmal programmiert. Für die Simulation der Altmärkischen Kleinbahnstrecke – es handelt sich um den Abschnitt zwischen Hohenwulsch und Beetzendorf – fehlte also noch die Umgebung. Und die sollte so realistisch wie nur möglich auf dem PC gestaltet werden. Benjamin Klauke hat dafür viel Archiv- und Fotomaterial zusammengetragen, um die Umgebung darstellen zu können. Doch vom Betonwerk Kalbe fehlen dem Team noch Bilder. Nur eines habe er davon, zwei „Silos oder Schornsteine“ seien darauf zu sehen, aber die Aufnahme ist sehr weit weg. „Ich habe alle Foren durchforstet, aber nichts gefunden“, sagt Benjamin Klauke. Deshalb würde er sich freuen, wenn ehemalige Mitarbeiter oder Bürger sich mit Bildmaterial per E-Mail an benjamin.klauke@gmx.de bei ihm melden würden, damit die Darstellung des Areals noch realistischer werden kann. Ebenso braucht das Team noch Bildmaterial der Betonwerke Hohenwulsch und Apenburg. Grundsätzlich seien die Strecken-Entwickler aber an allem Bildmaterial interessiert. Denn dann könnten immer noch mehr Details entdeckt und angepasst werden.

Spieler können das ganze Steuerpult bedienen

Wenn die Simulation der Kleinbahnstrecke fertig ist, können Spieler die Fahrt als Passagiere im Waggon, aus der Außenansicht oder als Lokführer genießen. Am Bahnhof in Kalbe und anderen Haltepunkten kann man Passagiere ein- und aussteigen lassen, grundsätzlich soll ein Spieler „alles betätigen, was möglich ist“, erklärt Benjamin Klauke. Also das Steuerpult in der Lok betätigen – hupen, umkuppeln, rangieren, entladen und Co.. Auch gibt es Szenarios, die gespielt werden können, bei denen es Aufgaben zu erledigen gibt.

Regionale Geschichte bleibt im Spiel erhalten

Gerade erst hat das Team den Haltepunkt Badel fertiggestellt und ist aktuell an der Ausgestaltung der Strecke. So lebt sie fort und wird von hoffentlich vielen Spielern neu kennengelernt. „Wir finden es schön, die regionale Geschichte auf diese Weise zu erhalten“, sagt Benjamin Klauke.

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