Unbekannter äußert auf diese Weise Ärger über übermalte Kunst an Freibadimmobilie / Künstlerstadt nicht verwickelt

Anonym Strafanzeige in Kalbe gestellt

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Katrin Parotat hat 2014 als Künstlerstadt-Stipendiatin die Kalbenser Freibad-Immobilie gestaltet. Eine erfreuliche Kooperation für Künstlerstadt und Stadt, die sich nun aber verkehrt hat.

Kalbe. Eine Anzeige wegen Sachbeschädigung wurde vor wenigen Tagen bei der Staatsanwaltschaft Stendal gestellt. Die Polizei Salzwedel ermittelt nun gegen Unbekannt. Der Grund: Die Überstreichung von Kunst am Kassenhäuschen des Kalbenser Freibades.

Dort nämlich hatte die Künstlerstadt-Stipendiatin Katrin Parotat 2014 die insgesamt 25 Meter lange Front und Seiten des Kassenhäuschens mit Poolfarbe gestaltet und dort Wasserpflanzen aufgemalt. Doch in diesem Mai wurde der Teil am Häuschen orange überstrichen. Von Mitgliedern des Freibad-Fördervereins, allerdings im Auftrag von Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth, denn die Immobilie gehört der Stadt. Überstrichen wurde deshalb, weil besagter Teil des Kunstwerkes nicht mehr ansehnlich und verschmutzt gewesen sei.

Dass Teile des Kunstwerkes überstrichen wurde, hat einen Unbekannten dazu bewegt, eine Anzeige wegen Sachbeschädigung zu stellen.

Dies sieht offenbar nicht jeder so. Denn es gab diesbezüglich einige Kritik, auch von Nichtmitgliedern der Künstlerstadt Kalbe, betont Initiatorin Corinna Köbele, weist eine Verwicklung des Vereins in die gestellte Strafanzeige allerdings von sich: „Ich habe damit nichts zu tun und die Künstlerstadt auch nicht“, sagt Köbele. Sie habe, nachdem sie von der Anzeige erfuhr, sogar Mitglieder angerufen und nachgefragt, ob die Anzeige von einem von ihnen kam, allerdings hätten alle dies verneint. Gerüchte, wonach es die Künstlerin selbst angezeigt habe, kann Köbele nicht bestätigen. Denn Katrin Parotat ist seit Längerem in Indien unterwegs und wisse noch gar nichts von der Übermalung an sich. „Ich habe ihr davon nichts erzählt und das Mitglied, das noch engen Kontakt zu ihr hat, wusste selbst auch nichts von der Sache“, so Corinna Köbele. Auch wenn sie die Überstreichung der Kunst bedauert und sich gewünscht hätte, vor diesem Entschluss gemeinsam mit Karsten Ruth eine andere Lösung zu finden, sei die Stadt Eigentümer und habe letztlich darüber entschieden: „Es ist jetzt so passiert“.

Auch wenn die Künstlerstadt Kalbe Abstand zu allem nimmt, wird es die künftige Zusammenarbeit mit der Stadt wohl nicht unbedingt vereinfachen. „Ich muss die Stadt vor Schaden bewahren und wenn das Zusammenwirken so etwas (Strafanzeige, Anm. d. Red.) hervorbringt, dann muss ich darüber nachdenken“, so Ruth. Es habe keinen Vertrag über die Gestaltung und Nutzung der Immobilie gegeben und man habe keine Rechte zugesichert, „die mein Verfügen einschränkt“, so Ruth. Die Ermittlungen gegen Unbekannt werden sich letztlich nicht gegen die Mitglieder des Fördervereins, die auch gar nicht in irgendeiner Verantwortung stehen, richten, sondern gegen Ruth selbst, allerdings sind wohl keine Konsequenzen zu erwarten – eine Überstreichung allein ist keine Sachbeschädigung und es gibt keine Nutzungsverträge oder Ähnliches. Im Endeffekt wird es vermutlich nur ein symbolischer Akt der Äußerung des Unmutes über Orange auf weiß-blauem Grund bleiben.

„Rückgratlos“ findet Ruth indes den Fakt, dass die Anzeige anonym erstattet wurde.

Von Hanna Koerdt

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