Wintercampus des Künstlerstadtvereins in Vienau gestartet

Die Altmark als „Abenteuer-Land“

+
Sieben junge Künstler leben und arbeiten seit wenigen Tagen auf dem Familiensitz derer von Kalben in Vienau. 

mb Vienau. Mit großem Interesse verfolgten am Sonnabend die Gäste beim ersten Atelierrundgang zum diesjährigen Wintercampus des Künstlerstadtvereins unter dem Motto „Abenteuer-Land“ die Erläuterungen der sieben jungen Künstler im Haus der Familie von Kalben im Kalbenser Ortsteil Vienau.

Über 20 interessierte Frauen und Männer aus der Einheitsgemeinde Kalbe und darüber hinaus konnte die stellvertretende Vereinsvorsitzende Petra Kramp begrüßen.

Bei herrlichem Frühlingswetter mit reichlich Sonne konnten die Gäste auch die ersten Fortschritte der Installation von Gian Luca Cadeddu (l.) auf dem Hof in Augenschein nehmen.

Zeitgenössische Kunst in einem Dorf in der Altmark, im Norden von Sachsen-Anhalt? Und das vier Wochen im Winter? Allen düsteren Prognosen zum Trotz stellt die Künstlerstadt Kalbe sich den Folgen des demografischen Wandels und nutzt den „Luxus der Leere“ und die ländliche Ruhe, um regelmäßig auch in den Wintersemesterferien Kunststudierende zur Freude der Einwohner aufs Land zu locken. Mit Erfolg.

Zu den jungen Künstlern, die am Sonnabend ihre ersten Werke in Vienau zeigten, gehörte unter anderem Mario BieRende. Er beschäftigt sich derzeit vorwiegend mit dem Skalpellschnitt. Formal setzt er sich mit bildgebenden Verfahren und Präsentationsformen aus Wissenschaft und Technik auseinander, verknüpft mit seinem Interesse für das Fragmentarische bzw. dessen inhaltliche Vieldeutigkeit. Während seines Aufenthaltes in der Altmark will er seine künstlerische Technik des Skalpellschnitts um die der Zeichnung erweitern.

Die gute Laune in Vienau ist Yanchuan Yang anzusehen. Der 30-jährige widmet sich der Malerei.

Yanchuan Yang, der aus Peking stammt und seit zwei Jahren in Berlin studiert, hat bereits einen Abschluss an der Academy of Fine Arts in Peking und schon ausgestellt, zum Beispiel in China, Shanghai, Neuseeland und Venedig. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine hohe poetische Dichte und einer sehr intensiven Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Gegenstand aus. In seiner Zeit in Vienau will er sich malend dem Thema Träume zuwenden, plant aber auch eine interaktive Installation mit Reisig, die sich dem demografischen Thema der Überalterung zuwendet.

Sevda Güler kommt aus Kassel und studiert an der dortigen Kunsthochschule Film und bewegtes Bild. Einer ihrer Filme wurde schon während der Kunstmesse Kassel sowie beim Equality Filmfestival in Kiew gezeigt und gewann den Birgitt-Bolsmann-Preis. Die Stipendiatenzeit in Vienau will Sevda für die filmische Umsetzung des Theaterstücks „Unterheben“ zum Thema Essen nutzen. Hierbei geht es um den persönlichen, aber auch den gesellschaftlichen Umgang mit Essen.

Gian Luca Cadeddu kommt von der Universität Osnabrück in die Altmark. Der Kunststudierende setzt sich mit Themen aus dem Bereich Ökologie, Industrie und Gesellschaft auseinander. Seine Liebe zum Leben und sein Interesse zu philosophischen Werten bestimmen seine Werke. Er ist Preisträger des Piepenbrock-Kunstförderpreises 2016. Während seines Stipendiums in der Künstlerstadt Kalbe arbeitet er an einer Installation, die Außen- und Innenräume mit verschiedenen künstlichen und organischen Materialien gegenüberstellt.

Frank Kessel und Simone Eißrich haben schon Ausstellungen in Österreich, Schweiz, Italien, Sydney, Weimar, Italien mit ihren Werken ausgestattet. Beide sind ausgebildete Steinbildhauer und werden sich während ihrer Zeit in der Altmark mit dem Thema „Zulauf und Ablauf“ beschäftigen. Zu ihrer bildhauerischen Grundlage, dem Stein, werden auch völlig andere Materialien wie Folie, Stoff, und Seile zum Einsatz kommen.

Yannick Wende möchte die Altmark oder Kalbe in einem Panoramabild aus Einzelfotos präsentieren.

Schon am Wintercampus 2016 nahm Yannick Wende teil. Und auch in diesem Jahr zog es den 30-jährigen wieder für Fotos in die so ruhige und beschauliche Altmark, die ihm persönlich sehr gefällt. Yannick Wende hat Konzeptuelle Kunst in Nürnberg studiert. Vor wenigen Wochen hat er seinen Masterabschluss an der „Hungarian Academy of Fine Arts“ bekommen. Sein Medium ist die Fotografie. In der Zeit in Vienau möchte Yannick Wende sich der Konstruktion eines Panoramas der Altmark oder von Kalbe widmen. Das aus vielen Einzelbildern zusammengestellte Panorama soll beim Betrachter ein intuitiv logisch erscheinendes Gesamtbild erzeugen.

Das Programm zum ersten Atelierrundgang am Sonnabend war für die Gäste sehr umfangreich und führte den einen oder anderen in eine neue Welt der Kunst und der Kunstansichten. Bei herrlichem Frühlingswetter mit viel Sonnenschein gab es auch auf dem Hof der Familie von Kalben viel zu entdecken. Mit einer großen Kaffeetafel ließ man den Rundgang am Sonnabend im Vienauer Wiesengrund ausklingen. Am kommenden Sonnabend sind um 15 Uhr weitere Interessierte willkommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare