Zahlreiche Einwohner üben bei Info-Veranstaltung Kritik

Zustand am Friedhof: „Keiner hält sich an die Ordnung“

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Über den Schnitt der Hecken auf dem Gardelegener Friedhof beschwerten sich die Einwohner. Kritisiert wurde zudem, dass etliche Rhododendren vor Jahren entfernt wurden.

Gardelegen. Bereits seit über zwei Jahren gelten für alle der 27 Friedhöfe der Gardelegener Einheitsgemeinde die gleichen Vorschriften, denn zum 1. Januar 2016 wurde eine einheitliche Friedhofssatzung beschlossen.

Zu diesen Vorschriften gab es laut Bürgermeisterin Mandy Zepig im Sommer viele Anfragen bei der Friedhofsverwaltung bezüglich der Pflege, Bewässerung oder Möglichkeiten der Bestattung.

Deswegen und um Hinweise und Anregungen zur Verbesserung der Friedhofspflege seitens der Einwohner zu erfahren, fand am Mittwochabend eine Infoverstaltung statt. Die zahlreichen Anwesenden, unter denen neben Bürgern auch Ortsbürgermeister, Stadträte, sowie Dienstleistungsunternehmen werden, äußerten in der Willi-Friedrichs-Sporthalle dabei vor allem Kritik hinsichtlich des Gardelegener Friedhofs.

So regte sich Reinhard Bartlok über Lärm, Radfahrer, die auf dem Gelände nicht absteigen oder Hundehaufen auf. Zudem schlug er vor, dass abends nur ein Zugang zum Friedhof geöffnet sein sollte, auf dem laut ihm auch gestohlen oder randaliert wird. Das sei für „Gardelegen ganz normal“. Der Gardelegener kritisierte zudem, dass sich „kein Mensch an die Ordnung hält“ und keine Kontrollen stattfinden. Dem widersprach Isolde Niebuhr, zuständige Stadtmitarbeiterin. Es werde kontrolliert, denn es ist bekannt, dass die Friedhofsordung nicht eingehalten wird, weswegen es bereits mündliche Verwarnungen gab.

Das größte Problem sei aber laut Reinhard Bartlok der Heckenschnitt. Die Büsche werden „jedes Jahr schmaler“, äußerte er sich aufgebracht. Auch Eveline Karlsch bemängelte die Pflege der Hecken, um die sich unter anderem die Lebenshilfe kümmert. Diese habe aber „nichts mit einer fachlichen Ausführung“ zu tun – die Pflanzen sind teilweise vertrocknet und nicht gerade gestutzt. Lebenshilfe-Produktionsleiter Harry Wenzel widersprach daraufhin, dass das Schneiden der Hecken durch fachlich ausgebildete Mitarbeiter erfolgt sowie deren Arbeit kontrolliert wird. Demnach sah er den Grund für das Eingehen der Pflanzen an deren Wurzeln und der Wasserader, denn nach dem Schneiden bilden die Pflanzen eine Schutzschicht, wodurch weniger Wasser benötigt wird. Zudem, erklärte anschließend Isolde Niebuhr, konnten die Pflanzen auch nicht bewässert werden. Da einige nun wegen der Hitze und anhaltenden Trockenheit eingegangen sind, erfolgt eine Bestandsaufnahme, aber dennoch kann nur im Einzelfall entschieden werden, was mit den Pflanzen passiert, denn die Hecken unterteilen mehrere Grabstellen.

Neben den Hecken wurde auch der Schnitt – dieser erfolgt laut Harry Wenzel nach Anweisung eines Baumgutachters – einiger Bäume von Uli Köhn kritisiert, ebenso von Jörg Marten, dass einst viele Rhododendronbüsche entfernt wurden, wodurch der Friedhof nicht mehr „parkähnlich“ ist. Laut Mandy Zepig sei dieser aber dennoch schön, auch wenn Einiges streitbar ist. Dabei müsse aber auch daran gedacht werden, dass „nicht alles gleichzeitig gemacht werden kann“. Und dass die Stadt bezüglich der Friedhöfe nicht spart, machte die Bürgermeisterin deutlich, nachdem sich mehrere Einwohner zu den Friedhofsgebühren äußerten. Mit denen werden unter anderem auch die Dienstleister bezahlt, weswegen Eveline Karlsch sagte, dass dafür auch gute Arbeit eingefordert werden sollte.

Schließlich wurde auch die Ehrengrabstätte vom ehemaligen Bürgermeister Julius Beck kritisiert. Diese sehe, meinte Rudolf Bierstedt, nicht mehr würdig aus und könne auch Touristen abschrecken, die die Grabstätte von Otto Reutter besuchen. Die Pflege hat nun die Stadt übernommmen, da das zuvor eine nun daran verhinderte Privatperson gemacht hatte.

Nicht nur der Gardelegener Friedhof wurde kritisiert, Annemarie Einhorn bemängelte auch den Kloster Neuendorfer. Dieser „könnte schöner gestaltet werden“ und zog dabei einen Vergleich zum Miester Friedhof: Dieser sei ein Wohnzimmer und in Kloster Neuendorf betrete man eher einen Abstellraum. Das liege laut Annemarie Einhorn beispielsweise an der Anordnung der Gräber – den Grabplatz könne sich laut Andreas Höppner jeder selbst aussuchen. Kloster Neuendorfs Ortsbürgermeister räumte zudem ein, dass der Friedhof einst „extrem schlecht aussah“, mittlerweile habe sich das aber durchaus geändert. So solle im nächsten Jahr auch der von Annemarie Einhorn bemängelte Weg zum Friedhof erneuert werden.

Die geäußerte Kritik wurde von den zuständigen Stadtmitarbeitern zusammengetragen, um „darüber reden zu können, was davon machbar ist“, erklärte Mandy Zepig. Denn die Veranstaltung sei nicht zur „Bürgerberuhigung“, Hinweise und Anregungen sollen überprüft werden.

Von Ina Tschakyrow

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