Diskussion im Sozialausschuss

Zukunft der Kinderklinik Gardelegen: „...dann schließt sich die Station“

Diskutierten über die Zukunft der Gardelegener Kinderklinik: Hans-Christian Fietz-Mahlow (am Tisch sitzend, von links), Michael Ziche, Dr. Michael Schoof und Sozialausschuss-Vorsitzende Sandra Hietel.
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Diskutierten über die Zukunft der Gardelegener Kinderklinik: Hans-Christian Fietz-Mahlow (am Tisch sitzend, von links), Michael Ziche, Dr. Michael Schoof und Sozialausschuss-Vorsitzende Sandra Hietel.

Gardelegen – Irgendwann wurde Michael Ziche deutlich. „Wir können alles beschließen“, erklärte der Landrat, der auch im Aufsichtsrat in der Salus Altmark Holding sitzt.

„Aber wenn wir bis zum Jahresende das Facharztproblem in der Pädiatrie nicht gelöst haben, dann schließt sich die Station von alleine.“

Mit anderen Worten: Ohne Kinderklinik-Chef geht nichts, wären alle Bemühungen umsonst. Hans-Christian Fietz-Mahlow, der Geschäftsführer der Salus Altmark Holding, schlug am Dienstagabend in dieselbe Kerbe. Es sei „extrem schwierig, die entsprechenden Fachkräfte für uns zu gewinnen“ – was nicht nur für die Gardelegener Kinderklinik gelte.

Ziche und Fietz-Mahlow waren Gäste im städtischen Sozialausschuss. Dessen Mitglieder tagten im Gardelegener Rathausaal und wollten wissen, was der aktuelle Stand in Sachen Kinderklinik ist, der das Aus in Gardelegen droht.

Nicht viel Neues erfahren

Viel Neues erfuhren die Anwesenden, darunter auch Mitglieder des Kinderklinik-Fördervereins „Kindertraum“, nicht. So sagte Fietz-Mahlow nicht, ob und wenn ja wie viele Bewerbungen es bisher gegeben habe – er wurde aber auch nicht danach gefragt. Stattdessen betonte er, dass man zusammenarbeiten müsse und ja eigentlich ohnehin dasselbe wolle. Nämlich den Erhalt der Kinderklinik. Und: Man stehe im gnadenlosen Wettbewerb mit anderen Krankenhäusern und Regionen. „Der Konkurrenzkampf der einzelnen Kliniken untereinander hat zugenommen“, pflichtete ihm der Ärztliche Direktor am Gardelegener Altmark-Klinikum, Dr. Michael Schoof, bei.

„Die wenige Zeit, die uns noch bleibt“, so der Geschäftsführer, wolle man nun mit einer Werbekampagne nutzen – gestern früh gab es dazu eine Zusammenkunft. Fietz-Mahlow betonte: „Wir wollen das ambulante Angebot erweitern, wir wollen aber auch eine stationäre Infrastruktur anbieten.“ Und dabei gehe es keinesfalls darum „irgendwo ´n paar Betten hinzustellen“, so der Geschäftsführer. Und: Es gehe letztlich auch darum, „dass wir heute mit einem positiven Echo hier rausgehen.“ Denn „wenn der Eindruck entsteht, ein Krankenhaus bewegt sich nach unten, dann kommt natürlich auch keiner“, also kein Facharzt. Die Suche danach sei „die größte Herausforderung“, wenn es um die Zukunft der Gardelegener Kinderklinik gehe.

„Keinen Gewinn auf Teufel-komm-raus“

Die Zukunft der Kinderklinik habe, so erklärte Fietz-Mahlow, nicht zwingend etwas mit Geld zu tun. „Es geht in erster Hinsicht nicht um ökonomische Fragen“, beteuerte er. „Wir machen keinen Gewinn auf Teufel-komm-raus“, das sei „nicht unser Unternehmensziel“ – Worte, die nicht alle Zuhörer wirklich glaubten. Vielleicht auch deshalb, weil sein Nebenmann Michael Ziche nur wenige Minuten später sagte: „Wir haben hier ein Unternehmen zu führen.“

Oliver Stegert (SPD-Fraktion) äußerte Kritik an der Vorgehensweise der Salus Altmark Holding und deren Informationspolitik. Dass der Kinderklinik das Aus drohe, habe man vor Ort sehr spät erfahren, „ich bin aus allen Wolken gefallen.“ Und weiter: „Ich fühle mich als Kommunalpolitiker auch irgendwo verarscht.“ Fietz-Mahlow konterte: Er könne nicht einfach öffentlich vorpreschen, „zuerst kommt für mich der Aufsichtsrat“, den er informieren und dessen Okay er einholen müsse. Deshalb: „Ich teile Ihre Kritik nicht.“

Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher versuchte, der Diskussion einen positiven Aspekt zu verleihen. „In den letzten Wochen sind wir deutlich näher zusammengerückt“, sagte sie mit Blick auf den Salus-Geschäftsführer. VON STEFAN SCHMIDT

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