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Gardelegen: Bewährungsstrafe nach Hitlergruß an der Feldscheune

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Von: Stefan Schmid

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Mauer mit Inschrift
Den Hitlergruß zeigten die Angeklagten auf der Gardelegener Gedenkstätte. © Stefan Schmidt

Zwei Männer aus Gardelegen mussten sich wegen Störung der Totenruhe vor dem Gardelegener Amtsgericht verantworten.

Gardelegen – Es ist schon dreieinhalb Jahre her. Aber die Worte von Axel Bormann, dem Richter am Gardelegener Amtsgericht, waren am Mittwoch dennoch deutlich. „Viel verachtenswerter geht es nicht“, sagte er in Richtung der beiden Angeklagten, die er kurz zuvor jeweils zu Bewährungsstrafen sowie Arbeitsstunden und einer hohen Geldstrafe verurteilt hatte.

Was war geschehen? Am 17. Juli 2019 gingen drei Männer auf die Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe. Zwei von ihnen, ein 30-Jähriger und sein 45-jähriger Kumpel – beide stammen aus Westdeutschland, sind aber mittlerweile in Gardelegen gemeldet – mussten sich vor dem Kadi dafür verantworten, was sie dann getan haben.

Die Gruppe ging an die Feldscheune, wo an der Seite die Inschrift „Und sie haben doch gesiegt“ steht – im Gedenken an die dort am 13. April 1945 von den Nazis ermordeten 1016 KZ-Häftlinge. Sie zeigten den Hitlergruß und fotografierten sich dabei. Weiter ging es für die Männer zum Gräberfeld. Dort legten sie sich auf einige der Gräber, zeigten Stinkefinger und das „Victory“-Zeichen und taten so, als wenn sie auf der Gedenkstätte urinieren würden. All das bezeichnete der Oberstaatsanwalt als Anklagevertreter als „beschimpfenden Unfug“ und forderte in seinem Plädoyer jeweils eine Gefängnisstrafe.

Während der 45-Jährige sich „an Null“ erinnern konnte, wie er aussagte, gab sein Kumpel die Tat zu. „Das war bestimmt keine Glanzleistung von mir“, erklärte er. Es sei ihm heute „irgendwie peinlich“. Er bestritt aber, am Gräberfeld uriniert zu haben. Man sehe auf den Fotos „keine Urinlache“. Und überhaupt: „Man zeigt sich unter Männern doch nicht gegenseitig das Glied“, er sei da „anderweitig gepolt“ – zuvor hatte er bei der Frage des Richters nach seinen Familienverhältnissen „verlobt“ angegeben.

Ein weiterer Tatvorwurf gegen ihn – neben der „Störung der Totenruhe“ auf der Gedenkstätte – lautete „Volksverhetzung“. Denn auf seiner Facebook-Seite hatte er am 18. Mai 2021 den Staat Israel als „Verbrecherstaat“ bezeichnet und, bezogen auf den Holocaust und sechs Millionen ermordeter Juden, von einer „Sechs-Millionen-Lüge“ geschrieben – was er vor Gericht abstritt.

Beide Angeklagte sind einschlägig vorbestraft, saßen jeweils auch schon im Gefängnis oder sitzen derzeit ein, wie der 45-Jährige, der direkt aus dem Knast in den Sitzungssaal kam. Beide, so stellte der Oberstaatsanwalt fest, hätten eine „verfestigte rechte Einstellung“. Und Richter Axel Bormann, so gab er zu, habe beim Durchlesen der Strafakte spontan gedacht: „Was sind das nur für Menschen?“ Während der 30-Jährige wenigstens „immer fleißig“ sei und in wenigen Tagen eine neue Arbeitsstelle antritt, sei dem älteren Angeklagten offenbar alles egal. Als er vor der Urteilsverkündung das letzte Wort hatte, sagte er nur zum Richter: „Machen Sie doch, was Sie wollen. Ist mir egal.“

Richter Axel Bormann verurteilte den 30-Jährigen zu einer einjährigen Haftstrafe, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Darüber hinaus zu einer Geldstrafe von 5000 Euro, zu zahlen an den „Förderverein Buchenwald“. Der 45-Jährige erhält eine sechsmonatige Haftstrafe, ebenfalls für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss er nach Verbüßung seiner jetzigen Haftstrafe 500 Arbeitsstunden ableisten.

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