Altmarkkreis will wieder Ausnahmegenehmigung für Gardelegener Förderschule beantragen

Ziel: „Rosa Luxemburg“-Förderschule erhalten

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Für die Gardelegener Förderschule will der Altmarkkreis wieder eine Ausnahmegenehmigung beantragen, um sie zu erhalten und den Schülern noch weitere Schulwege zu ersparen.

Gardelegen. Der Schulstandort der Förderschule für Lernbehinderte „Rosa Luxemburg“ in Gardelegen ist gefährdet. Denn die Mindestschülerzahl von 90 Schülern, die die Verordnung zur Schulentwicklungsplanung von 2014 vorgibt, wird bei weitem nicht erreicht.

Deshalb wurde bereits im Dezember 2015 ein Antrag auf Ausnahmegenehmigung gestellt, dem mit Bescheid vom 1. Februar 2016 stattgegeben wurde.

Um den Standort weiterhin zu erhalten, muss nun beim Landesschulamt wieder eine Ausnahmengenehmigung für das Schuljahr 2017/18 beantragt werden. Und diese ist Gegenstand einer Beschlussvorlage, die am 25. Oktober vom Kreisbildungsausschuss und am 28. November vom Kreisausschuss beraten wird, bevor am 12. Dezember der Kreistag über sie entscheidet.

Bereits seit dem Schuljahr 2014/15 unterschreitet die Gardelegener Förderschule die Mindestschülerzahl, und zwar auch mit den Schülern der besonderen Klasse „Produktives Lernen“ (PL). Auch die Zuordnung der Grundschulbezirke Klötze, Kunrau und Kusey nach der Schließung der Fördereinrichtung „Zinnbergschule“ in Klötze zum Schuljahr 2015/16 führte, wie es in der Beschlussvorlage heißt, „zu keinem positiven Trend“. Seit im August das neue Schuljahr 2016/17 begonnen hat, besuchen 46 Schüler die Bildungseinrichtung ab der vierten Klasse. Dazu kommen noch 15 Schüler der besonderen Klasse PL, womit die Gesamtschülerzahl bei 61 liegt.

Wie es in der Beschlussvorlage weiter heißt, kann das Landesschulamt in Einzelfällen Ausnahmen genehmigen, „sofern die Wegbeziehungen im Schulnetz eine Ausnahme rechtfertigen“. Das heißt, wenn unzumutbare Schulwege entstehen würden. Und das wäre mit der Schließung der Förderschule in Gardelegen definitiv der Fall. Denn es verbliebe als einziger Schulstandort nur noch die Pestalozzi-Förderschule in Salzwedel im Norden der Landkreises. Und dorthin würden Schüler aus Wollenhagen ab 5.33 Uhr beispielsweise 101 Minuten – das sind fast zwei Stunden für eine Wegstrecke – mit dem Bus unterwegs sein, Schüler aus Lindstedt 92 Minuten, aus Mieste 93 Minuten, aus Miesterhorst 88 Minuten, aus Jeseritz 87 Minuten, aus Böckwitz 85 Minuten, aus Jahrstedt 82 Minuten und aus Solpke 77 Minuten. Alle müssten einmal umsteigen, die Miester sogar zweimal.

Wie wichtig der Erhalt der Gardelegener Förderschule ist, hatte Landrat Michael Ziche auch gegenüber dem sachsen-anhaltinischen Bildungsminister Marco Tullner deutlich gemacht, der mit ihm am 12. September in der Hansestadt Gardelegen die Förderschule sowie die Karl-Marx-Sekundarschule besuchte (wir berichteten). Ziche erklärte damals: „Der Landkreis hat schon eine Förderschule in Klötze geschlossen, weil er nach der neuen Verordnung die Mindestschülerzahl von 90 Schülern nicht erreicht hat. Auch für den Standort hier in Gardelegen stellen wir bereits Anträge auf Ausnahmegenehmigung, weil wir hier nur auf zirka 70 Schüler kommen.“ Er plädierte stattdessen für flexible Schülerzahlen und eine Verbundstruktur mit anderen Schulformen. Dafür sei die Zusammenarbeit der Schule, des Schulträgers und des Ministeriums wichtig. Schulpolitik vor Ort sei überhaupt ein wichtiges Thema in der Kommunalpolitik, so Ziche damals, und „der Altmarkkreis Salzwedel ist bereit, im Rahmen eines kommunalen Bildungsmanagements stärker auch in diesem Bereich Verantwortung zu übernehmen“.

Dass die Zusammenarbeit mit anderen Schulformen vor Ort bereits praktiziert wird, erläuterte zudem der Schulleiter der Förderschule, Frank Kreißl. „Wir sind jetzt seit vier Jahren dabei, aktiv Integration und Inklusion von Schülern zu begleiten.“ Das geschehe in der Form, „dass wir als Schule unsere Lehrkräfte an andere Schulformen abordnen“. Kreißl plädierte ebenfalls dafür, dass die Schülerzahlen nicht das alleinige Kriterium für den Bestand von Schulen sein dürfen. Und er könnte sich auch mehr Förderschwerpunkte an seiner Einrichtung vorstellen.

Von Stefan Schmidt

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