Kinder aus dem ehemaligen Grundschul-Einzugsbereich Estedt gehen künftig nach Gardelegen

Das Ziel: Kein Umsteigen mehr für die Schüler

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Sekundarschulkinder aus dem Einzugsbereich der ehemaligen Grundschule Estedt werden ab dem Sommer nicht mehr bis nach Mieste gefahren. Ausnahme: Jene Kinder, die dies jetzt bereits tun.

Mieste / Estedt. Gute Nachricht für alle künftigen Sekundarschüler aus dem Einzugsbereich der ehemaligen Grundschule Estedt sowie deren Eltern: Die baldigen Fünftklässler haben ab dem neuen Schuljahr einen kürzeren Schulweg.

Dies empfiehlt der kreisliche Bildungsausschuss, der am Dienstagabend in der Miester Sekundarschule tagte – jener Schule, um die es letztlich geht. Das klare Votum des Fachausschusses bei nur einer Enthaltung wird wohl bedeuten, dass auch der Kreistag bei seiner Zusammenkunft am Montag, 12. Dezember, dem Vorschlag der Kreisverwaltung folgen wird.

Konkret bedeutet dies: Alle künftigen Sekundarschüler aus den Dörfern Estedt, Zichtau, Wiepke, Schenkenhorst, Berge, Laatzke und Ackendorf werden nach der vierten Klasse in Gardelegen unterrichtet. Entweder auf dem Geschwister-Scholl-Gymnasium oder, wenn sie zur Sekundarschule gehen, in der Karl-Marx-Schule an der OdF-Straße. Die bisherige Regelung, dass die Mädchen und Jungen aus diesen sieben Dörfern als Sekundarschüler mit Bussen nach Mieste gefahren werden, läuft aus. Soll heißen: Wer in Mieste bereits jetzt unterrichtet wird, verbleibt auch auf der Sekundarschule „Am Drömling“. Neue Schüler aus dem Bereich Estedt wird Mieste aber nicht mehr bekommen.

Großer Vorteil für die von der Neuregelung betroffenen Schüler: Bisher müssen sie auf dem Weg nach und von Mieste in Gardelegen umsteigen – obwohl es in Gardelegen eine Sekundarschule gibt. Dieses Umsteigen entfällt künftig, sie steigen in Gardelegen aus und fahren nicht mehr weiter die rund zusätzlichen 18 Kilometer bis nach Mieste.

Landrat Michael Ziche begründete den Vorschlag der Kreisverwaltung: Auch ohne die Kinder aus dem Bereich Estedt habe die Sekundarschule in Mieste genügend Kinder, nämlich bis einschließlich 2023 nach jetzigen Berechnungen pro Schuljahr mehr als 200. Die Untergrenze liegt bei 180 Schülern. Nicht eingerechnet sind die Migrationskinder, die es derzeit in Mieste in Form einer gesonderten Klasse gibt (siehe Bericht auf der heutigen Titelseite). Ziche widersprach damit Befürchtungen von Miestes Sekundarschulleiterin Ilka Passiel, dass der Schulstandort gefährdet sein könnte, wenn die Kinder aus dem Bereich Estedt fehlen. „Wir werden im nächsten Jahr knapp eine Million Euro in die Sanierung dieser Miester Sekundarschule stecken“, argumentierte der Landrat. „Da wäre es ja widersinnig, wenn wir zugleich mit einer Änderung der Schuleinzugsbereiche den selben Standort gefährden würden.“ Ziche betonte: „Der Schulstandort Mieste ist sicher.“ Eine von Ilka Passiel stattdessen vorgeschlagene Änderung der Busrouten über Breitenfeld und Jeggau ohne Umsteigen gestalte sich hingegen als „äußerst schwierig“ und verursache zudem Mehrkosten, so Ziche.

Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig, Mitglied im kreislichen Bauausschuss, setzte sich ebenso für Gardelegen als künftigen Sekundarschul-Standort für die Kinder aus Estedt und Umgebung ein („Ich weiß nicht, wie es Ihnen ergehen würde, wenn Sie nach einem Acht-Stunden-Tag noch knapp eine Stunde mit dem Bus nach Hause fahren müssten“) wie ein anderes Ausschuss-Mitglied, nämlich Zichtaus Ortsbürgermeisterin Astrid Läsecke. Sie hält die jetzige Regelung, auch Zichtauer Kinder über Gardelegen nach Mieste zu transportieren, für „unzumutbar. Da sollten wir jetzt klug sein.“

Ein kleines Hintertürchen gäbe es bei einer Änderung der Schuleinzugsbereiche noch: Sollte der Sekundarschulstandort Mieste tatsächlich irgendwann auf der Kippe stehen, weil dort zu wenige Kinder unterrichtet werden, könnte man die Schuleinzugsbereiche erneut ändern – also die zu erwartende Kreistags-Entscheidung wieder rückgängig machen. Aber auch nur dann. Davon sei derzeit aber nicht auszugehen, betonte Michael Ziche am Dienstagabend.

Auch, weil Kinder aus dem Raum Letzlingen genau das machen, was den Kindern aus dem Estedt ab dem Sommer erspart werden soll: Sie fahren mit dem Bus nach Gardelegen, steigen dort um und werden weiter bis zur Sekundarschule nach Mieste gebracht. Auch dies hatte der Kreistag einst beschlossen – vor 13 Jahren.

Von Stefan Schmidt

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