Zeichen setzen gegen Fremdenfeindlichkeit: 70 Personen zeigen Solidarität mit Asylbewerbern

„Wir müssen bunter werden“

Gardelegens Pfarrer Horst Dietmann im Gespräch mit Bewohnern der Unterkunft in Gardelegen. Er gehörte zu den rund 70 Teilnehmern des Besuchs von Kriegsflüchtlingen und Asylbewerbern.
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Gardelegens Pfarrer Horst Dietmann im Gespräch mit Bewohnern der Unterkunft in Gardelegen. Er gehörte zu den rund 70 Teilnehmern des Besuchs von Kriegsflüchtlingen und Asylbewerbern.

Gardelegen. Es waren viele gekommen. Sehr viele.

Dazu gehörten Kreistagspräsident Heinrich Schmauch, Gardelegens Stadtratsvorsitzender Kai-Michael Neubüser, Gardelegens Pfarrer Horst Dietmann, Landrat Michael Ziche, Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs – beide hatten eingeladen – Kreisbrandmeister Torsten Schoof, Gardelegens Stadtwehrleiter Sven Rasch, Oberst Gunter Schneider, der Leiter des Bundeswehr-Gefechtsübungszentrums in Letzlingen, mehrere Bundestags- und Landtagsabgeordnete sowie etliche Ortsbürgermeister aus der gesamten Altmark.

Sie alle waren einer Idee von Christian Glatz gefolgt. Das Stadtratsmitglied aus Jävenitz hatte während der jüngsten Sitzung des Gremiums am Montagabend zu einem Zeichen aufgerufen. Einem Zeichen gegen Intoleranz und Ausländerfeindlichkeit.

Anlass ist das in Gardelegen befindliche Asylbewerberheim. Dort sind derzeit 26 Ausländer, meist Familien, untergebracht. Via Facebook ruft eine offenbar obskure Initiative zu „Nein zum Heim“ auf. Glatz findet dies unerträglich und forderte die Politik auf, etwas dagegen zu tun.

Genau dies geschah gestern. Punkt 16 Uhr setzte sich vom Gardelegener Rathaus aus eine Menschenmenge, bestehend aus mehr als 70 Personen, in Richtung der Unterkunft in Bewegung. Die rund 400 Meter wurden polizeilich begleitet, die Kreuzung Wollbrandtseck kurzfristig für den Verkehr gesperrt.

Vor Ort schauten sich die Teilnehmer die Unterkunft an, sprachen auch mit einigen der dort lebenden Ausländer. Im Heim befinden sich momentan 26 Personen: Vier Kriegsflüchtlinge aus Syrien sowie 22 weitere Asylbewerber. „Wir müssen bunter werden“, erklärte Landrat Michael Ziche unter dem Beifall der Zuhörer vor dem Betreten des Gebäudes.

Drinnen gibt es eher spartanisch, aber sauber eingerichtete Zimmer, dazu ein Kinderspielzimmer und einen Aufenthaltsraum. Das komplette Areal ist videoüberwacht.

Von Stefan Schmidt

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