„Wollen wir klüger sein als diejenigen, die es betrifft?“

Stadtrat entscheidet: Wehrleiter werden nach der Größe ihrer Orte bezahlt

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Die Feuerwehren im Gardelegener Stadtgebiet haben unterschiedlich hohe Einsatzzahlen, unterschiedlich viele aktive Mitglieder und eine unterschiedliche Ausstattung. Die Wehrleiter werden künftig somit auch unterschiedlich hoch bezahlt.

Gardelegen. Die Wehrleiter im Gardelegener Stadtgebiet werden künftig nach der Größe ihrer Feuerwehr, nach der Größe des Ortes und nach der Ausstattung bezahlt.

Das haben die Mitglieder des Gardelegener Stadtrates mehrheitlich entschieden – auch wenn es andere Meinungen gab.

Allen voran von Gustav Wienecke. Der Ortsbürgermeister aus Wannefeld wetterte gegen die von der Stadtverwaltung erarbeitete Beschlussvorlage, wonach die Aufwandsentschädigung für die Feuerwehrchefs gestaffelt erfolgen soll. Konkret: Bei unter 250 Einwohnern gibt es 60 Euro pro Monat, bei einer Einwohnerzahl zwischen 251 und 500 Einwohnern ist eine Monatspauschale von 80 Euro fällig, bei einer Ortsgröße zwischen 501 und 1000 Einwohnern wird der Wehrleiter mit 100 Euro entschädigt. Bei mehr als 1000 Einwohnern sind es 120 Euro – dies betrifft die Wehrleiter aus Gardelegen, Mieste und Letzlingen.

Gustav Wienecke vertritt die Ansicht, dass es eine einheitliche Höhe für alle Wehrleiter geben sollte. Und zwar von 100 Euro monatlich. Denn die Aufgabe eines jeden Wehrleiters sei identisch, lautet sein Argument. Ausnahme: Die Leiter in Gardelegen und Mieste sowie der Stadtwehrleiter, so Gustav Wienecke („Die drei, die da richtig viel Arbeit haben“), könnten „meinetwegen“ etwas mehr Geld, nämlich zusätzlich 20 Euro pro Monat, erhalten. Wienecke argumentierte weiter: Etliche Feuerwehrchefs würden finanziell herabgestuft. Seine Einschätzung: „Das Ehrenamt wird mit Füßen getreten.“

Das sah Jörg Marten ganz anders. „Das hat nichts mit Abwerten des Ehrenamtes zu tun“, bekräftigte er. Im Gegenteil: Mit der neuen Satzung, würden nun auch Jugend- und Kinderwarte Geld erhalten. Er verwies darauf, dass die vorliegende Satzung mit den Wehrleitern beraten wurde und von den meisten von ihnen mitgetragen werde. „Ich weiß nicht, warum manche klüger sein wollen als diejenigen, die es betrifft“, so Jörg Marten.

Rüdiger Wolf – er war maßgeblich beteiligt an der Erarbeitung der Feuerwehr-Risikoanalyse – setzte sich ebenfalls für die Staffelung ein. „Ich bilde mir ein, dass ich Einblick in die Sache habe“, sagte der ehemalige Gardelegener Wehrleiter. Es sei eben nicht so, dass alle Wehrleiter gleich viel zu tun hätten. Man schaue sich nur mal, so Rüdiger Wolf, die Gerätehäuser in Gardelegen und bald den Neubau in Mieste an „und dann die in Peckfitz, Algenstedt und Breitenfeld.“ Wer diese Immobilien miteinander vergleiche und dann immer noch behaupte, jeder Wehrleiter habe gleich viele Aufgaben „der hat sich nicht richtig informiert“. Man könne „den jeweiligen Arbeitsaufwand nicht miteinander vergleichen.“

Und noch ein Argument von Rüdiger Wolf: Die Staffelung habe der vom Stadtrat berufene Stadtwehrleiter Sven Rasch in Übereinstimmung mit der Mehrheit der Wehrleiter erarbeitet. Kippe der Stadtrat nun diese Regelung, „dann wird die Arbeit des Stadtwehrleiters unter den Tisch gekehrt.“ Dass zwar die meisten, aber nicht alle Wehrleiter für die neue Regelung sind, sieht Rüdiger Wolf gelassen: „Es gibt immer welche, die sich betroffen fühlen.“ Sein Fazit: „Wir müssen uns entscheiden, ob wir dem Stadtwehrleiter den Rücken stärken oder ihm in den Rücken fallen.“

Ein letztes Argument von Rüdiger Wolf: Auch woanders gebe es die Staffelung der Aufwandsentschädigung. So in Salzwedel, wo die Leiter der kleinen Wehren 40 Euro erhalten, und in Kalbe, wo es 30 Euro gebe. Dass Gustav Wienecke 100 Euro pauschal für alle Wehrleiter im Gardelegener Stadtgebiet fordere, sei deshalb nicht verhältnismäßig.

Der Gardelegener Stadtrat folgte letztlich den Argumenten von Rüdiger Wolf, stimmte für die neue Aufwandsentschädigungssatzung und somit für die Staffelung der Wehrleiter-Bezüge – eine Staffelung, die es übrigens bei Ortsbürgermeistern und Ortschaftsräten auch gibt und die dort niemand im Stadtrat infrage stellt.

Bei der Abstimmung gab es drei Enthaltungen sowie mit Regina Lessing und Gustav Wienecke (beide Gemischte Fraktion) nur zwei Gegenstimmen.

Von Stefan Schmidt

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