Schäfer Stefan Gaudian findet auf einem Feld entlang des Rienbeckweges zwei verletzte Schafe

Wolfsriss am Rande der Stadt?

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Die Angriffe auf zwei Schafe, bei denen eines notgetötet werden musste, schockieren die Schäfer Stefan und Ramona Gaudian. Denn die Weide befindet sich in Stadtnähe.

Gardelegen. „Ich war sprachlos, mit so etwas habe ich nicht gerechnet“, erzählt Ramona Gaudian schockiert, als sie von ihrem Mann Stefan Gaudian gestern Vormittag angerufen wurde.

Der Angreifer biss dem Tier in den rechten hinteren Oberschenkel.

Der Schäfer hatte auf einem Feld entlang des Rienbeckweges in Gardelegen, südlich der ICE-Strecke und unweit der Hansestadt, zwei verletzte Schafe gefunden. Diese wurden womöglich von einem Wolf angegriffen. „Das ist aber noch nicht nachgewiesen“, so Schäferin Ramona Gaudian. Ob ein Wolf die Schafe gerissen hat, wird nun durch das Wolfskompetenzzentrum Iden geklärt, deren Mitarbeiter von der Schäferei Gaudian informiert wurden und vor Ort waren, um sich die Tiere anzusehen.

Eines von ihnen, ein fünfjähriges Mutterschaf, musste notgetötet werden, die Verletzungen waren zu stark. Der Angreifer hatte in den rechten hinteren Oberschenkel gebissen. „Das Bein ist sozusagen weg“, so die Schäferin fassungslos. Das andere Schaf lahmte und kann durch einen Tierarzt behandelt werden.

Bemerkt habe Stefan Gaudian die Tiere, weil die Herde nicht durch die Hitze wie üblich im Schatten stand, sondern „mitten auf der Fläche“. Dann sah er das lahmende Schaf, ging daraufhin die mit einem über einen Meter hohen Elektrozaun umgebene Weide ab und fand das verletzte Mutterschaf in einem Busch. „Das war ein wertvolles Tier“, bedauert Ramona Gaudian. Denn das Schaf war ein Herdbuchzuchttier, also dessen „volle Abstammung“ ist notiert. Das bedeutet für die Schäfer, die den Betrieb erst am 1. Juli dieses Jahres übernommen haben, einen hohen finanziellen Schaden. Und das kann auch durch eventuell gezahltes Geld vom Land als Entschädigung nicht „aufwiegen, denn uns fehlt ein Schaf“, so Ramona Gaudian.

Die 94 Tiere umfassende Herde wird nun auf eine andere Fläche gebracht, „sonst können wir nachts nicht schlafen“, erzählt die Schäferin. Zudem überlegen sie, ob ihre Herdenschutzhunde, die aber noch nicht vollständig ausgebildet sind, auf die Flächen am Rienbeckweg kommen. „Aber nur, wenn es nicht anders geht.“ Denn entlang der Felder spazieren einige Einwohner, weswegen die Schäfer Angst haben, dass die Herdenschutzhunde eine Gefahr für Spaziergänger sein könnten, auch wenn die Weiden eingezäunt sind.

Bereits 2016 gab es einen nachgewiesenen Angriff auf eine Herde der Schäfer – aktuell haben sie fünf Herden, die auf verschiedenen Flächen rund um Gardelegen weiden – in der Nähe des Segelflugplatzes. Dabei wurden zwar keine Tiere vom Wolf getötet, aber sieben verletzt. Eines davon wurde später wegen seiner Verletzungen erlöst. Damals waren die Tiere so verschreckt, dass erst nach und nach alle Schafe gefunden wurden. Zudem waren sie nicht ansprechbar.

„Wir wollen aber nicht auf den Wolf hetzen“, versichert Ramona Gaudian, „aber wenn er es uns so schwer macht? Wir müssen immerhin von den Schafen leben“.

Von Ina Tschakyrow

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