Raubtier tötete ein Schaf und verletzte einen Bock von Dirk Strathausen

Wolfsriss bei Gardelegen: Isegrim sprang über den Zaun

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Kein schöner Anblick: Mit einem Kehlbiss tötete der Wolf dieses trächtige Schaf auf einer Weide bei Gardelegen, weidete es aus und fraß auch einen guten Teil.

Gardelegen. Einen Schreck in der Morgenstunde erlebte Schäfermeister Dirk Strathausen am Dienstagmorgen.

Denn als er nach seiner Herde Schafe sah, die seit gut vier Wochen zwischen dem Freibad Zienau und der Reitsportanlage hinter der PVGS am Stadtrand von Gardelegen auf einer mit einem Wolfsschutzzaun gesicherten Weide steht, lag ein trächtiges Tier mitten auf dem Gelände – mit einem Kehlbiss getötet, ausgeweidet und halb aufgefressen.

Das macht kein Hund, erklärte Strathausen. Ein Wolf hatte in der Nacht zugeschlagen und sich am reichhaltigen Buffet bedient. Das bestätigte ihm auch der Wolfsbeauftragte von Sachsen-Anhalt, Andreas Berbig, nach der Begutachtung des Tieres vor Ort. Der Schäfermeister hatte ihn sofort informiert. Allerdings war Berbig erstaunt, dass es nur ein Opfer gab, was so nicht ganz richtig ist. Denn es gab ein zweites Opfer, auch wenn es den Angriff erst einmal überlebte. Isegrim hat nämlich auch einem Zuchtbock ordentlich in die Keulen gebissen. Nun müsse abgewartet werden, ob sich die Wunden entzünden, erklärte der Schäfermeister, der bisher von Wolfsrissen verschont geblieben war.

Eigentlich, so erzählt er, wollte er am Dienstagmorgen nach dem Wolfsschutzzaun sehen, den er mithilfe von Fördermitteln erworben hat. Denn das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) Dessau hatte sich für eine Kontrolle angekündigt. Das Fazit der Mitarbeiter vor Ort war am Ende auch, dass alles in Ordnung und der Zaun fachgerecht aufgestellt war. Nur genutzt hat es augenscheinlich nichts. Denn der Wolf sprang einfach über ihn drüber. 90 Zentimeter seien für ihn kein großes Hindernis, so der Schäfer. Doch viel höher könne der Schutzzaun nicht ausgelegt werden, weil er dann beim Auf- und Abbau kaum mehr zu händeln sei.

Was ihm vor allem Sorgen mache, so der Klosteraner, sei die Nähe der Stadt und dass in dem Bereich, in dem sich der Vorfall ereignete, auch viele Fußgänger und Fahrradfahrer unterwegs seien. Auch wenn Wölfe als scheu gelten und den Menschen meiden, so gebe es doch keine Gewissheit, dass nichts passieren könne. Der Wolf habe sich auch von dem hell erleuchteten PVGS-Gelände nicht stören lassen. Zudem ist die Magdeburger Straße nicht weit von der Weide entfernt. Wenn die Schafe in Panik geraten, ausbrechen und einem Autofahrer vors Fahrzeug laufen, dann wird es ebenfalls gefährlich und für den Autofahrer teuer.

Und was ihn am meisten ärgert, ist, dass die Politiker reden, aber nichts machen. „Wir Schäfer wissen, wie brisant die Lage ist“, so Strathausen, der sich mit seinen Kollegen regelmäßig austauscht. Und er ist sicher, dass der Wolf, der einmal erfolgreich war, immer wieder kommt – vielleicht auch nicht allein. Jeden Morgen fahre er, so der Schäfermeister, nun mit einem mulmigen Gefühl zur Weide. Deshalb müsse sich schnell etwas bewegen und nicht erst in Monaten.

Was den Verlust bei der betroffenen Herde besondere Brisanz verleiht: Es handelt sich um Merino-Fleischschafe, die Strathausen über das Förderprogramm „Vom Aussterben bedrohte Haustierrassen“ züchtet. Zu DDR-Zeiten war die Rasse die am weitesten verbreitete. Im Moment gibt es in ganz Deutschland nur noch einen Bestand von 3000 Tieren – allein 400 davon bei Strathausen. Und diese Zahl müsse er halten, um weiter im Programm bleiben zu können.

Da der Wolfsschutzzaun nur bedingt den Isegrim abhält, hat Strathausen begonnen, Herdenschutzhunde zu züchten und auszubilden, was rund drei Jahre dauert. Denn zu kaufen gibt es nur wenige, was auch eine Kostenfrage sei. Er selbst besitzt zwei Hündinnen und einen Rüden der Rasse Pyrenäen-Berghund, die die Gruppe mit den Zuchtböcken auf einer Weide bei Kloster Neuendorf bewachen. Sie haben in diesem Jahr bereits erfolgreich für 19-fachen Nachwuchs gesorgt, was natürlich die Futterkosten hochtreibt, die allein nicht zu stemmen seien. Deshalb würde er sich wünschen, dass sich das Land wenigsten an diesen Kosten beteiligt. Es gebe zwar die Aussage, die Anschaffung entsprechender Hunde zu fördern. Entsprechende Richtlinien gebe es aber noch keine.

Von Elke Weisbach

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