Elli Radinger, Autorin und Wolfsforscherin, liest in Gardelegens Bibliothek

Wolfsküsse und andere Geschichten

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Elli Radinger gab 1983 ihren Job als Anwältin auf, reiste quer durch die USA und schrieb Artikel für Magazine, bis sie durch ein Praktikum im Wolf Park dem „Wolfsvirus“ verfiel. Von da ab erfüllte sie sich ihren beruflichen Traum und arbeitet seitdem als Wolfsforscherin.

Gardelegen. Wenn Menschen von Wölfen berichten, dann steckt meistens nichts Gutes dahinter. Schon Rotkäppchen wusste, dass sie sich vor dem bösen Wolf in Acht nehmen muss – und mit ihr seit Generationen auch viele Kinder.

Der Mensch sieht in dem Wolf eine Bedrohung und hat Angst vor ihm. Umso schwerer ist es zu glauben, dass es Menschen gibt, die die Nähe der Wölfe suchen. Eine davon ist die deutsche Autorin, Fachjournalistin – sie ist Chefredakteurin und Herausgeberin des einzigen deutschen Fachmagazins über Wölfe – und Wolfforscherin Elli Radinger. Schon immer galt die Leidenschaft der Autorin, die mit Hunden aufwuchs, den Wölfen. „Kojoten mag ich sogar mehr als Wölfe“, verrät die Schriftstellerin ihrem Publikum am Freitagabend in der Gardelegener Bibliothek.

Anlässlich des bundesweiten Vorlesetages las sie unter dem Motto „Wölfische Weihnachten“ aus ihren Büchern „Wolfsküsse“, „Minnesota Winter“ und der „Wolf am Fenster“ vor. Mittlerweile hat die gebürtige Wetzlarerin 8000 Begegnungen mit wilden Wölfen gehabt. Doch bis es dazu kam und sie ihren beruflichen Traum wahr werden ließ, ist sie einige Umwege gegangen.

Zunächst arbeitete Elli Radinger als Stewardess bei der Lufthansa, weil sie die Welt sehen wollte. Danach „wollte ich was Vernünftiges werden und studierte Jura“. Sie machte sich als Anwältin selbstständig und merkte bald, dass sie diesen Job nicht für immer machen will. 1983 hängte sie ihren Beruf als Anwältin an den Nagel, reiste quer durch Amerika und schrieb Artikel für Magazine. Als sie 1991 ein vier-monatiges Ethnologiepraktikums im Wolf Park, einem amerikanischen Forschungsinstitut, absolvierte, verfiel sie schließlich dem „Wolfsvirus“.

Über Dave Mech, einem in Amerika sehr bekannten Verhaltensforscher, der wichtige Beiträge zum Verständnis der Lebensweise und zum Verhalten von wild lebenden Wölfen geleistet hat, erfuhr sie von einem Wolfsprojekt im Yellowstone-Nationalpark in den USA, an dem sie schließlich mitarbeitete. Seit nunmehr 30 Jahren beschäftigt sie sich mit Wölfen.

Elli Radinger hält Vorträge, schreibt Ratgeber rund um den Wolf und Romane, in denen der Wolf eine Rolle spielt, die aber auch autobiografisch geprägt sind, wie ihr Roman „Minnesota Winter“. Sie lebt nach dem Motto „Lebe deinen Traum“ und ermutigt Menschen ihre Träume zu verwirklich. „Wenn es um die Erfüllung ihrer Träume geht, sollten Sie sich fragen, was passiert, wenn Sie es nicht machen. Deshalb ran und durch.“ Von dieser Lebenseinstellung lassen sich Menschen gerne anstecken. So auch Michaela Runger. Die gebürtige Gardelegenerin ist für die Lesung aus Halle in ihre alte Heimatstadt angereist und sagt: „Elli Radinger ist Inspiration, seine Träume zu verwirklichen.“

Am Freitagabend lauschten die Zuhörer, darunter treue Leser ihrer Bücher, gebannt ihren Worten. Sie erfuhren unter anderem, wie sie sich bei einer Begegnung mit einem Bären zu verhalten haben. Oder was gegen einen Puma-Angriff hilft, nämlich Größe und Dominanz zeigen. Und natürlich ganz viel über das Leben und das Wesen der Wölfe. Und dass es bei den Wölfen, wie auch bei Menschen, verschiedene Charaktere gibt, die sich in zwei Typen gliedern lassen: „Typ A ist abenteuerlustig, neugierig und steht gerne im Vordergrund. Und Typ B ist bedacht und zurückhaltend, wie Angela Merkel“, erklärte Elli Radinger und brachte das Publikum, wie so oft, zum Lachen. Und dann sagte sie: „Ich würde gerne einige Wolf-Hasser mitnehmen und ihnen zeigen, wie liebevoll diese Tiere sind.“

Ob sich die Skepsis gegenüber dem Wolf im Kopf des Menschen jemals ändern wird, ist fraglich. Zumindest wurden an diesem Abend einige Vorurteile aus dem Weg geräumt.

Von Marilena Berlan

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