„Wird einfach verweigert“

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Während der Stadtratssitzung am Donnerstagabend hörten auch einige Gegner des geplanten Neubaus des Post-Verteilerzentrums zu. Sie saßen hinter den Stadträten.

Kalbe – von Stefan Schmidt Einigen der Zuhörer entfuhr ein kurzes, fast triumphales „Ja“, als Karsten Ruth die entscheidenden Worte sprach. Doch dem Bürgermeister der Stadt Kalbe war am Donnerstagabend während der Stadtratssitzung keinesfalls zum Jubeln zumute.Im Gegenteil: Ruth war sauer. Das ließ er die Anwesenden im Sitzungssaal des Rathauses auch deutlich spüren. „Es gibt in den letzten Monaten eine Tendenz in Kalbe“, so der Bürgermeister, „dass alles das, was angestoßen wird, grundsätzlich boykottiert wird.“

Anlass für die Ruth-Kritik ist die seit Donnerstagabend kurz vor der Stadtratssitzung feststehende Rücknahme des Bauantrags für ein neues Post-Verteilerzentrum im Osten der Stadt, unweit von Median-Klinik und Kurpark. Der Planer hatte im Auftrag der Post vor, dass die 16 Mitarbeiter vom ehemaligen Mildena-Gelände an einen neuen Standort umziehen. Den hatte die Post auch schon ausfindig gemacht: Ein städtisches Gelände unweit des Burggrabens, im Osten Kalbes. Denn die Post-Caddys fahren von dort überwiegend in Richtung Osten, also in den Raum Bismark.

Doch vor Ort gab es Widerstand (wir berichteten). Sowohl Anwohner als auch die Median-Klinik äußerten Bedenken. Haupt-Kritikpunkt: Neben dem erhöhten Verkehrsaufkommen passe ein Postgebäude nicht in das dortige Ensemble mit Klinik und Seniorenheim.

Bedenken, die Ruth hörbar gegen den Strich gehen. „Es wird einfach nur verweigert“, beklagte er sich. Man müsse gegenüber Investoren nun mal „Zugeständnisse machen, die mir auch als Bürgermeister nicht immer gefallen.“ Wenn man aber ständig Investitionen blockiere, „dann steht auch der Ruf von Kalbe auf dem Spiel“, befürchtet der Bürgermeister. Die Stadt sei „nicht in der Situation, in der wir Investoren einfach ablehnen können.“

Zumal aus Ruths Sicht der Status von Kalbe als Grundzentrum auf dem Spiel stehe. „Ich sehe das Grundzentrum wegbrechen“, so der Bürgermeister.

Noch gebe es für ein Post-Verteilerzentrum in Kalbe eine kleine Hoffnung. Ein Grundstück am Petersberg sei in Aussicht gestellt, so Karsten Ruth. Dies befinde sich aber auf Privatgelände und liege zudem am anderen Ende der Stadt. Also genau dort, wo die Post eigentlich nicht hin will. Sarkastisch meinte Ruth angesichts der Proteste gegen den Standort im Osten der Stadt: „Vielleicht gibt es ja am Petersberg auch ein paar Leute, die sich beispielsweise an der gelben Farbe der Postautos stören“. Ein Seitenhieb auf den Widerstand an der Straße der Jugend, wo man ein erhöhtes Verkehrsaufkommen befürchtet hatte. Ruth stellte klar: Morgens komme ein Lkw, im Laufe des Vormittags würden die Post-Caddys vom Hof fahren. Ein durchaus zumutbares Verkehrsaufkommen, wie der Bürgermeister findet.

Nun geht er davon aus, dass die Post ihr Verteilerzentrum nach Bismark, wie angekündigt, verlegt. Damit würden nicht nur 16 Arbeitskräfte aus Kalbe verlagert. Es ginge auch Wirtschaftskraft verloren. Denn die Post-Mitarbeiter, würden ja auch mal einkaufen gehen, tanken, Einzelhändler aufsuchen. Das würden sie bald nicht mehr tun, wenn sie woanders arbeiten, prognostiziert der Bürgermeister. „Uns gehen auch in anderen Bereichen Einnahmen verloren.“

Aus den Reihen der Stadträte gab es zu diesem Thema während der Zusammenkunft am Donnerstagabend keinen einzigen Wortbeitrag.

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