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5500 Menschen strömten zum „Tag der offenen Tür“ des Heeres bei Letzlingen

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Von: Stefan Schmidt

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Das Dorf Letzlingen und die Jagdschloss-Stiftung waren mit einem gemeinsamen Info-Stand vertreten, so wie andere Anrainergemeinden auch.
Das Dorf Letzlingen und die Jagdschloss-Stiftung waren mit einem gemeinsamen Info-Stand vertreten, so wie andere Anrainergemeinden auch.

Letzlingen. „Kann mich jemand zurück zum Parkplatz fahren? Mir ist der Weg ein bisschen weit. “ Die Rentnerin, auf Krücken gestützt, bat den Offizier um Hilfe.

Wenige Minuen später stand ein Kleinbus bereit: Den mehrere hundert Meter langen Weg zurück zum Großparkplatz vor dem Kasernentor legte die Frau im Wagen zurück, musste nicht laufen.

Eine kleine Episode, die zeigte: Die Bundeswehr, die seit 1994 den Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide nutzt, gab sich am Sonnabend volksnah. Zum „Tag der offenen Tür“ im Gefechtsübungszentrum (GÜZ) des Heeres strömten nach Bundeswehr-Angaben mindestens 5500 Menschen auf das Gelände. Nach vierjähriger Pause – im vergangenen Jahr wurde der „Tag der offenen Tür“ wegen des unmittelbar zuvor abgehaltenen „Antimilitaristischen Camps“ von Militärgegnern aus Sicherheitsgründen gestrichen – zeigte die Bundeswehr, was sie hat. Sämtliche im GÜZ verfügbaren Fahrzeuge und Waffengattungen wurden vorgestellt. Dazu gab es eine simulierte Übung auf dem Truppenübungsplatz. Busse fuhren die Neugierigen die rund drei Kilometer hinaus in Richtung des ehemaligen Heidedorfes Salchau – ein Gelände, das seit mehr als 60 Jahren für Zivilisten gesperrt ist. Denn vor der Bundeswehr übten dort die Wehrmacht und die Rote Armee. Dort wurden an die Zuschauer erst Ohrstöpsel verteilt, danach begann die Übung: Aggressoren überfielen das Dorf Salchau, die verteidigende Armee wehrte den Angriff letztlich ab. Artilleriegeschosse in einem nahen Waldstück, dazu Panzerbesatzungen, die sich und die Zuschauer mittels Nebelwerfer in Rauch einhüllten: Die Gäste bekamen Militär hautnah zu sehen und zu spüren.

Hautnah bestaunen konnten die Besucher auch die Kettenfahrzeuge und Waffengattungen auf dem GÜZ-Exerzierplatz, wo es die „statische Waffenschau“ gab. Nur ein paar Meter entfernt hatte die Bundeswehr Spiele für den Nachwuchs aufgebaut. Und im Zentralgebäude gab es nicht nur einen maßstabsgerecht nachgebauten Miniatur-Truppenübungsplatz, sondern auch einen geschichtlichen Abriss der Colbitz-Letzlinger Heide.

„Unser Ziel war es, für jede Altersgruppe etwas zu bieten“, so Oberst Gunter Schneider, der Leiter des GÜZ. Der „Tag der offenen Tür“ solle zeigen: „Wir verstecken uns nicht.“ Dies sagte er auch mit Blick auf das fünf Wochen zuvor stattgefundene „Antimilitaristische Camp“ von Bundeswehrgegnern, die unter anderem Baumstämme auf die Bundesstraße und Krähenfüße auf einen Zufahrtsweg legten sowie mehrere Gebäude auf dem Truppenübungsplatz beschmierten. Dass sich der „Tag der offenen Tür“ so großer Beliebtheit erfreut habe, zeige laut Oberst Gunter Schneider: „Wir können so schlechte Menschen nicht sein.“

Störaktionen am Sonnabend durch Militärgegner gab es nicht. Einzige Ausnahme: In der Nacht vor der Veranstaltung hatten Unbekannte auf die Fahrbahn der GÜZ-Zufahrt die Parole „Nie wieder Krieg“ gesprüht.

Von Stefan Schmidt

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