Unterschiedliche Auffassungen im Gardelegener Bauausschuss zur möglichen Vereinheitlichung der Postleitzahlen

„Wir sind jetzt alle in einem Suppentopf“

Gustav Wienecke: „Das ist doch eine Lappalie.“

Gardelegen. Im Stadtgebiet von Gardelegen gibt es derzeit drei verschiedene Postleitzahlen. Das soll anders werden. Dies schlägt zumindest die Stadtverwaltung in einer Beschlussvorlage vor.

Doch die Mitglieder des Gardelegener Bauausschusses lehnten eine Veränderung der Postleitzahlen während ihrer Zusammenkunft am Montagabend mehrheitlich ab. Statt einer einheitlichen 39638, wie bisher für die Kernstadt und die umliegenden Ortschaften, soll es nach dem Willen der Bauausschuss-Mitglieder auch künftig noch die 39649 für den Raum Mieste und 39646 für die kleinen Ortsteile Kahnstieg und Taterberg im Drömling geben. Das letzte Wort hat allerdings der Gardelegener Stadtrat.

Sie verstehe die Argumentation der Stadtverwaltung nicht, mit einer einheitlichen Postleitzahl würde man mehr Identifikation zu dem neuen Gardelegener Stadtgebilde schaffen, so Roswitha Stadie aus Mieste. Diese Begründung sei „verquer“. Zwar sei Gardelegen ein Riesengebilde. Aber in Städten mit ähnlich großer Ausdehnung wie in Hamburg und Berlin gebe es auch unterschiedliche Postleitzahlen. Und dort fühle man sich trotzdem als Hamburger oder Berliner. Und überhaupt: „Alle meine Post kommt noch an“, auch mit immer noch eigener Postleitzahl.

Ganz anders sah dies Schenkenhorsts Ortsbürgermeister Wolfgang Reboné, der stellvertretende Ausschussvorsitzende. „Wir sind doch jetzt alle Gardelegen“, konterte er Roswitha Stadie. Unterstützung bekam er von Gustav Wienecke, dem Ortsbürgermeister aus Wannefeld. Dass die Miester so an einer eigenen Postleitzahl hängen, empfindet er als „Lappalie“ angesichts „all der Themen, die uns noch in nächster Zeit rund um Mieste beschäftigen werden“, spielte er auf manche dort noch nötigen Investitionen an. „Mieste hat Probleme finanzieller Art, die uns noch mehr beschäftigen werden als Postleitzahlen.“ Vergleiche mit anderen Städten, wie von Roswitha Stadie vorgenommen, seien „kalter Kaffee“, so Gustav Wienecke. Und überhaupt: „Man sollte Steine aus dem Weg räumen und nicht dort hinschmeißen.“ Denn schließlich „sind wir jetzt alle in einem Suppentopf“.

Hannelore von Baehr aus Gardelegen ist ebenfalls gegen eine einheitliche Postleitzahl. Sie verstehe die Sorgen der betroffenen Bürger durchaus. Wenn denn die Post eine Vereinheitlichung wolle, dann stelle sie eine Gegenfrage: „Und...? Hat Gardelegen überhaupt noch eine Post?“

Das rief Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs auf den Plan. Es gehe bei der einheitlichen Postleitzahl weniger um die Post, als vielmehr „um die Rettungsdienste und die Navigationsgeräte in den Fahrzeugen“. Und dann noch: „Es ist immer leicht, dem Bürger nach dem Munde zu reden.“ Veränderungen hätten nun mal auch Unannehmlichkeiten zur Folge. Konter von Sven Grothe aus Solpke: „Ich bin von den Bürgern in den Stadtrat gewählt worden, also werde ich auch deren Interessen vertreten.“

Der Gardelegener Bauausschuss lehnte eine Vereinheitlichung der Postleitzahlen mehrheitlich ab. Drei Mitglieder waren dafür (Wolfgang Reboné, Norbert Tendler und Gustav Wienecke), fünf für die Beibehaltung der jetzigen Regelung (Hannelore von Baehr, Maik Lüer, Roswitha Stadie, Otto Grothe und Sven Grothe). Der Hottendorfer Marcus Odewald enthielt sich der Stimme.

Von Stefan Schmidt

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