Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe könnte noch 2014 in die Landesstiftung übergehen

„Wir sind auf einem guten Weg“

Der Gardelegener Postchor unter der musikalischen Leitung von Bernd Werner (rechts) sorgte für die musikalische Umrahmung der Feierstunde.

Gardelegen. Noch in diesem Jahr, so hofft Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs, könne die Übernahme der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe in die Landes-Gedenkstättenstiftung von Sachsen-Anhalt vollzogen werden.

Die Verhandlungen seien „auf einem guten Weg“, erklärte er gestern während der Gedenkveranstaltung am „Tag der Opfer des Nationalsozialismus“ auf der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe. Dort brachten die Nazis am 13. April 1945 mehr als 1000 KZ-Häftlinge bestialisch um.

Auch Landes-Innenminister Holger Stahlknecht sprach sich in seiner Rede für die Übernahme der Gedenkstätte aus. Er sehe eine solche Aufnahme „gerne“, so Stahlknecht – gleichwohl werde sich die Stadt Gardelegen nicht aus der Verantwortung ziehen, bekräftigte Fuchs. Er hoffe aber zugleich, dass 2014 „der Endpunkt“ bei den Verhandlungen mit dem Land, die „kompliziert“ seien, bedeuten werde.

Fuchs und Stahlknecht hielten am Gräberfeld kurze Reden. Die Stadt Gardelegen, der Förderverein Mahn- und Gedenkstätte, der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Neuapostolische Kirche und der SPD-Ortsverein legten Kränze nieder. Stahlknecht erinnerte in seiner Ansprache an die „Banalität des Bösen“. Daran, dass nicht alle Täter ursprünglich „Verbrecher, wie wir es heute verstehen“, gewesen seien. Es habe „eine Metamorphose“ stattgefunden – „sie waren liebevolle Familienväter und virtuose Geigenspieler.“ Aber: Morgens „gingen sie zur Arbeit, um zu töten oder Tötungen anzuordnen.“ Die 1016 Getöteten in der Gardelegener Feldscheune seien „entwürdigt, gedemütigt und erschöpft“ gewesen, als sie in Gardelegen angekommen seien. Man habe ihnen zuerst ihre Würde genommen – und ganz am Ende ihr Leben. Dies sei, so betonte Stahlknecht im Beisein von knapp 100 Zuhörern, durchaus „planvoll“ geschehen.

Von Stefan Schmidt

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