Susanne Hoff aus Tarnefitz lebt seit vier Jahren mit ihrer Familie vegan

„Wir können alles essen“

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Susanne Hoff und ihre Familie ernährt sich vegan. Nur zu Ostern essen die Kinder ab und zu Eier von ihren Hühnern.

Tarnefitz. Nudeln mit Tomatensoße nur ohne Käse, Kuchen mit Banane statt Eiern und Joghurt aus Kuhmilch wird im Obstsalat mit Kokosjoghurt ersetzt – „Wir können alle Gerichte vegan kochen und essen“, erzählt Susanne Hoff, die zusammen mit ihrem Mann und den vier Kindern vegan lebt.

Seit vier Jahren verzichtet die Tarnefitzerin auf tierische Produkte. Zuvor ernährte sie sich viele Jahre lang vegetarisch.

Bei der Umstellung auf die nicht-tierische Ernährung musste sie „lernen, das Eine durch etwas Anderes zu ersetzen“, so Susanne Hoff. Also isst die Familie Margarine statt Butter, ebenso nur noch pflanzlichen Joghurt. Sie erinnert sich, dass ihr vegane Milch anfangs nicht geschmeckt habe, „die Milch war furchtbar“, doch sie habe etliche Sorten probiert, bis die 33-Jährige die richtige Milch für sich gefunden hatte. „Dann habe ich nochmals Kuhmilch probiert und fand sie eklig.“ Zunächst wurde auch Fleisch durch vegane Alternativen ersetzt. Doch tierische Produkte wolle Susanne Hoff nicht mit veganen Lebensmitteln nachahmen, diese helfen lediglich bei der Umstellung. „Obwohl ich Fleisch damals schon nie wieder essen wollte“, erinnert sie sich. Bei Käse allerdings fiel ihr der Verzicht schwer, auch gab es hin und wieder Ausnahmen: „Wenn beispielsweise Essen weggeschmissen werden sollte.“ Dann habe sie sich auch mal nicht vegan ernährt. Doch seitdem es ihr bei dem Verzicht auf die tierischen Produkte nicht mehr nur um das Wohl der Tiere geht, sondern auch um die gesundheitlichen Aspekte wie den Verzicht auf hormon- und keimbelastete tierische Lebensmittel, habe sie eben jenes übrig gebliebene Essen lieber an ihre Tiere verfüttert.

Heute isst die Familie ausschließlich vegan – und nutzt auch nicht-tierische Kosmetik- sowie Reinigungsmittel. Und entgegen vieler Meinungen ist die vegane Lebensweise nicht teurer und es leidet keiner in der Familie unter Nährstoffmangel – „und wir gleichen auch nichts durch Nahrungsergänzungsmittel aus“, betont die Tarnefitzerin. Als Veganerin achte sie mehr auf die zugenommenen Nährstoffe, „man fragt sich, was man da alles so isst.“ Zudem sei sie als Veganerin auch nicht eingeschränkt, „im Gegenteil, man erweitert seinen Horizont.“ Und die entsprechenden Lebensmittel gebe es auch in den Supermärkten in Gardelegen, „wir kaufen auch hier ein, um den Verkauf von veganen Lebensmitteln in der Region zu fördern.“

Sie kann also alles zubereiten, wie sie deutlich macht: „Wir kochen viel frisch, es gibt Suppen, Salate, belegte Brote, Obstsalat, auch Schokocreme auf dem Brötchen“, sagt die Tarnefitzerin. Aber gibt es gar keine Ausnahmen? Für die 33-Jährige nicht, für ihre vier- bis zwölfjährigen Kinder hingegen schon. „Ab und an, vor allem zu Ostern, wollen die Kinder Eier essen.“ Dann allerdings nur die Eier von den Hühnern, die auf dem Hof der Familie leben. Auch können die Kinder, wenn sie bei Freunden sind und es beispielsweise Geburtstagskuchen gibt, „gerne ein Stück Torte und somit vegetarisch essen“, das verbiete sie ihnen nicht, doch „meine Kinder wollen keine tierischen Lebensmittel essen und nehmen sich dann einen veganen Muffin mit.“ Denn die 33-Jährige verlange nicht, „dass andere für uns etwas Veganes kochen, dann bringen wir eben etwas mit.“

Einige Eltern von Freunden „denken daran, dass meine Kinder vegan essen und fragen nach, was sie kochen können, wenn meine Kinder zu Besuch kommen,“ so Susanne Hoff, „und dann merken sie, dass vegan kochen doch ganz einfach ist“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Und andersrum, wenn Besuch zu ihnen kommt? Essen Freunde und Familie dann auch vegan? „Ja, sie essen dann auch das vegane Essen“, erklärt die 33-Jährige, „allerdings frage ich bei Kindern vorher die Eltern, ob sie beispielsweise Soja essen dürfen.“ Manchmal gebe es dann auch vegane Nuggets, „da merken die Kinder gar nicht, dass sie kein Fleisch essen.“ Allerdings habe sie bei Erwachsenen schon Ablehnung gegenüber der alternativen Ernährung erfahren, „manch einer isst dann genau das nicht.“ Dennoch werden die Menschen immer aufgeschlossener, „denn das vegane Essen sieht nicht anders aus als das tierische Gericht“, so Susanne Hoff und fügt hinzu, „dass einige Bekannte auch mal veganes Essen mitbringen.“

Dennoch werde sie von anderen auch mal belächelt, kritisiert, viele seien auch „entsetzt“. Deswegen erzähle sie nur von ihrer veganen Lebensweise, wenn sie danach gefragt wird. Und dann sei die erste Reaktion oft, „dass derjenige so nicht leben könnte“. Das liege oftmals an der Unwissenheit gegenüber dem Veganismus. „Ich versuche, die Menschen dann aufzuklären, sie vielleicht auch zu ‘veganisieren’“. Aber eben nicht mit erhobenem Zeigefinger, lieber erläutere sie ihnen, woher die tierischen Lebensmittel sind. Das habe sie auch mit ihren Kindern gemacht. „Sie wurden kindgerecht aufgeklärt, wissen, woher zum Beispiel Milch oder Fleisch kommen, für wen diese Lebensmittel eigentlich gedacht sind.“

Ab und an, wenn Susanne Hoff in der Region in Restaurants isst, muss sie auch den ein oder anderen Kellner aufklären. „Wenn sie wissen, was vegan bedeutet, denken sie auch darüber nach, was sie mir kochen können.“ Denn nicht-tierische Gerichte gebe es kaum auf den Speisekarten, vegane Restaurants und Cafés gar nicht. Deswegen würde sie sich zumindest ein, zwei vegane Speisen in den Gardelegener Restaurants und Cafés wünschen.

Bald soll es bei Susanne Hoff in Tarnefitz zudem nicht nur veganes Essen geben, sondern eine roh-vegane Ernährung, allerdings nicht für die Kinder. Denn roh-vegan bedeutet, dass kein Lebensmittel über 42 Grad Celsius erhitzt wird. „Ich versuche jetzt schon, roh-vegan zu essen“, sagt Susanne Hoff. Auch möchte sie zukünftig mehr mit gedörrten Lebensmitteln und Keimlingen ausprobieren, „denn man muss sich immer weiterbilden, auch bei der Ernährung.“

Von Ina Tschakyrow

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