Tier hockte am Boden und konnte nicht mehr fliegen

Windrad zerschmettert Bussardflügel: Tierheim Gardelegen muss Vogel einschläfern

Dieser Bussard geriet offenbar in das Rotorblatt eines Windrades und musste eingeschläfert werden.
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Dieser Bussard geriet offenbar in das Rotorblatt eines Windrades und musste eingeschläfert werden.

Gardelegen – Immer wieder, so berichtet Gisela Kürten vom Gardelegener Tierheim, finden Mitarbeiter der Einrichtung, beispielsweise beim Gassi gehen mit Hunden, tote Vögel und verendete Fledermäuse in der näheren Umgebung.

Die Tieraufnahmestation, die sich zwischen Gardelegen und Lüffingen befindet, liegt inmitten von mehreren Windparks, rund um die Gebäude stehen teils mehr als 200 Meter hohe Windräder.

Ein solches Windrad unweit der Deponie Lindenberg ist am vergangenen Freitag offenbar einem Bussard zum Verhängnis geworden. Wie Gisela Kürten weiter berichtet, sei das Tierheim von einem Spaziergänger informiert worden. Er hatte unter einer der Großwindanlagen einen Bussard gefunden.

Das Tier hockte am Boden, konnte nicht mehr fliegen und war verletzt. Der Mann fuhr gemeinsam mit Tierheim-Mitarbeitern zum Ort des Geschehens, wo das verängstigte Tier ohne Widerstand eingefangen werden konnte. Der Bussard wirkte bereits entkräftet und ein Flügel „stand in einem unnatürlichen Winkel vom Körper ab, so dass wir einen Bruch befürchteten“, erläutert die Tierheim-Mitarbeiterin.

Der Bussard kam – das Biosphärenreservat Drömling war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu erreichen – zu einem Tierarzt nach Haldensleben. Dort wurde er geröntgt. „Das angefertigte Röntgenbild“, so schreibt Gisela Kürten weiter, sei „auch für medizinische Laien sehr eindrucksvoll“. Deutlich zu erkennen sei eine „Serienfraktur des Flügelknochens“.

Das Röntgenbild zeigt deutlich die Brüche im Flügel des Bussards. Das Tier wurde am Freitag unter einem Windrad von einem Spaziergänger entdeckt.

Es gab also mehrere Brüche. Im Detail: „Der Oberarm ist gelenknah gebrochen, am Unterarm mittig eine Trümmerfraktur mit mehreren Einzelfragmenten, weiter zur Flügelspitze hin sind noch mehrere Abrisse zu erkennen.“ Die Schlussfolgerung des Tierheims: „Dem armen Vogel hat offensichtlich ein Rotorblatt der Windkraftanlage den Flügel regelrecht zerschmettert.“ Da der Vogel „nie mehr wird fliegen können“ und außerdem mutmaßlich erhebliche Schmerzen gehabt habe, habe man sich schweren Herzens entschlossen, das Tier umgehend einzuschläfern.

Für die Tierheim-Mitarbeiter steht fest: Bei der „vermeintlich umweltfreundlichen Windkraft-Nutzung“ gebe es auch Schattenseiten in Form von getöteten Tieren. Gisela Kürten abschließend: „Die meisten dieser Tiere haben nicht das Glück, noch lebend gefunden zu werden, so dass sie elend zugrunde gehen müssen.“

VON STEFAN SCHMIDT

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