Keine kinderleichten Fragen: Dorothea Frederking besuchte Evangelische Grundschüler in Gardelegen

Wieso helfen wir, und andere nicht?

+
Landtagsabgeordnete Dorothea Frederking war am Montag, im Zuge des bundesweiten Tages der freien Schulen, als „Lehrerin“ in der Evangelischen Grundschule in Gardelegen. Die Kinder hatten eine Menge Fragen, zum Beispiel zur Flüchtlingskrise.

Gardelegen. Gab es schon mal Jahre, wo es keinen Krieg gab auf der Welt?“, fragte am Montag Viertklässlerin Mona Roitsch die Landtagsabgeordnete Dorothea Frederking, die im Zuge des bundesweiten Tages der freien Schulen den Sachkundeunterricht an der Evangelischen Grundschule in Gardelegen besuchte.

„Solchen und vielen weiteren, teilweise hochaktuellen, Fragen zum Weltgeschehen, stellte sich die Grünenpolitikerin, was sie doch ein wenig überraschte: „Es ist erstaunlich, was für tiefgründige Fragen die Kinder haben und wie gut sie informiert sind. Wir haben gerade so viele Themen angesprochen, ich hätte jetzt wirklich Lust noch eine Stunde dranzuhängen und auf zwei, drei Themen tiefer einzugehen. Auch, um mal zu erklären, wie Politik funktioniert und wie Gesetze gemacht werden“, so Dorothea Frederking. Sie war am Montag in der Evangelischen Grundschule „Lehrerin“.

Denn unter dem Motto „Wir sind so frei“ wurde der erste bundesweite Tag der freien Schulen veranstaltet. Die Evangelische Johannes-Schulstiftung, Träger der Gardelegener Grundschule, beteiligte sich an der Aktion unter anderem mit von Politikern gestalteten Unterrichtsstunden. Dorothea Frederking war am Montag die erste „Lehrerin“, am heutigen Mittwoch ist dann noch SPD-Politiker Ralf Bergmann bei den Grundschülern zu Besuch.

So könne gezeigt werden, wie man in der Schule arbeitet und dass „wir den gleichen Bildungs- und Erziehungsauftrag haben, wie staatliche Schulen. Nur gehen wir eben einen etwas anderen Weg“, so Schulleiterin Katrin Niemeyer, die Frederking begrüßte und nach ihrer Unterrichtsstunde noch zu einem Gespräch mit den Lehrern sowie einem Schulrundgang und einem Mittagessen einlud.

Mit einem Quiz zur Getreidewerkstatt ging die Schulstunde der „Fischklasse“, in der sonst Lehrerin Juliane Stahlberg Sachkunde unterrichtet, los. Die Grundschüler glänzten mit ihrem Wissen und schlugen die Politikerin dann auch haushoch. Dann stellten die Mädchen und Jungs erst einmal ein paar persönliche Fragen an ihre Besucherin, zum Beispiel wie alt sie sei (Antwort: „50“, Kommentar eines Schülers: „Sie sehen aus wie 40.“), was ihr Lieblingsessen sei („Suppen in jeder Form.“) oder ob sie schon immer Politikerin werden wollte („Nein, ich habe einen anderen Beruf gelernt. Ich bin eigentlich Lebensmitteltechnologin und habe schon in einer Brauerei, einer Eiscremefabrik und einer Tortenfabrik gearbeitet.“).

Anschließend wurde es dann politisch. Ein Thema ist auch bei den Viertklässlern allgegenwärtig: Die Flüchtlingskrise. So fragten sie die Politikerin, was sie über die Flüchtlinge in Deutschland denkt. „Ich finde es ganz wichtig, dass wir Menschen helfen, die in ihrem Land keine Zukunft mehr haben. Und dass es Menschen in Deutschland gibt, die den Flüchtlingen ehrenamtlich helfen“, erklärte Frederking den Schülern. Sie war auch beeindruckt davon, wie die Kinder „die naheliegenden Dinge verbinden und sich Gedanken über ethische Verantwortung machen“, denn die Schüler fragten, wieso Deutschland Griechenland Geld gebe und helfe, obwohl Griechenland keine Flüchtlinge aufnehme und anderen auch nicht helfen. Die Landtagsabgeordnete erklärte dann, dass man sich in der EU als Freunde betrachte und deshalb helfen müsse, wenn ein Freund, so wie Griechenland, in Schwierigkeiten ist. Das Problem, dass manche EU-Länder viel weniger Flüchtlinge aufnehmen als Deutschland, würden viele ansprechen und deshalb habe es vor kurzem ein Treffen der europäischen Politiker gegeben, um zu besprechen, wie die Verteilung der Menschen in ihrer Notsituation besser gemacht werden könnte.

Heiß diskutiert wurden auch Themen wie die Erderwärmung und artgerechte Tierhaltung, genauso wie regionale Probleme, zum Beispiel, dass der Wolf wieder in der Altmark ist und Schafe reißt. Zwei Schüler berichteten sogar von ihren Begegnungen (natürlich aus sicherer Entfernung) mit dem Tier. Auch zu ihrer eigenen Schule hatten die Kinder Fragen, zum Beispiel warum sie keine eigene Turnhalle haben und noch keine elektrische Tafel. Hier konnte die Grünenpolitikerin aber nur sagen, dass die Schüler ihre Wünsche mal sammeln und mit ihren Lehrern besprechen sollten, wie man diese umsetzen kann.

Über eine Frage freute sich Dorothea Frederking dann noch besonders: „Sind sie glücklich in ihrem Beruf?“ – „Das werde ich nie gefragt. Da interessiert sich kein Erwachsener für“, so die Landtagsabgeordnete.

Von Hanna Koerdt

Kommentare