Räume voller Staub, Fäkalien, Glasscherben und Müll

Weteritzer Gutshaus: Außen hui, innen pfui

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Laut Hans-Joachim Mertens ist das Treppengeländer noch wertvoll. Der 83-Jährige wundert sich, dass es überhaupt noch steht.
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Anhand der Dachkonstruktion kann man erkennen, dass es sich bei dem Gutshaus ursprünglich um ein Fachwerkhaus handelte.
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In den Gängen sind alle Tapeten von den Wänden gefallen. Der Anblick gleicht einem Gruselkabinett.
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Rund 60 Zimmer hat das alte Herrenhaus. Die Türen sind kaputt und liegen auf den Boden. Überall Glasscherben und Tierfäkalien.
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Einst schmückte dieser Schrank die Bibliothek des ehemaligen Altersheims.
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Die Sanitäranlagen aus dem ehemaligen Altersheim sind noch erhalten geblieben.
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Dirk Kuke zeigt auf die Leinwandtapete in der alten Bibliothek, die heute zerbröckelt.
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In dem Weteritzer Herrenhaus wohnte einst das niederdeutsche Adelsgeschlecht. Heute gleicht es einer Mülldeponie.
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Hobby-Historiker Hans-Joachim Mertens (links) und Dirk Kuke öffneten die Tür eines „schlafenden Schlosses“.

Weteritz. Tapeten hängen von den Wänden, überall ist Dreck und liegengelassener Müll aus alten Zeiten. In den rund 60 Zimmern des kleinen Weteritzer „Schlosses“ verteilen sich Spinnweben, Glasscherben und auch Tierfäkalien am Boden.

Und auch sonst gleicht das ehemalige Weteritzer Gutshaus von innen eher einer verlassenen und heruntergekommenen Ruine. Dabei wohnte doch einst das niederdeutsche Adelsgeschlecht darin. 

Im Jahre 1830 erbaute die Familie von Alvensleben das Gutshaus in Weteritz. Später, um 1930, nahm Hofgartendirektor Peter Josef Lenné gestalterischen Einfluss auf den Park, der das Herrenhaus umgibt. Gegen 1870 wurde der Park von einem hannoveraner Landschaftsgestalter ausgebaut. Aus wirtschaftlichen Gründen musste die Familie von Alvensleben schließlich das herrliche Anwesen verkaufen. 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, im Jahre 1945, fiel es in die Hände der russischen Besatzer. Von 1950 bis 1970 fungierte es als Altenheim. Nach der Wende sollte aus dem geräumigen Gutshof ein Kongresszentrum werden. Damals investierte die Stadt Gardelegen sogar Geld, das die Kommunen aus dem SED-Vermögen erhielten und Fördergeld des Landes, aus der Gemeinschaftsausgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur. 

Mit dem SED-Geld wurde ein neues Schlossdach errichtet. Mit dem Fördergeld des Landes, damals 254 000 DM, wurden die Fenster und die Fassade instand gesetzt. Doch aus dem geplanten Kongresszentrum wurde nichts. 

Seit dem steht das 5 000 Quadratmeter große Anwesen (Haus inklusive Grundstück) leer und zerfällt immer mehr. Dabei liege das Herrenhaus samt Park den Weteritzern sehr am Herzen, wie Anwohner und Stadtrat Dirk Kuke mitteilt. Er ist es auch, der über den Schlüssel des Herrenhauses wacht. „Interessenten, die in das Objekt investieren wollten, gab es immer mal wieder. Am Ende blieb keiner“, sagt Dirk Kuke im Gespräch mit der AZ.

Hobby-Historiker Hans-Joachim Mertens – der gebürtige Solpker lebt seit 1963 in Weteritz und ist bewandert mit der Geschichte des Ortes – sagt ergänzend und mit einem Hauch Ironie: „Jeder hat sich in das Schloss gedanklich eingebracht, aber keiner hat etwas zustande gebracht.“ 

Beiden Männern ist aber auch bewusst, dass viel Geld in das Objekt hineingesteckt werden muss. Rund drei Millionen Euro, so schätzt Dirk Kuke, werden notwendig sein, um den Altbau in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Geld, das kaum jemand hat. Und überhaupt: Was soll aus dem Objekt werden? Das fragen sich natürlich auch die beiden Weteritzer vor Ort. 

Wer es kaufen und was daraus letztlich wird, das ist völlig ungewiss. Viel wichtiger ist, dass sich bald jemand findet, der das noch „schlafende Schloss“ überhaupt wieder mit Leben füllt.

Von Marilena Berlan

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