Friedrich-Wilhelm Gille dokumentiert Brautkränze

Wer hat diesen Brautkranz getragen?

In einem verzierten Kasten wurde der Goldbrautkranz aufbewahrt.
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Der Goldbrautkranz wurde für das Ehejubiläum am 20. April 1902.
  • Ina Tschakyrow
    vonIna Tschakyrow
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Friedrich-Wilhelm Gille aus Wiepke hat neue Brautkränze zum Dokumentieren erhalten. Diese erinnern an eine Grüne, Silberne und Goldene Hochzeit.

Wiepke – Im Kasten liegt ein grüner Brautkranz, über diesen wurde noch ein Silberbrautkranz gelegt. „Das ist sehr ungewöhnlich“, sagt Friedrich-Wilhelm Gille. Auf seinem Tisch steht daneben ein weiterer Kasten. Darin wurde ein Goldbrautkranz als Erinnerung an die Hochzeit aufbewahrt. Nun hat der Wiepker einen Brautkranz einer Grünen, Silbernen und Goldenen Hochzeit.

Alle drei Brautkränze hat Friedrich-Wilhelm Gille vor einer Woche zur Dokumentation erhalten. Ein Mann aus Kassieck hat den Kopfschmuck bei Flohmärkten in Storbeck gekauft und zu dem Wiepker gebracht. Friedrich-Wilhelm Gille notiert sich unter anderem die Maße des Brautkranzes, die Daten der Eheleute und der Hochzeit. Die Daten der Hochzeit sind aber nur bei den Brautkränzen für die Grüne und Silberne Hochzeit bekannt. Magdalene Weber und Ferdinand Krause wurden am 23. November 1883 getraut, steht auf einem Herz in der Mitte des Kastens. Woher das Ehepaar kam, ist nicht bekannt. „Warum hat Magdalene Weber 25 Jahre nach ihrer Hochzeit noch einen silbernen Brautkranz in den Kasten gelegt?“, fragt sich Friedrich-Wilhelm Gille. Ungewöhnlich ist auch, dass eigentlich zur damaligen Zeit die Kästen, in denen die Brautkränze aufbewahrt wurden, vor allem in der Farbe Preußisch-Blau gestaltet wurden. Für diese Aufbewahrung wurde ein Grünton und nur wenig Preußisch-Blau verwendet. Der Kasten des grünen Brautkranzes und des Silberbrautkranzes ist vor einiger Zeit heruntergefallen und die Glasscheibe wurde falsch eingesetzt, erzählt Friedrich-Wilhelm Gille. Deswegen drückt die Scheibe auf die beiden Brautkränze. Einige Myrten des Kopfschmuckes sind lose, sieht der Wiepker.

Grüner Brautkranz teurer als Silber- und Goldkopfschmuck

Der grüne Brautkranz war teurer, sagt er. Der silberne und goldene Brautkranz sind schlichter gestaltet, es wurde wenig Material verwendet. Der goldene Brautkranz wurde aus Metall gefertigt, das war zur damaligen Zeit günstiger, als – wie bei den grünen Myrten üblich – ein Wachstuch als Material zu verwenden. Die Blätter und Blüten des goldenen Brautkranzes wurden gestanzt, so konnten gleichzeitig mehrere hergestellt werden, was aber auch eine unpersönlichere Erinnerung an die Hochzeit war.

Zur Herstellung gibt es auf der Rückseite des Aufbewahrungskastens einen Vermerk: „Einrahmung von Bildern und Brautkränzen von A. Wesche, Bismark.“ Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Brautpaar aus Bismark oder Umgebung kam, erzählt Friedrich-Wilhelm Gille. Er sagt, dass es selten den Nachweis des Herstellers gibt. Das war erst viermal bei Brautkränzen so, die er dokumentieren oder behalten durfte.

Nur das Hochzeitsdatum bekannt

Bei dem Goldbrautkranz ist nicht bekannt, wer den Kopfschmuck getragen hat. Es steht im Kasten nur „Zur Erinnerung an den 20. April 1902“. Am Brautkranz ist noch der Brautstrauß, den sich der Bräutigam an den Anzug steckte, befestigt. Er besteht aus drei Zweigen mit einer Blüte. Der Schmuck liegt in einem mit zwölf in Form von Dreiecken und Parallelogrammen gestalteten Spiegeln verzierten Kasten. Auf den Spiegeln und an den Ecken des Kastens sind Ornamente, erzählt Friedrich-Wilhelm Gille.

Er zeigt noch zwei andere Brautkränze. Einer erinnert an die Hochzeit von Wilhelmine Lindeke am 25. November 1892, als sie Albert Holz heiratete, der andere an die Silberhochzeit von Elisabeth Michael, die Fridolin Michael am 22. November 1892 heiratete (AZ berichtete). Den Silberbrautkranz hat er wieder zusammengefügt und gereinigt. Auch die Myrten und die kleinen Kolben mit Grannen konnte er wieder ordnen und richten. Fast fertig ist auch der Brautkranz von Wilhelmine Lindeke. Friedrich-Wilhelm Gille musste dort unter anderem noch den Rahmen restaurieren.

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