Ulrike Kalfari-Hoff möchte Zusammenkunft für vom Verlust eines Kindes betroffene Eltern gründen

Wenn Gespräche helfen können

Ulrike Kalfari-Hoff hat ihren Sohn bei einem Verkehrsunfall verloren. Ähnlich wie an ihrem früheren Wohnort in Kassel würde sie sich auch in Gardelegen gerne regelmäßig mit anderen, vom Verlust eines Kindes betroffenen Eltern treffen. Foto: Walter

Gardelegen. Der Tod eines Kindes ist ein Schicksalsschlag, den wohl nur Eltern nachempfinden können, die diese Erfahrung selbst einmal machen mussten.

Nicht selten führt der Verlust Betroffene in die Isolation, zu innerer Einsamkeit und dem Gefühl, dass nichts bleibt, wofür es sich zu leben lohnt. Um genau das zu verhindern, gibt es in vielen Städten inzwischen Selbsthilfegruppen oder lockere Zusammenkünfte, in denen betroffene Eltern sich treffen, um miteinander zu sprechen.

In Gardelegen gibt es eine solche Gruppe bislang allerdings nicht. Die Gardelegenerin Ulrike Kalfari-Hoff möchte, dass sich das ändert. An ihrem früheren Wohnort in Kassel hat sie als betroffene Mutter bereits gute Erfahrungen mit einer solchen Elterngruppe gemacht.

Ulrike Kalfari-Hoff hat ihren Sohn im Mai 2003 bei einem Verkehrsunfall verloren. Noch heute denkt sie fast täglich daran. „Das geht einfach nicht raus, auch nach achteinhalb Jahren nicht“, sagt die 57-Jährige. Die Erfahrungen, die Kalfari-Hoff mit dem Verlust ihres Sohnes gemacht hat, sind sehr persönlich und gehören allein zu ihrem Leben. Doch in der Altmark dürfte es Eltern geben, die sich in einer ähnlichen Situationen befinden. Unter ihnen hofft Ulrike Kalfari-Hoff Menschen zu finden, die ähnlich fühlen wie sie und die miteinander ins Gespräch kommen möchten.

Manchmal habe sie früher den Wunsch gehabt, dass Familienangehörige sie auf ihre Situation ansprechen, erzählt die Gardelegenerin. Doch sie habe die Erfahrung gemacht, dass Angehörige und Bekannte den Verlust ihres Sohnes aus Unsicherheit oder Angst nicht ansprechen. Andere Eltern reden von sich aus mit niemandem, weil sie glauben, keiner außer ihnen selbst könne sich in ihre Situation hineinversetzen, niemand sei in der Lage, ihnen die Bürde abzunehmen, die sie tragen müssen. So zutreffend diese Gedanken auch sein mögen, das Miteinander-Reden kann Betroffenen dennoch helfen, glaubt Ulrike Kalfari-Hoff.

Diese Erfahrung hat sie zumindest in einer zwanglosen Runde von Eltern in Kassel gemacht. „Regelmäßig, meist einmal pro Woche, haben wir uns dort getroffen, zusammen gelacht und geweint“, sagt die 57-Jährige. Thema sei dabei auch, aber eben nicht nur der Verlust des Kindes gewesen. Wenn man erst einmal etwas voneinander wisse, sei der Schicksalsschlag etwas, das die Eltern verbinde, ohne jedes Mal thematisiert werden zu müssen, erzählt die Mutter. Die Selbsthilfegruppe hat Kalfari-Hoff so sehr geholfen, dass sie eine solche Gemeinschaft auch in ihrer neuen Heimat Gardelegen nicht missen möchte.

„Ich würde mich freuen, wenn sich jemand mit mir in Verbindung setzen würde, der Interesse hätte, über unsere Kinder, aber auch über den ganz normalen Alltag zu reden“, sagt die 57-Jährige. Auch wenn es am Anfang sicher hart sei, sich auszutauschen, ihre Erfahrungen hätten gezeigt, dass regelmäßige Gespräche unter Betroffenen helfen können, so Kalfari-Hoff. Eltern, die sich gern mit Ulrike Kalfari-Hoff in Verbindung setzen würden, können sich unter der Telefonnummer (0 16 31) 45 23 86 bei ihr melden.

Von Alexander Walter

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