Informationsveranstaltung im Rathaussaal zu geplanten Baugrundstücken im Ortsteil Lindenthal

„Weiß, dass Sie unzufrieden sind“

Viele Einwohner von Lindenthal sowie weitere Interessierte waren am Dienstagabend in den Gardelegener Rathaussaal gekommen, um Details zu den Flächenverkaufsplänen zu erfahren.

Gardelegen. Nur einmal, da wurde es unruhig im Saal. Da rumorte es hörbar.

Da nämlich, als Konrad Fuchs, Gardelegens Bürgermeister und damit automatisch Vorsitzender der Vereinigten Hospitalsstiftung, spitz anmerkte, dass die Lindenthaler „dankbar dafür sein sollten, dass sie Jahre und Jahrzehnte billig Gartenland pachten konnten. “ Nämlich Flächen direkt neben ihren Grundstücken. Flächen, die die Stiftung nun verkaufen will. An Bauwillige.

Diese Äußerung von Fuchs ließen einige Anwesende nicht auf sich sitzen, konterten ebenso spitz, dass sie offenbar auch dankbar sein müssten, überhaupt die unbefestigten Wege im Gardelegener Ortsteil befahren zu dürfen. Die nämlich gehören ebenfalls der Stiftung. „Eine provokante Aussage“, gab Fuchs zu, sei sein Satz gewesen.

Insgesamt aber war das Fazit des Informationsabends am Dienstag im Gardelegener Rathaussaal: Es ging gesittet zu. Trotz höchst unterschiedlicher Auffassungen. Denn die Hospitalsstiftung will mehrere Flächen im Ortsteil Lindenthal verkaufen. Mit dem frisch eingenommenen Geld soll das Große Hospital an der Kreuzung Wollbrandtseck saniert werden. Dort wird bald das Dach gemacht. Aber eigentlich, so Fuchs, sei „eine Komplettsanierung“ unumgänglich. Das Problem: Die Hospitalsstiftung, seit mehr als 700 Jahren existent und immer noch mit einer Satzung aus dem 19. Jahrhundert ausgestattet, hat den Eigenanteil nicht. Also benötigt man baldmöglichst Geld. Geld, das durch die Flächenverkäufe hereinkommen soll. Damit könne man auch, so versuchte Fuchs die Lindenthaler für sich zu gewinnen, die bislang noch unbefestigten Wege im Ortsteil zu sanieren, Haken: Die Lindenthaler müssten einen Anliegerbeitrag von 90 Prozent zahlen.

Viele Lindenthaler sind gegen neues Bauland, sind gegen Flächenverkäufe. Weil sie diese Flächen teilweise als Gartenland gepachtet haben. Sollte es mit dem Verkauf – darüber hat der Gardelegener Stadtrat zu entscheiden – nichts werden, so Fuchs, dann wäre aber auch klar: „Wir würden künftig nicht mehr zu den bisherigen Preisen verpachten.“ Sondern zu „am Markt orientierten Preisen.“

Hannelore von Baehr, eine der drei von insgesamt sechs Stiftungsrats-Mitgliedern, die beim Info-Abend anwesend waren, ist strikt gegen Flächenverkäufe. Ziel der Stiftung müsse es sein, „Eigentum zu vermehren und nicht, Eigentum zu verkaufen“, erklärte sie. Ihr Fazit: „Hier werden Leute in Lindenthal enteignet.“ Was Fuchs wiederum zu der Bemerkung veranlasste. „Ich hätte auch gewusst, was ich sagen müsste, um hier Beifall zu erhalten.“ Für ihn war am Ende klar: „Ich weiß, dass Sie mit mir unzufrieden sind.“

Von Stefan Schmidt

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