Debatte „Wortwechsel Wolf – Wie viel Wolf verträgt die Altmark?“ mit vielen Forderungen

„Weder Panik noch Schönreden“

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Während der Debatte, die vom CDU-Stadtverband organisiert wurde, forderten die Redner unter anderem Habitate für den Wolf, Wolfsmanagement und gerechte Entschädigungen.

Gardelegen. „Es ist weder Panikmache noch Schönrederei angebracht“, sagte CDU-Landtagsabgeordneter Detlef Gürth in Bezug auf den Wolf am Mittwochabend während der vom CDU-Stadtverband veranstalteten Diskussion „Wortwechsel Wolf – Wie viel Wolf verträgt die Altmark?“

Detlef Gürth äußerte sich für die Änderung des Schutzstatus.

Er forderte zugleich, „dass wir mit Fakten zur Versachlichung des Themas beitragen müssen“. Außerdem erklärte der erste Redner der Debatte den anwesenden Politikern, Jägern sowie Bürgern im Gardelegener Schützenhaus, dass er sich ein Wolfsmanagement „zum Schutz der Menschen, der Nutz- und Haustiere“ wünsche. Zudem solle dieses Wolfsmanagement „einen Kontrollverlust vermeiden und einen Entschädigungsausgleich ermöglichen“.

Denn die Konflikte wachsen laut Detlef Gürth, die Wolfsattacken auf Nutztiere nehmen zu und „sorgen so für Verängstigung“. Zäune würden keinen ausreichenden Schutz bieten. „Der Wolf lernt, sich diese Nahrung zu holen.“ Denn die Jagd auf frei lebende Wildtiere stelle einen höheren Energieaufwand dar, als Tiere in eingezäunten Geländen zu erlegen. Außerdem wachse auch die Angst, „dass Haustiere von Wölfen attackiert werden“. Der CDU-Landtagsabgeordnete meinte anschließend, dass wenn es so weiter geht, es „irgendwann Attacken auf den Menschen gibt. Der Wolf ist schlau, er merkt, dass vom Menschen keine Gefahr ausgeht“.

Weiterhin kritisierte Detlef Gürth den Schutzstatus des Wolfes, dieser müsse geändert werden, was er anhand der sinkenden Zahl des Muffelwildes verdeutlichte: „Es kann nicht eine Art gegen eine andere ausgespielt werden.“ Demnach sei es wichtig, die Frage zu klären, „wie viele Wölfe erforderlich sind, um die Art zu erhalten“. Laut ihm gebe es darauf noch keine eindeutige Antwort. Neben dem veränderten Schutzstatus forderte der CDU-Landtagsabgeordnete, verschiedene Habitate für den Wolf einzurichten: Gebiete, in denen er jagdfrei leben kann, aber auch jene, in denen auf das Tier geschossen werden darf sowie Habitate, die wolfsfrei sind. „Denn der Wolf, der dennoch seine Berechtigung in Deutschland zu leben hat, siedelte sich hier wieder an“, wo er mittlerweile gar keine Habitate hab und sich unkontrolliert ausbreiten könne.

Dr. Hans-Heinrich Jordan forderte Bestandsbeobachtung.

Auch der zweite Redner, Dr. Hans-Heinrich Jordan, meinte, dass sich der Wolf „sehr schnell in zuvor nicht ansässigen Gebieten etabliert hat“. So gebe es laut des Präsidenten des Landesjagdverbandes Sachsen-Anhalt eine jährliche Zuwachsrate von 30 Prozent. Deswegen „fordern wir, dass die Bestände beobachtet werden und darüber informiert wird, was in den jeweiligen Revieren passiert, welche Entwicklungen es gibt.“

Er appellierte wie auch sein Vorredner an eine Veränderung des Schutzstatus. Kritisch sah er zudem den Umgang mit Problemwölfen. Denn da die Wölfe nicht markiert seien, könne nicht gesagt werden, ob dieses oder jenes Tier ein Problemwolf sei. Außerdem „müssen Landwirte und Weidetierhalter schnell, problemlos und gerecht bei Vorfällen mit dem Wolf entschädigt werden“.

Ulrich Brückner sagte, dass Wölfe ins Jagdrecht sollen.

Ulrich Brückner, Kreisjägermeister des Altmarkkreises Salzwedel, forderte eine Änderung des Jagdrechtes. „Wir brauchen den Wolf im Jagdrecht, nicht nur, damit dieser Respekt vor Waffen entwickelt“, erklärte er bei der Debatte, „es kann nicht sein, dass Tierarten dem Wolf als Abendessen geopfert werden.“ Er schloss sich der Meinung seiner Vorredner zum Thema Artenschutz an: „Wir Jäger haben nichts gegen den Wolf, aber etwas dagegen, das er im Artenschutz bevorzugt wird. Er hat dort einen Platz, aber ist nicht Priorität.“ Ebenso kritisierte der Kreisjägermeister die Arbeit des Wolfskompetenzzentrums Iden, wie beispielsweise bei der Registrierung von Wolfsrissen oder der Anzahl der Wölfe.

Sandra Hietel, Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, fragte daraufhin bei der anschließenden Diskussion, ob der Wolf nicht gechipt und so seine Anzahl erfasst und er besser kontrolliert werden könne. Das verneinte Hans-Heinrich Jordan. „Der Wolf steht unter Schutz, das wäre ein Eingriff in diesen Schutz.“ Außerdem sei es bei der großen Anzahl an Wölfen nicht möglich, weil „das Einfangen und wieder Freilassen schwierig ist.“

Unter den Anwesenden, die sich nach den drei gehaltenen Reden äußerten, war auch Kerstin Ramminger vom Kreisbauernverband Stendal. Sie merkte an, „das es nicht geht, dass wir uns so vom Wolf beeinflussen lassen“. Detlef Gürth appellierte abschließend, dass „wir jetzt etwas machen müssen“.

Von Ina Tschakyrow

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