Antimilitaristisches Camp plant vier Mahnwachen / Gestern Treffen am Letzlinger Bahnhof

„Was sollen wir mit denen reden?“

Mitglieder der „Geschichtswerkstatt Altmarkkreis Salzwedel“ veranstalteten gestern ein „Teach-In“ am Gedenkstein für die KZ-Häftlinge unweit des ehemaligen Bahnhofs in Letzlingen. Am Sonnabend planen die Antimilitaristen vier Mahnwachen. Foto: Schmidt

Letzlingen. Etwa 40 zumeist jugendliche Teilnehmer fanden sich am gestrigen Nachmittag am Gedenkstein für die Opfer der Todesmärsche vom April 1945 am ehemaligen Letzlinger Bahnhof ein.

Dort endete einer der Züge mit KZ-Häftlingen, die dann zu Fuß nach Gardelegen getrieben und am 13. April 1945 in der Feldscheune Isenschnibbe umgebracht worden sind. Mitglieder der erst vor wenigen Monaten ins Leben gerufenen „Geschichtswerkstatt Altmarkkreis Salzwedel“ initiierten dieses Treffen, an dem auch Bewohner des „Antimilitaristischen Camps“ bei Potzehne mitmachten. Im Anschluss ging es auf den Letzlinger Friedhof, zu den Gedenksteinen für die damaligen getöteten Häftlinge.

In den nächsten Tagen, bis zum geplanten „Aktionstag“ am Sonnabend, bleiben die Kriegsgegner weitgehend unter sich. Es wird vermutlich zu keinem direkten Kontakt zwischen den Antimilitaristen und der Bundeswehr kommen. Im Camp selbst, wo Fotografieren grundsätzlich verboten ist und sich im Eingangsbereich eine 24-Stunden-Wache befindet, die alle herein- und herausfahrenden Fahrzeuge registriert, gibt es heute, morgen und am Donnerstag Thementage. In verschiedenen Workshops soll es unter anderem um die Zukunft des Antimilitarismus sowie um Informationen zu Drohneneinsätzen in Afghanistan gehen. Besucher sind zwar willkommen. Aber nicht jeder. So sind Uniformierte, speziell Bundeswehrsoldaten, unerwünscht. „Was sollen wir mit denen auch reden?“, so Camp-Sprecher Torsten Grabbert, der sich in diesem Jahr das Pseudonym „Farin Skamp“ gegeben hat. „Wir kämen ohnehin nicht auf einen Nenner.“ Die Bundeswehr würde solche Kontakte „für sich vereinnahmen, und wir stehen dann ziemlich doof da.“ Genau dies wolle man verhindern. Zumal man keinen sonderlichen Drang verspürt, mit Personen zu sprechen, die „die Tötung und Verletzung von Menschen vorbereiten“. Das, was die Bundeswehr betreibe, sei „Gewalt pur.“

Dagegen sei das, was die Camp-Teilnehmer unter dem Moto „War starts here“ („Der Krieg beginnt hier“) am Sonnabend, 27. Juli, also am „Aktionstag“ planen, keine Gewalt. Es könne sein dass einige der Demonstranten auf den Truppenübungsplatz gehen würden, „um die dortigen Anlagen in Augenschein zu nehmen“, wie es Grabbert ausdrückt. Es gebe „das Bestreben, seinen Widerstand auszudrücken“. Möglicherweise auch, indem Gebäude oder Fahrzeuge mit rosa Farbe besprüht werden. Wer dies ernsthaft als Gewalt bezeichne, „bei dem fehlt die Relation“.

Und die Polizei? Dass behauptet wird, beim „Aktionstag“ vor Jahresfrist hätten Demonstranten Brandsätze an einem Feuerlöscher befestigt, hält Grabbert für „polizeiliche Hetze. Wir sehen uns diffamiert.“ Und: „Wir glauben der Polizei nicht.“ Dass im Vorjahr die 300 Camp-Bewohner insgesamt 700 Mal von der Polizei kontrolliert worden seien, sei ebenfals ein Unding. „So stellen wir uns das freie Land, in dem wir leben, nicht vor.“

Die jüngst geäußerte Bemerkung des GÜZ-Leiters Oberst Gunter Schneider, die Bundeswehrsoldaten seien im Hochwassereinsatz an der Elbe gewesen, die Antimilitaristen wohl eher nicht, entgegnet Grabbert: „Ich selbst habe auch mitgeholfen.“ Und dass die Soldaten an der Elbe gewesen seien, sei auch „eine Werbekampagne“ der Bundeswehr gewesen. Er plädiert dafür, solche Hilfseinsätze generell zu machen. „Wie wäre es, wenn man die 100 Millionen Euro, die für die Übungsstadt Schnöggersburg ausgegeben werden, stattdesen dem THW und der Feuerwehr zur Verfügung stellen würde?“ Das wäre doch wirkliche Katastrohenhilfe, ist sich der Camp-Sprecher sicher.

Am Sonnabend, wenn die Antimilitaristen zum „Aktionstag“ aufrufen, soll es rund um den Truppenübungsplatz Mahnwachen geben. Und zwar an der Salchauer Straße in Letzlingen, in Dolle, in Haldensleben und nach dem Willen der Demonstranten auch direkt vor der Kaserne an der Heidestraße bei Planken.

Doch diese Heidestraße ist ab Donnerstag gesperrt, wogegen das Camp beim Oberverwaltungsgericht klagt. „Ich bin mir sicher, dass wir zweitinstanzlich gewinnen werden“, so Grabbert. Also plane man weiterhin eine solche Mahnwache auch auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes, was in Planken der Fall wäre.

Von Stefan Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare