Thema während des vierten Altmärker Lehrertages für Religions- und Ethiklehrer

„Was bringt die Zukunft?“

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Religions- und Ethiklehrer von sämtlichen Schulformen nahmen am vierten Altmärker Lehrertag im evangelischen Gemeindezentrum in Gardelegen teil und verfolgten die Podiumsdiskussion.

lam Gardelegen. „Was bringt die Zukunft?“ Diese große Frage, auf die es nicht nur eine Antwort gibt, stand am Mittwoch im Gardelegener Gemeindezentrum am Aschberg im Mittelpunkt.

Dort fand der vierte Altmärker Lehrertag für Religion und Ethik zum Thema „Zukunftsängste und Zukunftshoffnungen von Kindern und Jugendlichen“ statt, der wieder vom Pädagogisch-Theologischen Institut (PTI) der Evangelischen Landeskirche Anhalt in Drübeck sowie den Religionslehrern Kerstin Finger, Klaudia Falk und Rainer Lampe in Zusammenarbeit mit den Kirchenkreisen Salzwedel und Stendal organisiert wurde.

Und dabei wurde schon bei den einleitenden Worten von PTI-Leiter Dr. Matthias Hahn sowie seinem Dozentenkollegen Steffen Weusten deutlich, dass zum einen sich schon jüngere Kinder mit den großen und kleinen Fragen des Lebens und ihrer Zukunft wie „Muss ich mich wirklich ganz allein zurechtfinden?“ und „Passt eigentlich da oben jemand auf mich auf?“ beschäftigen – Hahn hatte dazu das Kinderbuch „Gewitternacht“ von Michèle Lemieux mitgebracht. Und dass zum anderen Kinder heute laut der Shell-Jugend-Studie, die Weusten vorstellte, weniger Angst vor der Zukunft haben als früher und diese Ängste mehr im Osten zu spüren seien.

Hatten die Zukunft der Jugend im Blick (von links): Thomas Trüe, Steffen Weuster, Dr. Matthias Hahn und Madleen Kauer. 

Warum das so sein könnte, wurde nach vier Workshops zum Thema bei der nachmittäglichen Podiumsdiskussion besprochen, die Matthias Hahn moderierte. An dieser nahmen neben Steffen Weusten Tischlermeister Thomas Trüe aus Miesterhorst, die Berufsberaterin in den Sekundarschulen Gardelegen, Mieste, Kalbe und Klötze, Madleen Kauer, die Schülersprecherin der Gardelegener Karl-Marx-Schule,Sarah Ziegenbalg, und Propst Christoph Hackbeil teil. Und dabei stand zunächst die berufliche Zukunft im Mittelpunkt. Macht diese den Jugendlichen Angst? Eigentlich nicht, war den Worten Sarah Ziegenbalgszu entnehmen. Wie die Zehntklässlerin sagte, seien einige von ihnen diesbezüglich sehr motiviert. Sie auch. Denn sie weiß genau, wie es nach dem Schulabschluss weitergehen soll. Andere dagegen lassen alles auf sich zukommen. Und wenn man nichts finde, „dann gibt es eben Hartz IV“, so die Meinung derjenigen. Diese Aussage verblüffte Propst Hackbeil, der nachfragte, ob diese auseinanderklaffende Schere schon in diesem Alter ausgeprägt sei. Sarah bestätigte das. Und auch Madleen Kauer berichtete, dass manche Schüler wirklich sehr motiviert und engagiert seien, andere dagegen „nehmen es gechillt“. Denn sie wissen, dass die Gesellschaft sie auffängt. Es gebe viele Möglichkeiten, Angst vor der Zukunft haben sie deshalb nicht. Und was sie festgestellt habe: Auch der Einfluss der Elternhäuser bei der Berufswahl sei entscheidend. Was einem vorgelebt wird, das prägt.

Dass die Ausbildung – vor allem im Handwerk – bei Jugendlichen nicht so hoch im Kurs steht, erklärte auch Tischlermeister Trüe. Früher gab es in jedem Jahr fünf bis acht Bewerbungen, heutzutage mal eine in fünf Jahren. Deshalb finde er Praktika zum Reinschnuppern in den jeweiligen Beruf gut. Es sei dann zwar auch ein Mehraufwand, um es für den Jugendlichen auch erfolgreich zu gestalten, aber nur so könne Nachwuchs gewonnen werden.

Auch die Zukunft der Jugendlichen in der Altmark, also auf dem Land, wurde thematisiert. Das Fazit daraus: Sie müssen sich vor Ort gebraucht fühlen. Und es muss Angebote für sie geben. Festhalten könne man aber niemanden. Zudem gewinnt Heimat meist erst in späteren Jahren an Bedeutung, wenn man eigene Familien gründen möchte. Dazu müsse aber die Grundversorgung für Jung und Alt auf dem Land und im Dorf stimmen, die, so die Meinung aus dem Publikum, bald nicht mehr gegeben sei. „Dörfer werden totgemacht“, so die drastische Bilanz angesichts erfolgter und geplanter Kita- und Schulschließungen. Und damit das nicht geschieht, sei laut Hackbeil auch die Kirche künftig mehr gefordert. Denn die diakonische Struktur in der Altmark sei unterentwickelt.

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