Mehrfache Anschuldigungen der AfD gegen Einrichtung wegen „extremistischer Tendenzen“

„Haltlose Vorwürfe“ gegen Gardelegener Jugendclub

Der Eingang des Gardelegener Jugendclubs „Mood“ ist zu sehen.
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Vorwürfe gegen den Jugendclub „Mood“ in Gardelegen gab es seitens der AfD schon mehrfach, die aber alle widerlegt werden konnten.
  • Ina Tschakyrow
    vonIna Tschakyrow
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AfD-Mitglied Sebastian Koch äußerte im Hauptausschuss am Dienstag den Vorwurf von „extremistischen Tendenzen“ an den Gardelegener Jugendclub „Mood“. Schon mehrfach gab es solche Anschuldigungen, die schon mehrfach widerlegt wurden.

Gardelegen – Den Vorwurf, dass es „extremistische Tendenzen“ im Gardelegener Jugendclub „Mood“ gebe, machte AfD-Mitglied Sebastian Koch im Hauptausschuss am Dienstag. In der Vergangenheit soll es entsprechende Konzerte in der Einrichtung gegeben haben, warf Sebastian Koch weiter vor, weswegen das Thema bereits im Kreistag war, erklärte er.

Das seien „haltlose Vorwürfe“ sagt Ralf Böse, geschäftsführender Vorstand des Gardelegener Jugendförderungszentrums (JFZ), zu dem der Jugendclub gehört, auf Nachfrage der Altmark-Zeitung. Das JFZ werde keine „extremistischen Tendenzen zulassen oder fördern“, verdeutlicht Ralf Böse und ergänzt: „Wir setzen uns dafür ein, soziale Benachteiligungen auszugleichen und verhalten uns grundlegend offen und menschenfreundlich“. Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft und die individuelle eigene Meinung im Jugendclub sind irrelevant, denn „bei uns stehen die Jugendlichen mit ihren Interessen, gegebenenfalls ihren Neigungen oder Problemen im Mittelpunkt. Den Jugendclub sehen wir als freien Anlaufpunkt für aufgeklärte selbstbewusste Jugendliche mit unterschiedlichen Interessenslagen“.

Solche Vorwürfe gab es bereits mehrfach, informiert Ralf Böse weiter. Beispielsweise über Facebook-Kommentare von Sebastian Koch in den Jahren 2017 und 2018 und beim Jugendhilfeausschuss im vergangenen Oktober. Es gab Anschuldigungen, dass „andere gesellschaftliche Gruppen benachteiligt würden und der Jugendclub einseitig politisch ausgerichtet sei. Zugleich schwingt die Unterstellung eines unkorrekten Vorgehens oder gar rechtswidrigen Handelns mit“, steht in einer Stellungnahme von Ralf Böse. Weiterhin wurde behauptet, dass „fachliche Standards oder Arbeitsweisen ideologisch aufgeladen seien“. Auf diese Vorwürfe gab es einen Termin mit dem Jugendamt. „Wir haben bei dieser Gelegenheit dazu ausführlich Stellung bezogen und dies im Nachgang auch schriftlich hinterlegt“, erklärt Ralf Böse. In der Stellungnahme schreibt er, dass mit den Angeboten unter anderem „soziale Gerechtigkeit entwickelt und Fairness in der Gesellschaft ermöglicht“ werden. Ralf Böse sagt weiter, dass seitens des JFZ diese Vorwürfe „auch einer fachlichen Hinterfragung unterzogen“ und bestimmte Konsequenzen gezogen wurden. Er nennt als Beispiel, dass Konzerte nur nach vorheriger Prüfung stattfinden, wobei kontrolliert werde, ob Bands auf einem Index bezüglich gewaltverherrlichender oder sexistischer Texte stehen. Das wurde damals auch veranlasst und „hat ergeben, dass dies nicht so ist“, teilt Ralf Böse weiter mit: „Auch die anderen Vorwürfe konnten wir entkräften oder als nicht haltbar oder aus dem Zusammenhang gerissen, definieren.“

In einem Schreiben teilte Landrat Michael Ziche im Oktober mit, dass „insbesondere das Selbstbild des Trägers linksextreme Strukturen oder antidemokratisches Wirken nicht erkennen“ ließe.

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