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Autofahrerin kommt im Amtsgericht Gardelegen um Führerschein-Entzug herum

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Von: Stefan Schmidt

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Straßenkreuzung mit Autos
Die Kreuzung ist ein Unfallschwerpunkt. © Stefan Schmidt

Eine Frau aus Gardelegen wurde binnen zwei Wochen zweimal geblitzt.

Gardelegen – Irgendwann wurde es dem Richter zu bunt. „Das, was Sie hier ausführen“, so Axel Bormann am Gardelegener Amtsgericht am Freitagvormittag, „sind doch nur Petitessen.“ Er blickte zur Anwältin, die eine Frau aus Gardelegen vertrat, und ergänzte: „Ich verstehe ja, dass Sie für ihre Mandantin kämpfen.“ Und es tue ihm auch „leid um ihre Autofahrerin“. Doch die Fakten sprächen für sich.

Die Fakten im Bußgeldverfahren waren: Die 45-Jährige wurde im vergangenen Sommer zweimal geblitzt. Beide Male auf der Ackendorfer Landstraße in Höhe der Umgehungstraßen-Auffahrt. Dort gilt 50 km/h. Und, wie der als Zeuge aussagende Polizist ausführte: Es handele sich um eine „Kreuzung mit erhöhter Unfallgefahr“, wo es in den vergangenen Jahren schon mehrere Schwerverletzte gegeben habe. Deswegen werde dort regelmäßig –es gab am 15. Juli 2015 dazu eine Anordnung des Kreises – kontrolliert.

So auch am 14. Juli abends um 18.24 Uhr. Da wurde die Unternehmerin aus Gardelegen mit 96 Stundenkilometern und damit fast doppelt so schnell wie erlaubt gemessen. Knapp zwei Wochen später, am 27. Juli um 16.25 Uhr, erneut, diesmal „nur“ mit 76 km/h. Die Folge: Für die 96-km/h-Fahrt sollte es ein Bußgeld von 160 Euro und dazu einen Monat Fahrverbot geben. Genau dagegen ging die Anwältin an, die mehrfach versuchte, das Messverfahren der Polizei in Frage zu stellen.

Denn es soll laut Erlass des Landes „grundsätzlich“ nicht unter 100 Meter nach einem Ortseingangsschild oder einem Geschwindigkeitsbegrenzungsschild geblitzt werden, sondern weiter dahinter. Es heiße aber „grundsätzlich“, so der Richter – Ausnahmen seien möglich. Und die Ackendorfer Landstraße, pflichtete der Polizist bei, sei wegen der Unfallhäufigkeit eine solche Ausnahme. Und generell gelte, betonte der Richter: „Die Geräte sind gut,“ die dort gemessenen Werte zuverlässig.

Am Ende kam die Frau, die rund zehn Angestellte hat und „auf ihr Auto angewiesen ist“, wie die Verteidigerin erläuterte, und vorher noch nie im Straßenverkehr auffällig geworden war, ohne Fahrverbot davon. Stattdessen erhöhte sich das Bußgeld um das Dreifache auf nun 480 Euro, sollte die – nicht anwesende – Staatsanwaltschaft diesem Urteil zustimmen. Bormann wies darauf hin, dass ab sofort „zwei Jahre lang ein Damoklesschwert“ über dem hänge – so lange mindestens darf sie nicht nochmal in eine Radarfalle tappen. „Ich werde ab sofort vorsichtiger fahren“, versprach die sichtlich erleichterte Frau.

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