Schriftsteller Wladimir Kaminer las unter freiem Himmel auf Gut Zichtau

Über Klopapier und eine erkältete Kröte

Mann gibt Autogramme
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Wladimir Kaminer gab auch Autogramme.
  • VonWolfram Weber
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Unter freiem Himmel las Schriftsteller Wladimir Kaminer am Donnerstagabend auf Gut Zichtau.

ichtau – Wie nicht anders zu erwarten war, lockte die Lesung mit Wladimir Kaminer am Donnerstagabend viele Besucher in den Zichtauer Gutshof. Das Publikum kam nicht nur aus der Altmark, sondern auch aus dem benachbarten Niedersachsen.

Als Wladimir Kaminer winkend die Bühne betrat, startete ein kurzweiliger Abend, der die Lachmuskeln des Publikums voll beanspruchte. Mit Witz und Ironie widmete sich das Allround-Talent mit dem Schalk im Nacken den Irrungen und Wirrungen der heutigen Zeit. Diverse Steilvorlagen liefern die unterschiedlichsten Corona-Bestimmungen.

Vergessene Passwörter

Eigentlich wollte der Autor sein letztes Buch vorstellen, „Der verlorene Sommer. Deutschland raucht auf dem Balkon.“ Doch los ging es erst einmal mit der Zeit vor Corona. Da hat Wladimir Kaminer das Buch „Rotkäppchen raucht auf dem Balkon“ geschrieben. Hierin schildert er den unfreiwilligen Besuch von Enkeln bei der Oma. Denn Enkel gehen nur im Märchen freiwillig zur Oma, wusste der Autor zu berichten. Kompliziert wird es, wenn die Oma das ausrangierte Smartphone der Enkel übernimmt. So war es auch bei der 90- jährigen Mutter von Wladimir Kaminer. Immer wieder kam bei diversen Apps die Aufforderung „Frag Deine Eltern, ob Du das darfst“. Nun wurde Wladimir Kaminer „bildlich“ zum Vater seiner eigenen Mutter. Doch vergessene oder verlegte Passwörter sorgen für Trubel in der Familie.

Humorvolle Vergleiche

Im nächsten Teil ging es um das Buch „Deutschland raucht auf dem Balkon“, welches das erste einer Trilogie sein soll. Deutschland ist irritiert von leeren Supermarktregalen, die in Russland noch heute Alltag sind. Immer wieder zieht der Autor humorvoll Vergleiche zwischen Deutschland und Russland, zwischen Anspruch und Realität in beiden Ländern. So wissen die Russen genau, welche Zeitungen sie nehmen können, wenn es kein Toilettenpapier gibt, allerdings nicht die erste Seite, da ist zu viel Farbe drauf. In China soll ja eine erkältete Kröte auf eine halbtote Fledermaus geniest haben, wodurch das Virus entstanden ist.

In der Pause bildete sich eine lange Schlange am Büchertisch. Wladimir Kaminer signierte Bücher und CDs, wenn gewünscht auch mit Widmung, Vierzeiler oder auf russisch. Die Menschen dankten ihm für den lockeren, humorvollen Umgang mit der Krise. Natürlich lief jetzt Musik von der neuen CD, die Wladimir Kaminer mit seiner Band aufgenommen hat.

Weltuntergang

Nach der Pause widmete sich der Autor seinem neuesten Werk, dem zweiten Band der Trilogie „Wellenreiter“, das im Herbst erscheinen soll. Hierin hat Wladimir Kaminer seine Erlebnisse während des Drehs zur Dokureihe „Der verlorene Sommer“, die demnächst auf 3sat läuft, verarbeitet. Es geht zum Beispiel um die Prozessionsspiele oder um zwei Zeugen Jehovas, die er auf einem Bahnhof trifft. Als dort auf einem TV-Bildschirm „Corona News“ erscheinen, sehen sie den Weltuntergang kommen und fragen Kaminer: „Glauben sie jetzt an Gott?“. Es geht aber auch um eine japanische Touristengruppe, die das Schloss Neuschwanstein besucht, was so unwirklich erscheint, als gebe es Corona nicht mehr.

Nach etwa zwei Stunden endete ein toller Abend, der dem Publikum wie dem Autoren gleichviel Freude bereitet haben dürfte.

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