Lesung mit Orgelunterstützung über Paul Gerhardt in Letzlingens Schlosskirche

Volkstümliche Schlichtheit

Lebensläufe sind dröge? Keinesfalls! Antje und Martin Schneider verstanden es, dem Publikum unterhaltsam und informativ die Biografie Paul Gerhardts näher zu bringen.
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Lebensläufe sind dröge? Keinesfalls! Antje und Martin Schneider verstanden es, dem Publikum unterhaltsam und informativ die Biografie Paul Gerhardts näher zu bringen.

Letzlingen. Pfarrer Gerd Hinke begrüßte Antje und Martin Schneider aus Berlin und Gabriele Müller, die an der Orgel Platz genommen hatte, am Freitagabend in der Letzlinger Schlosskirche.

Hier fand im Rahmen des Letzlinger-Roxförder Musiksommers 2014 unter dem Titel „Paul Gerhardt: Mein Herze geht in Sprüngen. . . “ eine musikalisch begleitete Lesung statt.

Trotz des herrlichen Wetters hatten zahlreiche Besucher den Weg in die Kirche gefunden, um sich anzuhören, was das Ehepaar Schneider über den Verfasser von 138 Liedern und Chorälen, Paul Gerhard (1607 – 1676), zu berichten weiß. „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, dieses populäre Kirchenlied stammt aus der Feder Gerhardts und wurde, passend zur Jahreszeit, zur Begrüßung gesungen. Antje Schneider stammt aus Finsterwalde und arbeitete nach einer Buchhändlerlehre beim Rundfunk und der Deutschen Schallplatten GmbH in Berlin. Der gebürtige Merseburger Martin Schneider studierte Germanistik und Musikwissenschaft in Halle und war als Opernregisseur und Professor für szenischen Unterricht an der Hochschule für Musik Hans Eisler in Berlin tätig. Die Organistin Gabriele Müller hat in Berlin Musik studiert und besitzt Staatsexamen und Diplome für Klavier, Musikpädagogik und -theorie. Seit 1989 ist sie freischaffende Korrepetitorin mit Lehrauftrag an den Hochschulen Hans Eisler Berlin und Carl Maria von Weber in Dresden.

Älter als 40 Jahre musste Paul Gerhardt werden, bevor er seine erste Pfarrstelle in Mittenwalde bei Berlin antreten konnte. Bis dahin studierte er in Grimma und Wittenberg und arbeitete als Hauslehrer. Detailreich und unterhaltsam berichteten die Schneiders aus dem ereignisreichen Leben Gerhardts, dessen Liedtexte volkstümliche Schlichtheit und religiöse Innigkeit transportieren. „Ein frisches Verhältnis zur Natur und den kleinen Freuden des Alltags in künstlerisch und zugleich volksliedhafter Einfachheit“ bescheinigt das Deutsche Schriftstellerlexikon dem Dichter und Theologen Paul Gerhardt. Viele seiner Lieder sind heute weltweit in den Gesangbüchern zu finden.

Die Organistin faszinierte mit ihrem hochvirtuosen Spiel zwischen den gelesenen Szenen und unterstrich mit Stücken von Buxtehude, Brahms, Mendelssohn-Bartholdy und anderen Meistern die Wirkung der Worte.

Zum Abschied gab es herzlichen Applaus vom Publikum und wie immer ein kleines Präsent zum Abschied von Pfarrer Hinke. Er lud die Gäste herzlich zum nächsten Sommerkonzert mit „Fahrradkantor“ Martin Schulze am 8. Juli ein.

Von Frank Olvermann

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