Andreas Berbig vom Wolfskompetenzzentrum Iden informierte über Wölfe

Vier Wolfsrudel rund um Gardelegen

Ein Wolf im Wald
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Ein Wolf im Wald
  • Ina Tschakyrow
    vonIna Tschakyrow
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Im Nordosten von Sachsen-Anhalt gibt es besonders viele Wölfe. Vier Rudel leben rund um Gardelegen. Mit den Wölfen nehmen auch die Nutztiervorfälle in der Einheitsgemeinde zu.

In Sachsen-Anhalt gibt es 21 Wolfsterritorien, 19 Rudel und zwei Paare sowie vier weitere Rudelterritorien, die in andere Bundesländer übergehen, informierte Andreas Berbig, Leiter des Wolfskompetenzzentrums Iden. Er teilte weiter mit, dass es vor allem im Nordosten Sachsen-Anhalts Wölfe gibt. Alle Tiere zu erfassen, sei schwer, aber die Kollegen würden intensiv daran arbeiten, sagte Andreas Berbig am Montagabend im Ausschuss für Bau- und Ordnungsangelegenheiten, zu dem er eingeladen wurde, um über den Wolf in der Altmark zu informieren.

Es gibt ein Rudel im Zichtauer und Klötzer Forst. Das Revier erstreckt sich von Klötze über Zichtau fast bis zur B 188 bei Gardelegen, wie auf Kartenmaterial sichtbar wurde. Ein Territorium ist etwa 100 bis 200 Quadratkilometer groß. Drei weitere Rudel leben in der Colbitz-Letzlinger Heide. Auch dort gebe es, erklärte Andreas Berbig, mehrere Nachweise, dass dort Wölfe leben. Ob diese drei Rudel zum Problem werden könnten, fragte Fabian Prochorowsky nach. Andreas Berbig erklärte, dass das die Wölfe untereinander regeln. Hierzu wollte Gustav Wienecke auch wissen, ob es eine Grenze für die Anzahl der Wölfe bzw. Rudel in einem Gebiet gibt und ab wann ein Abschuss möglich ist. Dazu erklärte Andreas Berbig, dass sich der Wolf hier selbst angesiedelt habe. Die Jagd auf den Wolf ist nicht erlaubt, wie mit der Natura 2000 festgelegt wurde. Wenn deren Ziele erreicht sind, die Population stabil ist, dann könne neu darüber entschieden werden, ob der Wolf geschützt wird oder nicht.

Geschossene Wölfe werden angezeigt

In Sachsen-Anhalt gab es 70 Totfunde von Wölfen, darunter auch illegale Abschüsse, wie beispielsweise vor wenigen Wochen bei Vienau (AZ berichtete), die auch immer zur Anzeige gebracht werden, sagte Andreas Berbig.

Laut ihm nehmen die Nutztierübergriffe zu. Im Zeitraum 2017 bis 2020 gab es 28 Übergriffe, dabei wurden 110 Tiere getötet. In der Zeit von 2014 bis 2021 wurden die Nutztiervorfälle in der Gardelegener Einheitsgemeinde gemeldet. Sie ereigneten sich in Jeggau, Gardelegen, Mieste, Kassieck, Kloster Neuendorf, Berge, Seethen, Lindstedt und Potzehne. Insgesamt gab es 18 Vorfälle, wobei 34 Tiere, darunter Schafe, Rinder und Gehegewild getötet wurden. Der letzte gemeldete Vorfall war vor wenigen Tagen. Am 23. Mai wurden zwei Schafe bei Kloster Neuendorf getötet. Neun Schafe wurden am 4. März 2019 bei Seethen getötet. Bei den meisten Nutztiervorfällen wurde ein Tier getötet.

Förderung für Schutzmaßnahmen

Die Nutztierübergriffe können verhindert werden, was aber Geld koste, so Andreas Berbig. Es gebe aber Förderung für Herdenschutzmaßnahmen. Zuwendungsfähig ist der Erwerb von mobilen Elektrozäunen zum präventiven Schutz von Schafen, Ziegen und Gehegewild sowie Rindern und Pferden mit Jungtieren sowie kleinen Rinder- und Pferderassen in Gebieten mit wiederholten Wolfsübergriffen. Eine Förderung können Tierhalter im Haupt- und Nebenerwerb sowie Hobbyhalter bekommen. Neu in diesem Jahr, so der Leiter des Wolfskompetenzzentrums Iden weiter, ist die Förderung der Betriebskosten zur Unterhaltung der Weidezäune und die Unterhaltskosten für Herdenschutzhunde. Über solche Möglichkeiten müsse mehr informiert werden, sagte Sieghard Dutz: „Es muss mehr präventive Arbeit geleistet werden“.

Peter Wiechmann, der als Vertretung von Daniel Läsecke im Ausschuss war, merkte an, dass der Wolf auch in die Natur eingreife. So gebe es beispielsweise kein Muffelwild mehr. Ein anwesender Einwohner merkte an, dass über eine Fotokamera im Wald Wölfe gesehen wurden, die die Räude hätten, was laut ihm für zu viele bzw. zu große Rudel stehe. Andreas Berbig erklärte, dass es immer wieder Vorfälle mit Räude gebe und „aus unserer Sicht ist das die Natur und kein Zeichen dafür, dass die Dichte zu hoch ist“.

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