Viele wollen in Deutschland studieren

Galina Somnisor aus der Republik Moldau kam mit Jacob Schoster und Timo Stephani aus Gardelegen ins Gespräch und wollte vieles wissen.

Zichtau. Am Vormittag arbeiteten sie bei deutlich über 30 Grad im Schatten und pflegten die Gräber auf der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe in Gardelegen (wir berichteten). Am Nachmittag gab es für sie in Zichtau eine individuelle Freizeitbeschäftigung, bei der einige der jungen Menschen ins kühle Nass des Waldbades sprangen.

Geschafft vom Tag, trafen sie am Abend auf die Rotarier und junge Gardelegener, die mit den Gästen ins Gespräch kamen. Christoph Schlüsselburg, Helmut Jachalke und Heinz Baldus kamen allerdings beim Grillen richtig ins Schwitzen. Sie kümmerten sich um die 500 Gramm schweren Riesensteaks namens Schwenkbraten. Für die Rotarier um ihren Präsidenten Ulf Ulrich ist es eine Selbstverständlichkeit, sich an solchen Aktionen zu beteiligen. Dies taten sie nicht nur finanziell, sondern auch mit der schweißtreibenden Arbeit am Grill.

Der Kreisvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Dr. Hans-Joachim Becker, der bereits am Morgen auf die Jugendlichen des Camps traf und sie über die Gedenkstätte führte, bedankte sich bei allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit und besonders bei den Jugendlichen für ihr Engagement. Der Volksbund hatte dieses Camp für die Jugendlichen aus acht europäischen Ländern organisiert. In seiner Ansprache am Abend betonte Becker, dass das Grundanliegen der Frieden und die Völkerverständigung ist.

Campleiter Philipp Brandes übersetzte die Worte Beckers kurz ins Englische und brachte es kurz und knapp auf den Punkt: „Work for peace is very important“ – Arbeit für den Frieden ist sehr wichtig.

Alle Jugendlichen, die gutes bis sehr gutes Deutsch sprachen, waren sich einig, dass die Arbeit zu diesem Camp dazugehört, die Gemeinschaft mit vielen Nationen jedoch sehr wichtig für sie ist. Interessant waren vor allem die Gespräche der Jugendlichen aus Polen, Moldawien, Italien, Russland, Ukraine, Lettland und Serbien. So war zu erfahren, dass der 17-jährige Jakub Ciéslewicz aus Posen nach sechs Jahren in der Grundschule drei Jahre das Gymnasium besuchte und nun nach den Sommerferien in die zweite Klasse der Liceum kommt – wenn er dann nach der dritten Klasse seinen Abschluss in der Tasche hat, ist er befähigt zu studieren.

Sein Traum ist es, Architekt zu werden, wobei er gerne in Deutschland studieren würde. Sprachlich hätte er auch nach sieben Jahren Deutsch in der Schule keine Probleme, die Dozenten zu verstehen. Neben dieser Sprache interessiert er sich noch für Mathematik und Physik sowie für das Radfahren. In seinen Wünschen blieb er Bescheiden: „Klamotten und Bücher wünsche ich mir“, so der Posener. „Der Pool und der Ferienpark sind sehr cool“, berichtete er ganz locker seinen Mitstreitern.

Sehr gutes Deutsch sprach auch seine Landsfrau, die 16-jährige Joanna Malinska. Auch sie kann sich vorstellen, später in Deutschland zu arbeiten, fühlt sich in ihrer Heimat aber wohl und möchte dort ihrem Hobby, der Rhythmik, nachgehen. Dies erlernt sie neben dem Piano an der Musikschule nebenbei und ist somit später befähigt, auch im kinderpädagogischen Bereich tätig zu sein und Rhythmik zu lehren. Auf die Idee, das Camp zu besuchen, ist sie durch ihren Vater gekommen. Dieser ist Deutschlehrer und hat ihr empfohlen, in Deutschland auch praktische Erfahrungen zu sammeln.

Dies tat sie auch und verblüffte am Abendbrottisch mit ihrem Zauberwürfel, den sie in Windeseile wieder in die Richtige Farbkombination brachte.

Eine interessante Geschichte hatte auch Galina Somnisor aus der Republik Moldau zu erzählen. Die 21-jährige ist wie die meisten Campteilnehmer Studentin. Bevor sie aber dazu kam, war sie sechs Monate bei der Armee ihres Landes. „Der Job ist sehr hart. Ich habe mit 25 Männern zusammengearbeitet.“ Sie hat es in dieser Zeit geschafft, sich durchzusetzen und ist bereits Leutnant. Als zukünftige Deutsch- und Französischlehrerin wollte sie Erfahrung in der Bundesrepublik sammeln und tat dies nun über den Volksbund.

Viele weitere Geschichten wurden erzählt und der Abend klang spät aus.

In den nächsten Tagen ist nun die Freizeitphase des Camps, welches in Magdeburg stationiert ist. Am Wochenende soll es ein kleines Volleyballturnier geben. Ebenfalls soll Braunschweig, die Heimatstadt des Campleiters, besucht werden, da diese historisch viel zu bieten hat. Auf dem Weg dorthin gibt es eine Führung in Marienborn, um den Teilnehmern die deutsche Geschichte und die Jahre der deutschen Teilung näher zu bringen. Höhepunkt wird die Fahrt in die Hauptstadt sein. In Berlin soll dann, wie bei jedem Camp, das in Magdeburg stattfindet, das Holocaust-Mahnmal besucht werden.

Nach zwei spannenden Wochen trennen sich dann die Wege erst einmal, die vielen schönen Erinnerungen und neue Freundschaften werden aber erhalten bleiben.

ZICHTAU (mal). Ein internationales Treffen der besonderen Art fand im Zichtauer Ferienpark statt. Die Gardelegener Rotarier organisierten einen Grillabend für mehrere Jugendliche aus ganz Europa. Diese sind gerade bei einem Workcamp vom Bund deutscher Kriegsgräberfürsorge aktiv.

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