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„Verstehe die ganze Diskutiererei nicht“

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Vertreter des Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasiums um ihren Leiter Dietmar Collatz (links) warteten während der Sitzungspause gespannt auf die Abstimmung.Fotos (3): Schmidt

Gardelegen - Von Stefan Schmidt. Die Wahrscheinlichkeit, dass auf dem Gelände des Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasiums eine Freilichtbühne gebaut wird, ist seit Montagabend gestiegen. Der Stadtrat nahm eine Mitteilungsvorlage zur Kenntnis (wir berichteten), auch wenn einige Abgeordnete vor allem mit der Verfahrensweise erhebliche Bauchschmerzen hatten.

Die Spannung war greifbar, als Hartmut Krüger, Gardelegens Stadtrats-Vorsitzender, eine zehnminütige Unterbrechung ankündigte. Die einzelnen Stadtrats-Fraktionen mögen sich nochmal beraten, erklärte er. Und so bildeten sich am Montagabend im Gardelegener Rathaussaal mehrere Menschentrauben: Die SPD beriet, die CDU diskutierte, die Linke sowieso, und auch die beiden FDP-Männer Alfred Fischer und Andreas Haack unterhielten sich.

Es ging um die geplante Freilichtbühne am Geschwister-Scholl-Gymnasium. Und war dort, wo derzeit noch die ehemalige Dimitroff-Schule steht. Nach deren Abriss könnte dort eine grüne Wiese entstehen – oder eine mehr als 600 Personen fassende Bühne, die Planer Matthias Lofing als „Amphi-Theater“ bezeichnete. Ein Wort, das Gymnasiums-Schulleiter Dietmar Collatz nicht so gerne in den Mund nimmt: Zu pompös mag dies klingen.

Die Stadt Gardelegen hatte sich bereit erklärt, die Kosten für den Abriss der Dimitroff-Schule zu übernehmen. Träger des Gymnasiums ist der Altmarkkreis Salzwedel, der sich auch am Bau der Bühne mit 45 000 Euro beteiligen soll. Doch das könnte womöglich nichts werden, erklärte Bürgermeister Konrad Fuchs, der selbst Kreistagsmitglied ist. Der aktuelle Haushalt des Kreises sei immer noch nicht genehmigt, der Landkreis müsse wohl noch sparen. „Es ist nicht auszuschließen,“ befürchtet Fuchs, „dass der Kreis diese 45 000 Euro streicht.“ Dennoch warb er für die Bühne, für die es eine 90-prozentige Förderung geben würde. „Für mich gibt es da nichts zu überlegen.“

Ausgerechnet Fuchs´ Parteifreundin, die SPD-Fraktionsvorsitzende Mandy Zepig, war anderer Meinung. Sie sei ja nicht generell gegen eine solche Freilichtbühne, erklärte sie. „Aber wir müssen das ordnungsgemäße Prozedere einhalten.“ Deshalb forderte sie eine Zusage durch das Landesverwaltungsamt, dass die Maßnahme gefördert werde. Ein solches positives Signal, erklärte Stadt-Bauamtsleiter Engelhard Behrends, gebe es. Aber das reichte Mandy Zepig nicht. Im Anschluss an die Beratungspause beantragte sie, das Thema Freilichtbühne in die Ausschüsse zu verweisen und erst anschließend eine Entscheidung zu fällen.

Dem widersprach Hannelore von Baehr (Freie Liste). „Ich kann diese ganze Diskutiererei nicht mehr verstehen“, erklärte sie. „Lassen Sie uns nicht lange reden, die Zeit läuft uns davon.“

Fortan bildete sich im Gardelegener Stadtrat eine außergewöhnliche Kurzzeit-Koalition: Bürgermeister Konrad Fuchs (SPD), seine Amtsvorgängerin Hannelore von Baehr und ein Großteil der CDU-Fraktion stimmten gegen eine nochmalige Beratung und somit für das indirekte Okay zum Bau einer Freilichtbühne. Die SPD-Fraktion und auch die Linken wollten das Thema nochmals diskutieren. Mit 12:11 Stimmen setzten sich die sofortigen Freilichtbühnen-Befürworter durch. Und die in den Zuschauerreihen sitzenden Gymnasiums-Vertreter atmeten erleichtert auf.

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