Kurz abgelenkt, Geldbörse geklaut

Vermehrt Diebstahl von Portemonnaies in Gardelegens Supermärkten

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Ein kurze Ablenkung reicht aus, damit Täter Geldbörsen klauen können, wie Lutz Richter (links) und Fred Brehmeier zeigen. Damit der Diebstahl nicht gelingt, sollten Wertsachen nicht unbeaufsichtigt sein.

Gardelegen – Eine ältere Frau geht in einen Supermarkt einkaufen. Ihre Geldbörse liegt in ihrer Handtasche. Die stellt die Frau im Einkaufswagen ab. Sie geht zum Regal, lässt den Einkaufswagen stehen. Das sieht ein Täter, er nutzt die Situation aus.

Während die Frau abgelenkt vor dem Regal steht, schnappt er die Geldbörse aus der Tasche, steckt sie ein und geht aus dem Supermarkt.

Dass der Frau die Geldbörse geklaut wurde, merkt sie vermutlich erst an der Kasse, wenn sie Geld zum Bezahlen benötigt. Und dann ist der Täter schon weit weg, weiß Regionalbereichsbeamter Lutz Richter, mit seinem Kollegen Henry Rosner zuständig für die Gardelegener Einheitsgemeinde.

Hier kam es in den vergangenen Monaten in den Supermärkten vermehrt zu solchen Diebstählen. In den letzten zwei Wochen wurden der Polizei bereits zwei solcher Fälle gemeldet, wie auch in der Altmark-Zeitung zu lesen war.

„Eine kurze Ablenkung reicht schon aus“, so Fred Brehmeier. Der Kriminalhauptmeister stand gestern mit dem Präventionsmobil des Landeskriminalamtes (LKA) auf dem Rathausplatz und erzählte, dass auch er sich fast ablenken ließ und dann auf einen Trick hereingefallen wäre. Ein Mann wollte einen Euro für einen Einkaufswagen haben. Als Fred Brehmeier stattdessen einen Chip überreichte, „moserte er herum, dass das auch Bargeld hätte sein können“, erinnert sich der Kriminalhauptmeister. Im Supermarkt dachte er darüber nach. Er kam zu dem Schluss, dass der Mann ihn mit der Bitte ablenken wollte, um ihn zu beklauen.

Das war ein gezielter Trick, die Diebstähle von Geldbörsen in den Supermärkten passieren meist aus der Gelegenheit heraus, erzählt Fred Brehmeier. Täter sehen, dass vor allem ältere Menschen ihren Einkaufswagen mit Handtasche unbeaufsichtigt lassen. „Sie nehmen die Gelegenheit wahr“, so der Kriminalhauptmeister weiter. Schnappen sich also die Geldbörse und verschwinden.

Die Täter werden meistens nicht gefasst. Das liegt oft daran, dass Zeugenaussagen fehlen. So wissen im Supermarkt Kunden nicht, wem welcher Einkaufswagen gehört, erklärt Fred Brehmeier. Damit also auch nicht, ob es sich wirklich um einen Täter handelt, der gerade eine Geldbörse klaut oder um den Besitzer, der in der Handtasche nach etwas sucht.

Wird so ein Diebstahl beobachtet, dauert es eine Weile, bis die Tat als solche realisiert wird. Fred Brehmeier denkt dabei wieder an die Bitte um den einen Euro. „Mir ist der Trick auch erst im Einkaufsmarkt klar geworden“.

Hinzukommt, dass die Menschen auf das Einkaufen konzentiert sind und sich sicher fühlen. Sie nicht denken, dass „mir so etwas passiert“, wissen Lutz Richter und Fred Brehmeier. Passiert es dann doch, fehlen nicht nur Bargeld und Kreditkarten, sondern wichtige Papiere. Die Menschen „haben ihr halbes Leben“ in Geldbörsen, so Fred Brehmeier. Ausweis oder Führerschein bekommen die Geschädigten meist zurück, da Täter nur am Geld interessiert sind. Deswegen landen die Papiere oft in einem Gebüsch.

Gegen solchen Diebstahl kann nicht viel gemacht werden, so Lutz Richter. Nur immer wieder zu mehr Vorsicht aufrufen.

VON INA TSCHAKYROW

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