Gardelegener Gymnasiasten hoffen auf Zeitzeugen, die als Kinder Kontakt zu jüdischen Familien hatten

Verlegung Stolpersteine im Oktober

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Alina Wolfowski (v.l.), Lena Leuschner, Tabea Kreutz, Lea Weisbach, Karla Steinecke, Lina Holz und Robert Ghigeanu mit den Briefen, die sie bereits von Angehörigen der jüdischen Familien, die ehemals in Gardelegen wohnten, erhalten haben. Zur Gruppe gehören auch noch Gunnar Bude und Jessica Kraska. Sie alle hoffen, dass sich vielleicht auch noch Zeitzeugen finden.

Gardelegen. Nun ist es amtlich. Im Oktober dieses Jahres werden in Gardelegen die ersten Stolpersteine verlegt, die an die Opfer jüdischer Familien während des Nationalsozialismus´ erinnern sollen.

Soweit ist die Arbeit der Projektgruppe am Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasium unter der Leitung der Geschichtslehrerin Andrea Müller, die im März vergangenen Jahres ihre Arbeit aufnahm, gediehen. Anfang dieses Jahres erhielten sie das Okay für ihre Aktion vom zuständigen Büro des Initiators und Künstlers Gunter Demnig, der das Stolpersteine-Projekt 1990 ins Leben rief und die Verlegung immer selbst übernimmt. Es sollen zunächst vier Steine gesetzt werden, und zwar für die Familien Cohn, Lemberg, Marcus und Behrens.

Mittlerweile haben die heutigen Zehntklässler, von denen Robert Ghigeanu, Lina Holz, Alina Wolfowski, Tabea Kreutz, Karla Steinecke und Lea Weisbach sowie Mutti Anna Wolfowski von Anfang an mit dabei sind, während Gunnar Bude, Jessica Kraska und Lena Leuschner ein wenig später dazu stießen, schon viele Informationen über die von ihnen ausgewählten Familien gesammelt, die am Ende in Präsentationsmappen zusammengefasst werden, Angehörige aufgespürt und Kontakt zu ihnen aufgenommen – obwohl ihre Erlaubnis zum Legen der Stolpersteine nicht mehr notwendig ist.

Die Schülerinnen und Schüler erhielten bereits Post aus Brasilien, Großbritannien, Israel und Chile. Darunter waren auch Angehörige der Familie Lippstädt, die damals wohl in Theresienstadt umgekommen ist, wie die Gymnasiasten bisher recherchieren konnten. Die Familie wohnte in Gardelegen gegenüber dem Bahnhof in der Villa, in dem zu DDR-Zeiten das Haus der Pioniere eingerichtet war. Von dieser Familie meldete sich zum einen die Tochter von Dr. Samuel Rozenberg, die in Brasilien lebt und an dem Projekt sehr interessiert ist, und zum anderen Hans Kychenthal aus Santiago de Chile, der auch mitteilte, dass er die Kosten für den Stein seiner Familie übernehmen wolle.

Die Gymnasiasten um Andrea Müller wollen auch noch weiter forschen und beispielsweise im Archiv der Stadt gezielt noch einmal nach Unterlagen über die Familien suchen. Außerdem erhoffen sie sich vielleicht noch Zeitzeugen zu finden, die damals als Kinder mit den jüdischen Familien Kontakt hatten. Wer darüber noch etwas zu berichten weiß, möchte sich bitte im Gardelegener Gymnasium, Telefon (0 39 07) 8 01 90, melden.

Von Elke Weisbach

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