Sieben Erinnerungsquader für die Familien Lippstädt, Cohn, Lemberg und Marcus

Verlegung der ersten Stolpersteine im Oktober

Lina Holz (v.l.), Robert Ghigeanu, Tabea Kreutz, Lea Weisbach, Karla Steinecke, Alina Wolfowski, Lena Leuschner, Jessica Kraska und Gunnar Bude gestern vor dem Haus, in dem ehemals Familie Lippstädt wohnte. Dort werden drei Stolpersteine verlegt. Foto: Weisbach

Gardelegen. „Jetzt können wir zur Tat schreiten und uns auf den Weg machen“, freute sich Andrea Müller, Geschichtslehrerin am Gardelegener Gymnasium, die das Projekt Stolpersteine seit rund einem Jahr betreut.

Und mit ihr auf den Weg machten sich gestern die neun Zehntklässler Robert Ghigeanu, Gunnar Bude, Alina Wolfowski, Lena Leuschner, Tabea Kreutz, Lea Weisbach, Karla Steinecke, Lina Holz und Jessica Kraska im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn nachdem das Büro des Künstlers Gunter Demnig den Termin für die ersten Stolpersteine in Gardelegen für den 24. Oktober bestätigt hat, schauten sie gemeinsam vor den ehemaligen Häusern von Familie Lippstädt – das ehemalige Pionierhaus gegenüber dem Bahnhof – und Cohn – am heutigen Netto-Standort an der Hopfenstraße – wohin die Steine in den Gehwegbereich und auf dem Parkplatz am besten gesetzt werden. Mit dabei war auch Karl-Heinz Reuschel, der die Gruppe wie andere engagierte Gardelegener unterstützt. Die Familien Marcus – heute Drogerie Rossmann – und Lemberg – heute das Eiscafé Venezia – werden folgen.

Diese vier Familien sollen zuerst Stolpersteine erhalten. Wie Jessica Kraska und Lena Leuschner erzählten, sei es für Familie Cohn nur einer, und zwar für Elly Cohn, die 1941 ins Ghettohaus Gardelegen musste und von dort 1942 ins Konzentrationslager (KZ) Theresienstadt deportiert wurde. Dort beging sie vor dem Abtransport nach Auschwitz Selbstmord. Für Familie Lippstädt werden drei Stolpersteine gelegt, und zwar für den Vater Leo, geboren 1877, Mutter Julie, geboren 1895, und Sohn Joachim, geboren 1923. Sie wurden, wie Robert Ghigeanu und Gunnar Bude erklärten, 1942 nach Auschwitz deportiert, wo sie umgebracht wurden. Wann genau, das konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Zwei Stolpersteine werden für das Ehepaar Lemberg, Dr. Werner, geboren 1892 – Todesdatum 28. September 1944 in Auschwitz, und Julie, geboren 1898 – Todesdatum 1. November 1944 in Auschwitz, verlegt. Die Tochter Eva Margot überlebte. Ein Stolperstein erhält zudem Siegbert Marcus, der nach Nürnberg ging und dort die Jüdin Marie Friedlein heiratete. Beide wurden nach Riga deportiert und kamen dort ums Leben.

Familie Behrens, mit der sich Tabea Kreutz, Lea Weisbach und Lina Holz beschäftigen, ist bei dieser ersten Verlegung noch nicht mit dabei. Denn es gibt sehr viele Familienangehörige. Die Familie hat zahlenmäßig die meisten Opfer zu beklagen. Allein Albert Behrens, der um 1880 aus Osterburg nach Gardelegen zog, hatte neun Kinder. Von seinem Enkel Joachim, mittlerweile 93 Jahre alt und wohnhaft in London, kam in der vergangenen Woche ein Brief, mit dem sich die Gruppe beim nächsten Treffen beschäftigen will.

Von Elke Weisbach

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