Hansestadt Gardelegen verliert 2011 vor allem durch Wegzüge deutlich an Einwohnern

Verheerende Auswirkungen ab 2015

Seltenes Bild: Tausende Menschen bummelten während des Sachsen-Anhalt-Tages durch die Straßen von Gardelegen. Die Bevölkerung der Hansestadt schrumpft derzeit dramatisch. Foto: Schmidt

Gardelegen. Die Hansestadt Gardelegen hat in den ersten drei Quartalen dieses Jahres in der Bilanz 260 Einwohner verloren und kommt so insgesamt auf nur noch 23 720 Einwohner (Stand: 30. 09. 2011; 01. 01. 2011: 23 980).

Damit setzt sich der negative Trend der Bevölkerungsentwicklung im Stadtgebiet nicht nur fort, er hat auch deutlich an Dynamik gewonnen.

Wie Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs (SPD) gestern erklärte, habe die Schrumpfung in den Jahren 2009 und 2010 noch unter den vom Statistischen Landesamt prognostizierten Zahlen gelegen. „In diesem Jahr aber treffen die Prognosen ziemlich punktgenau zu“, so der Bürgermeister.

Besonders Besorgnis erregend findet Fuchs, dass zwei Drittel des Bevölkerungsverlustes (171 Einwohner) auf Wegzüge zurückzuführen sind. „Wenn man die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und die Unsicherheit in einigen großen Betrieben betrachtet, kann man verstehen, warum es diesen Trend gibt“, sagte er. Deswegen sei für ihn auch die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen im Stadtgebiet das A und O.

Weiter im Trend der vergangenen Jahre bewegte sich in den vergangenen Monaten dagegen die natürliche Bevölkerungsentwicklung, also die Differenz von Geburten- und Sterbezahlen im Stadtgebiet. Hier verzeichne man 131 Geburten und 219 Sterbefälle, unterm Strich also ein Rückgang von 88 Einwohnern.

Im Verhältnis zur Gesamtbewohnerzahl falle der Bevölkerungsverlust in der Kernstadt mit absolut 104 Einwohnern nicht ganz so negativ aus wie im Stadtgebilde insgesamt, erklärte der Bürgermeister. Mit besonders negativen Entwicklungen im Verhältnis zu ihrer Gesamteinwohnerzahl sähen sich dagegen einige Ortschaften im Westen und Süden konfrontiert. So habe etwa Mieste 40 Einwohner verloren, Jeseritz 15 und Köckte 14.

Nach den Prognosen des Statistischen Landesamtes wird der negative Bevölkerungstrend in der Hansestadt auch in Zukunft anhalten und sogar noch weiter zunehmen. Bis zum Jahr 2025 soll Gardelegen auf 19 200, dann wohl überwiegend ältere Einwohner schrumpfen.

Ab 2015 sei aber bereits mit „verheerenden Auswirkungen zu rechnen“, erklärte Konrad Fuchs. Dann nämlich werde spürbar, dass junge Mütter fehlen, die in den Jahren nach der Wende nicht geboren wurden oder nach der Schulzeit abgewandert sind. Angesichts dieses zu erwartenden Echo-Effekts des Bevölkerungsschwundes seit 1990 sagte Konrad Fuchs: „Ich kann aus diesem Grund nicht in jeder Grundschule sagen, ihr werdet auch in zehn Jahren noch bestehen“. Gleiches gelte für Kindertagesstätten.

Die Chance der Stadt liege nun in der Herausstellung von Alleinstellungsmerkmalen, die die Lebensqualität steigern und das wirtschaftliche Auskommen der Einwohner sichern. Visionäre Entwicklungen wie aktuell auf dem Zichtauer oder dem Lindstedter Gutshof seien Beispiele dafür, wie eine solche Profilierung gelingen könnte. Deshalb müssten die Initiatoren solcher Projekte gefördert werden, betonte der Bürgermeister.

Von Alexander Walter

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