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Urteilsverkündung zum Cannabis-Plantagen-Prozess in Gardelegen

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Von: Lea Weisbach

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Amtsgericht in Gardelegen
Das Urteil im Prozess gegen zwei Männer aus Serbien wegen „Gemeinsamem Handel mit Betäubungsmitteln“ wurde am Montag gesprochen. © Stefan Schmidt

Nach vier Verhandlungstagen wurde nun im Gardelegener Amtsgericht das Urteil im Prozess zur Cannabis-Plantage an der Bahnhofstraße gesprochen.

„Ich glaube, Sie sind einfach an die falschen Leute geraten“, erklärte die Staatsanwältin in ihren Ausführungen. Am Montag wurde während des vierten Verhandlungstages, bei dem zwei Serben vor dem Schöffengericht in Gardelegen standen, das Urteil gesprochen. G. und Z. wurde der „Gemeinsame Handel mit Betäubungsmitteln“ vorgeworfen, nachdem am 23. Februar eine Indoor-Cannabisplantage an der Bahnhofstraße ausgehoben wurde.

Doch schon die Staatsanwaltschaft plädierte bei beiden Angeklagten auf Beihilfe. Diesem schlossen sich die Verteidiger an. Die äußeren Umstände seien klar: Der Angeklagte G. reiste im Spätsommer des vergangenen Jahres nach Deutschland, um Arbeit zu finden. Dabei kam er nach Gardelegen in eine Wohnung an der Bahnhofstraße. Zu diesem Zeitpunkt sei ihm noch nicht bewusst gewesen, dass in dem Gebäude Cannabis angebaut wird. Später verrichtete er Aufräum- und Reinigungsarbeiten im Keller. Ab Silvester wurde er von einem Mann beauftragt, 510 Pflanztöpfe in die obere Etage zu tragen und diese mit Erde zu befüllen, in die danach Cannabis-Pflanzen von einem unbekannten Mann eingesetzt wurden. G. erhielt genaue Anleitungen, wie er diese zu pflegen und zu gießen habe. Dafür wurden ihm 200 Euro versprochen, die der Angeklagte für die Heimreise nutzen wollte.

Erneuerung der Elektrik

Der zweite Angeklagte Z. ist später auf die Plantage gekommen. Er war nur 15 Tage vor Ort, bis die Razzia stattfand. Über Frankfurt am Main und Magdeburg ist der Angeklagte nach Gardelegen gekommen. Ein Mann hatte ihm erklärt, dass er dort Installationsarbeiten durchführen könne. Bei der Ankunft in der Wohnung wurde ihm der Sicherungskasten gezeigt. Zuleitungen waren verschmoren und Plastikteile geschmolzen. Es bestand Brandgefahr. Nach der Erneuerung der Elektrik sollte Z. außerdem die Lampen und Lüftungen für einen kurzen Zeitraum kontrollieren.

Nachdem im Februar ein anonymes Schreiben mit Hinweisen zu baulichen Veränderungen und dem Verdacht, dass vor Ort Drogen angebaut werden bei der Gardelegener Polizei einging, kam es dazu, dass die Cannabis-Plantage mit insgesamt 859 Pflanzen, die zwischen 30 und 55 Zentimeter groß waren und 118 Gramm reines THC enthielten, aufgedeckt wurde. Die Staatsanwältin forderte für G. eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Für Z. ein Jahr, ebenso ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung. Die Verteidigerin von Z. schloss sich dem an, der Anwalt von G. plädierte auf ein Jahr Freiheitsstrafe, ebenso zur Bewährung. Die Angeklagten seien „aus der Not heraus dort reingeraten“, erklärte der Verteidiger.

Das letzte Wort hatten die beiden Angeklagten. G. äußerte sich nicht. Z. beteuerte, was passiert ist und dass er „so bald wie möglich nach Hause fahren“ möchte, übersetzte die Dolmetscherin.

Richterin Kirsten Döring-Jeske sprach dann das Urteil. Die beiden Angeklagten wurden zu „Beihilfe zu unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen in Tateinheit mit unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen“ verurteilt. Die Freiheitsstrafe für G., die auf ein Jahr und drei Monate angesetzt war, wurde zur Bewährung für drei Jahre ausgesetzt. Auch Z.’s einjährige Freiheitsstrafe wurde in drei Jahre Bewährung umgewandelt.

Gemilderter Strafrahmen

Bei der Gehilfentätigkeit liege ein minder schwerer Fall vor. Der Strafrahmen verschob sich doppelt, wurde also gemildert, auf einen Monat bis fünf Jahre. Für die Angeklagten sprach, dass sie sich von Anfang an geständig gezeigt haben, beide nur für einen kurzen Zeitraum tätig waren, nach Anleitung gehandelt haben und Cannabis als weiche Droge gilt. Außerdem sind beide Angeklagte in Deutschland nicht vorbestraft, sie haben ihre Beteiligung eingeräumt und zeigten dabei Reue. Auch die Untersuchungshaft von derzeit über sechs Monaten habe eine Rolle in der Urteilsfällung gespielt, ebenso die sprachlichen Barrieren. Dennoch seien sie auf einer „professionellen Hanfplantage“ tätig gewesen, wobei die bei der Durchsuchung gefundenen „Cannabis-Pflanzen die geringe Menge weit überschritten“, führte die Richterin weiter aus. Der Grenzwert liege hier bei 7,5 Gramm reines THC.

Während der Bewährungszeit von drei Jahren müssen die Angeklagten jeden Wohnungs- und Aufenthaltswechsel dem Gericht melden – dürfen aber wieder in die Heimat. Die Haftbefehle des Amtsgerichts Stendal gegen G. und Z. werden aufgehoben und die privaten Mobiltelefone nicht eingezogen.

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