Zeitweilig Klassenfahrts-Atmosphäre bei der offiziellen Kundgebung / Ruhe im Camp bei Parleib

Unentwegte vor der GÜZ-Wache

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Gedenken an eine Mitstreiterin der ersten BI-Stunde: Die Sängerinnen von „Lebenslaute“ erinnerten an Erika Drees.

Letzlingen. In den Morgenstunden, so beobachten einige Polizisten, halten Autos an der B 71 bei Letzlingen an. Junge Menschen, alleine oder in kleineren Gruppen unterwegs, springen heraus, schlagen sich in die Büsche.

Und verschwinden im Dickicht in Richtung Truppenübungsplatz Altmark. Darunter auch etliche Teilnehmer des „Antimilitaristischen Camps“, das seit Mittwoch bei Parleib Quartier bezogen hatte.

Direkt am Demonstrationsplatz vor dem militärischen Sicherheitsbereich an der Altmark-Kaserne herrscht derweil Klassenausflugs-Atmosphäre. Was auch daran liegt, dass sich nur einige wenige Menschen dorthin verirrt haben. Am Vormittag kaum mehr als 40 Unentwegte, später ein paar mehr. Zu Spitzenzeiten, so meldet die Polizei nach der Demo, seien es 100 Menschen gewesen – mitgezählt die Teilnehmer einer Pflanzaktion der Bürgerinitiative „Offene Heide“, sie sich im Vorfeld des „Aktionstages“ ausdrücklich von der Gewaltankündigung des „Antimilitaristischen Camps“ distanziert hatten und folglich Abstand hielten. Oder, wie es der 81-jährige Martin Gregor von der „Offenen Heide“ erläuterte: „Wir handeln nach dem Gandhi-Prinzip: Gewalt unbedingt vermeiden.“

Bilderstrecke von der Demo

Bilder vom Antimilitaristen-Camp bei Letzlingen

Sie alle mussten am Letzlinger Ortsausgang zuvor eine Polizeisperre passieren. Dort wurden sie kontrolliert, teilweise abgetastet. Eine Frau beschwert sich, dass sie von einem männlichen Polizisten einer Leibesvisitation unterzogen worden sei, fühlt sich belästigt. Eine Radfahrerin soll die Schutzhülle über ihren Fahrradsattel abziehen – es könnte ja etwas darunter versteckt sein. Sie bekommt sie nicht wieder übergezogen, schimpft ebenfalls über diese Schikane. All dies sehr zum Unwillen der Demonstanten. „Unter aller Sau“ findet ein Sprecher der Aktion „Nie wieder Krieg“ aus dem wendländischen Wustrow – diese Organisation hatte die Demo vor dem GÜZ-Tor angemeldet – die Vorgehensweise der Polizei. Und ruft noch vor Ort das Verwaltungsgericht in Magdeburg an, um die Sperren sofort stoppen zu lassen. Im Laufe des Tages werden die Kontrollen dann leicht gelockert.

Vor Ort beginnt ein Kleinkrieg: Passierende Polizisten werden wenig freundlich angeraunzt, Polizeiwagen nur widerwillig durchgelassen. Sogar ein rotes Absperrband ziehen die Demonstranten quer über die Salchauer Chaussee – wenige Minuten später wird es von den Militärgegnern wieder entfernt. Antikriegsmusik ertönt aus dem Lautsprecher. Ein Sprecher begrüßt die Anwesenden, die „in Scharen“ gekommen seien. Na ja, ganz wie man´s sieht... Statt der erwarteten 500 Teilnehmer sind vor Ort oft nur ein paar Dutzend. Am Nachmittag lichtet sich selbst dieses Häufchen: „Kaum mehr als zehn Demonstranten“, so Polizeisprecher Marco Neiß, harren tatsächlich bis 18 Uhr – so lange darf demonstriert werden – aus.

Unruhig wird es am Nachmittag auf der B 71. Zwischen Letzlingen und Gardelegen hocken sich etwa 30 Militärgegner auf die Fahrbahn. Die Polizei sperrt die Bundesstraße für anderthalb Stunden, leitet den Verkehr über die Alte Letzlinger Landstraße um. In Letzlingen selbst sind ebenfalls mehrere Anliegerstraßen aus Sicherheitsgründen abgeriegelt.

Ruhig bleibt es das ganze Wochenende über hingegen im „Antimilitaristischen Camp“ auf einer Wiese bei Parleib. Am gestrigen Sonntag zogen Demonstranten und Einsatzkräfte dann allmählich ab.

Von Stefan Schmidt

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